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Nicht mehr die Mutti Warum es Angela Merkel noch einmal wissen will

Die Mutti, der die Unions-Basis vorbehaltlos zujubelt, ist sie nicht mehr. Mit ihrer Flüchtlingspolitik hat sich Angela Merkel Sympathien verscherzt. Trotzdem schätzen viele Deutsche sie als Garantin für Seriosität und Stabilität in außenpolitisch unsicheren Zeiten. In den Umfragen liegen sie und die Union weit vorn. Aber warum will Angela Merkel eigentlich zum vierten Mal Kanzlerin werden?

Von: Achim Wendler, Susanne Betz

Stand: 16.09.2017

Berlin-Mitte. Angela Merkel hat einen schwarz-rot-goldenen CDU-Flyer in der Hand und ein Dutzend Personenschützer und Journalisten im Schlepptau. Sie stürzt in einen Optiker, Fahrradladen und dann noch in eine Eisdiele. Überall lädt sie Menschen ein, zu einer Housewarming-Party zu kommen. Das "Begehbare Wahl-Programm der CDU" wird eröffnet, untergebracht ist es in einem mehrstöckigem Berliner Gebäude, in dem vor 100 Jahren mal ein Kaufhaus war, später das DDR-Institut für Modegestaltung.

Angela Merkel - die Dauerkanzlerin im Wahlkampf

Die Wahlkampf-Maschinerie der CDU läuft auf Hochtouren. Und Angela Merkel ist mittendrin, als Zugpferd, Dauer-Kanzlerin, unermüdliche Kämpferin. Dabei hat sie lange gezögert, ob sie wieder antreten soll. Erst im November 2016 erklärte sie bei einer Präsidiums-Sitzung ihre Bereitschaft. Aus Machtverliebtheit oder doch eher Pflichtgefühl?

"Ich habe sprichwörtlich unendlich viel darüber nachgedacht. Die Entscheidung für eine vierte Kandidatur ist nach elf Amtsjahren alles andere als trivial."

Angela Merkel

An der CDU-Basis rumorte es zwischendurch

Angela Merkel und Horst Seehofer - nicht immer einer Meinung

Davor gab es fast so etwas wie eine Merkel-Dämmerung. Ihre Flüchtlingspolitik machte sie schwer angreifbar. Die Partei wurde unsicher, an der Basis rumorte es. Horst Seehofer, Chef der Schwesterpartei CSU, griff Merkel direkt an. Auch, dass sie mit ihrer Flüchtlingspolitik die AfD erst groß gemacht habe, wurde und wird Merkel vorgeworfen.

"Treten Sie zurück. Als Kanzlerin und als CDU-Chefin, verlassen Sie unsere Partei."

Axel Göring, CDU-Mitglied, Dezember 2016 Jena

Merkels Elternhaus erklärt ihre Beweggründe

Das Haus "Fichtengrund" im uckermärkischen Templin. Die Wohnung im 2. Stock bewohnte Angela Merkel mit ihren Eltern.

Um Merkels Beweggründe für ihre Flüchtlingspolitik besser zu verstehen, hilft ein Treffen mit Jobst Reifenstein in Templin, Uckermark, weiter. Der Diakon war lange Zeit Leiter des "Waldhofs". Dort wuchs Angela Merkel auf. Ihr Vater war Pfarrer  und Leiter der Einrichtung, in der sich schon zu DDR-Zeiten Menschen mit Behinderungen integrieren und würdevoll leben konnten. Dieser christlich-ethische Anspruch, Verantwortung für Schwächere und Schutzbedürftige zu übernehmen, prägt Merkel bis heute.

Merkels Kraft kommt aus der Ruhe

Inzwischen ist Merkel fast wieder die Alte. Aber eben nur fast. Den Hype zu Anfang des Jahres um ihren Herausforderer von der SPD, Martin Schulz, hat sie in gewohnt cooler Manier ausgesessen. Außenpolitisch zieht sie viele Strippen. Drei Landtagswahlen hat die CDU im Frühjahr gewonnen. Merkels Kraft scheint aus der Ruhe zu kommen. Trotz aller Sicherheit will die Kanzlerkandidatin aber auch so etwas wie Demut zeigen - wie im August 2017 bei einem Wahlkampfaufritt in Dortmund:

"Ich habe ganz vergessen, dass die Wahl natürlich nicht entschieden ist, und dass wir jede Stimme brauchen. Und dass ich darauf zähle, dass Ihr Beifall nur der Auftakt zu ganz viel Engagement war."

Angela Merkel

Die B5 Reportage

Nicht mehr die Mutti – warum Angela Merkel trotzdem noch einmal Kanzlerin werden will

Reportage am Sonntag, 17.9.2017, 14:35 und 21:35 Uhr, B5 aktuell

Autor: Achim Wendler
Redaktion: Susanne Betz


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