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Der Nürnberger "Lampensalon" Erleuchtung garantiert

In seinem Laden hat die Wegwerfgesellschaft keine Chance: Jürgen Grunow haucht skurillen Flohmarktfunden oder geliebten Erbstücken neues Leben ein. Und baut selbst Lampen im alten Stil.

Stand: 27.02.2016 | Archiv

Per Zufall zum Traumberuf

Die Kunst des Lampenbauens war ihm nicht in die Wiege gelegt. Jürgen Grunow wollte eigentlich Lehrer werden – wäre da nicht eine Verkaufsmesse gewesen, auf der eine französische Firma ihre Art Deco und Jugendstil-Leuchten angeboten hat. Grunow und seine Frau Gabi verliebten sich auf den ersten Blick in die Lampen. Und das veränderte ihren Lebensweg gewaltig: Grunow wurde kein Lehrer, sondern übernahm 1980 den Vertrieb der Leuchtenfirma Arta in Deutschland. Als Arta vor einigen Jahren Insolvenz anmeldete, beschloss das Ehepaar: wir machen weiter.

"Fast unfreiwillig bin ich Lampenmacher geworden, aus der Not heraus, weil uns die Lieferanten Stück für Stück verloren gegangen sind. Und ich hab mich in diese Bronzelampen verliebt. Ich hab auch viele Liebhaber, die diese Lampen kaufen. Da hab ich mir gedacht: Jetzt versuchst du es mit dem Selberbauen."

Jürgen Grunow, Lampenmacher aus Nürnberg

Aus alt mach neu!

Eine von Jürgen Grunows kleinen "französischen" Schätzen.

Übernommen haben sie den Formen- und Werkzeugbestand der Firma, ebenso wie deren Zulieferer. Nur eines hat sich verändert: die Mengen, die die Franzosen einst produzierten, können und wollen die Grunows nicht herstellen. Die bauen - zusammen mit Jutta Geyer, einer gelernten Lampenschirmmacherin - Lampen in Einzelfertigung, auf Bestellung der Kunden. Vom Bronzeguß-Gestell bis zum Lampenschirm - alles ist Handarbeit.

Auch die Ladeneinrichtung des „Lampensalons“ in der Nürnberger Gudrunstraße ist stilecht - sie stammt aus einer alten Drogerie .

Daneben restaurieren sie im Lampensalon vom Kronleuchter bis zu Omas Lieblingslampe, alles was die Leute bringen. Als Lampenbauer beherrschen sie eine Vielzahl von Handwerkstechniken: Modell- und Formenbau, Hartlöten, Polieren und Glasbearbeitung. Im Laufe der Jahre hat sich der Lampenspezialist einen richtigen „Maschinenpark" zusammengestellt. So manches Gerät hat an die 100 Jahre auf dem Buckel und funktioniert trotzdem noch hervorragend. Was andere bei Werkstattauflösungen entsorgen, das kann Grunow gut gebrauchen.

Lampenmacher aus Leidenschaft

Zwar wird man nicht reich mit seinem Handwerk, meint Jürgen Grunow, doch er und seine Frau können einfach nicht damit aufhören! Lampenbauen kann eben auch zur Sucht werden…

"Die Liebe zu diesen Dingen trägt's . Manche haben gesagt, warum tust du dir das an? Ich sitze manchmal bis nachts um 12 Uhr bis das Teil so grat-, lunker- und blasenfrei ist. Man könnte fast sagen wie ein Schmuckstück. Und der Kunde, der soll sagen: Das hat er aber schön gemacht!"

Jürgen Grunow, Lampenmacher aus Nürnberg


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