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Traditionsreiches Steinzeug Kunstvolle Krüge aus Creußen

Hafner und Bossierer verhalfen der oberfränkischen Stadt Creußen im 17. und 18. Jahrhundert zu Weltruhm. Fürsten und Geistliche schätzten ihre kunstvoll gestalteten Krüge. Heute ist es der Keramikmeister Christian Seyffahrth, der diese Tradition am Leben hält.

Stand: 05.04.2013 | Archiv

Apostelkrug | Bild: BR

Der Untergang

Am zweiten Februar 1789 ist es bitter kalt im damals ostfränkischen Städtchen Creußen, nahe Bayreuth. Auf dem zugefrorenen Strohmühlweiher hackt ein von der Schwermut gebeugter Mann ein Loch ins Eis. Er wirft seine Gerätschaften, Tonkrüge und Tonscherben ins eiskalte Wasser und springt hinterher. Johannes Schmidt, der letzte Krugmacher von Creußen, hat die handwerklichen Kenntnisse und Fertigkeiten seiner Zunft mit in den Tod genommen. So erzählt es die Legende.

Die Renaissance

Ein Apostelkrug aus Creußen.

Anfang der 1970er Jahre macht sich Veit Seyffarth, Keramikmeister in dritter Generation, daran, das handwerkliche Wissen zu rekonstruieren, das Johannes Schmidt mit ins nasse Grab genommen haben soll. Veit Seyffarth hatte die Idee, die Krüge, Kannen und Flaschen nachzubilden, mit denen die Creußener Häfner, Bossierer und Krugmacher im 17. und 18. Jahrhundert Weltruhm erlangten.

Mehrere Jahre lang hat er mit Ton- und Farbmischungen sowie mit Brenntemperaturen experimentiert, bis er in der Lage war, die originalgetreuen Nachbildungen der alten Creußener Apostel-, Planeten-, Fürsten- und Jagdkrüge in seiner Firma herzustellen und zu erschwinglichen Preisen in limitierter Stückzahl auf den Markt zu bringen. Die Nachfrage nach den Seyffarthschen Krüge-Imitationen war groß. Die bunt bemalten und mit allerlei Zierrat von geradezu barocker Opulenz dekorierten Krüge und Humpen lagen im Trend der Zeit. Und die Liebhaber des Creußener Steinzeuges waren in der Lage, die getreuen Kopien zu erwerben.

Ein Nischenprodukt

Heute führt Christian Seyffarth das Familienunternehmen in der vierten Generation. Das Geschäft mit den Krügen rechnet sich zwar heute nicht mehr, doch: Eine gute Portion Lokalpatriotismus und der Respekt vor der Leidenschaft und Lebensleistung seines Vaters treiben ihn an, die alte Tradition der Krugmacher weiter zu führen.


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