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WhatsApp Risiken und Alternativen zu WhatsApp

Obwohl WhatsApp bei Datenschützern von Anfang an in der Kritik stand, ist er nach wie vor der meistgenutzte Messenger. Jetzt wurde eine Verschlüsselung der Daten eingeführt. Multimediaexperte Richard Gutjahr erklärt, ob der Messenger damit sicherer geworden ist. Zudem zeigt er, welche Alternativen es zu WhatsApp gibt.

Stand: 17.11.2016

Das Logo von WhatsApp ist auf dem Display eines Handys zu sehen. | Bild: colourbox.com

Nutzen von WhatsApp

WhatsApp ist ein Messenger-Dienst für Smartphones, mit dem unabhängig vom Mobilfunkvertrag kostenlos gechattet und telefoniert werden kann. Zudem können Bilder, Videobotschaften und Sprachnachrichten verschickt werden, wenn der Empfänger ebenfalls bei WhatsApp angemeldet ist.

Risiken von WhatsApp

  • Weitergabe von Daten an Facebook: WhatsApp möchte die Metadaten der User (z. B. Mobilfunknummer) an den Mutterkonzern Facebook weitergeben. Facebook nutzt diese Daten für Werbung. Nachdem es dafür von Datenschützern Kritik hagelte, werden derzeit zwar keine Daten von europäischen Nutzern weitergegeben, das kann sich aber schnell wieder ändern.
  • Daten werden an amerikanischen Server übermittelt: WhatsApp übermittelt automatisch alle Kontaktdaten im Adressbuch an einen Server in den USA - auch die Daten von Kontakten, die WhatsApp selbst nicht nutzt. Nach deutschem Datenschutzrecht ist das unzulässig, denn dazu bräuchte man die Einwilligung der Personen, deren Daten übermittelt werden. Deshalb müssen WhatsApp-Nutzer seit August dieses Jahres in den AGBs zustimmen, dass sie autorisiert sind, WhatsApp die Telefonnummern ihrer Kontakte zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet: Jeder Nutzer müsste vor der Installation der App all seine Kontakte fragen, ob deren Telefonnummern übermittelt werden dürfen. Wenn nur ein Kontakt dagegen wäre, dürfte man WhatsApp rein rechtlich nicht installieren. Das funktioniert natürlich nicht in der Praxis.
  • Verschlüsselung: Seit April 2016 hat WhatsApp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Daten eingeführt. Das bedeutet, dass die Nachrichten vor dem Versenden verschlüsselt und erst auf dem Smartphone des Empfängers wieder entschlüsselt werden. So soll sichergestellt werden, dass Dritte nicht mitlesen können. Die Ende-zu Ende-Verschlüsselung wird jedoch nur dann umgesetzt, wenn alle Chat-Partner die neueste Version von WhatsApp verwenden.
  • Metadaten werden ausgewertet: Wer wie oft mit wem kommuniziert, kann jederzeit von Dritten (z. B. Behörden) ausgewertet werden.
  • US-Recht: Da die Daten auf Servern in den USA liegen, unterliegen sie amerikanischen Gesetzen. So können aufgrund des Patriot Acts alle amerikanischen Unternehmen ohne richterlichen Beschluss gezwungen werden, den amerikanischen Behörden (z. B. CIA, NSA und FBI) Zugriff auf ihre Nutzerdaten (Gespräche, Videobotschaften usw.) zu geben.
  • Zugriff auf Funktionen des Handys: Durch die Installation hat WhatsApp Zugriff auf Dateien, Fotos, Mikrophon, Kontakte, Standort usw. Dadurch können die User ausspioniert werden, z. B. von US-Behörden.
  • Rechte an Bildern und Statusmeldungen: Durch die AGBs bekommt WhatsApp die Rechte an den Profilbildern und Statusmeldungen der Nutzer.
  • Telefonnummernwechsel: Die Daten (Gespräche, Fotos usw.) sind mit der Rufnummer verknüpft. Wenn Sie Ihre Nummer wechseln und jemand anderes diese frei gewordene, recycelte Nummer bekommt, hat er Zugriff auf Ihre persönlichen WhatsApp-Daten, auch wenn Sie die App zuvor gelöscht haben.

Alternativen zu WhatsApp

Threema
Der Schweizer Instant-Messenger Threema gilt bezüglich Datenschutz als sehr sicher. Er hat die gleichen Funktionen wie WhatsApp, funktioniert aber leider nicht auf allen älteren Geräten - bei Android-Handys erst ab Version 4.x. Threema kostet einmalig - je nach Gerät - zwischen 1,99 Euro und 2,99 Euro.

Wire
Die deutsch-schweizerische App Wire ist in punkto Datenschutz sehr sicher. Sie bietet für alle Nachrichten (Text, Audio und Video) eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

SIMSME
SIMSME ist der kostenlose Messenger der deutschen Post. Er bietet eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, funktioniert aber nicht auf allen Geräten - bei Android-Handys erst ab Version 4.x.

Signal
Der kostenlose Messenger Signal ist ebenfalls eine gute und sichere Alternative zu WhatsApp.

Fazit

Es gibt bessere und sicherere Messenger als WhatsApp. Allerdings macht ein Umstieg nur Sinn, wenn Sie Ihre Kontakte überzeugen können, ebenfalls zu wechseln. Denn was bringt eine gute, sichere App, wenn die Kontaktliste leer ist?


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