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Service Familie Pubertät - Verhaltenstipps für Eltern

Haben Sie auch ein pubertierendes Kind zu Hause? Diese Phase geht irgendwann vorüber - allerdings meist nicht ohne Türenknallen, Endlosdiskussionen und einer temporären Entfremdung. Damit Sie diese nicht leichte Zeit bestmöglich überstehen, gibt Familientherapeutin Birgit Salewski Tipps, wie Sie sich als Eltern oder Großeltern am besten verhalten.

Stand: 24.01.2017

Eltern sitzen mit ihrer Tochter auf einem Bett und diskutieren. | Bild: colourbox.com

Jugendliche machen eine unglaubliche körperliche und psychische Entwicklung während der Pubertät durch. Das ist für sie selber am anstrengendsten. Fallen Sie nicht mit ein in das übliche Gejammere von der "schlimmen Pubertät". Ihr Kind entwickelt sich und kann diese Phase nicht einfach überspringen. Somit haben Kinder, Eltern und Großeltern keine Wahl, die Pubertät wird ihren Lauf nehmen. Dafür kann man neue und interessante Seiten an den Teenies entdecken, andere Gespräche führen und neue Sichtweisen kennenlernen.

In positiver und liebevoller Beziehung bleiben

Zugewandtheit und emotionale Wärme von den Eltern sind für Jugendliche von hoher Bedeutung. Mehr als die Zuwendung von Freunden, das zeigen aktuelle Studien. Die positive Zuwendung von Eltern ist wichtig für das positive Selbstbild der Jugendlichen und beugt negativen Gefühlen vor. Zeigen Sie Ihren Kindern und Enkeln, dass Sie sie lieben und sich für sie interessieren - auch wenn man nicht immer alles versteht oder gleich sieht.

Unterstützen Sie Ihren Teenie - besonders in schwierigen Zeiten

Jugendliche sind manchmal besonders geschickt, sich in schwierige Situationen zu manövrieren. Das tun sie selten aus dem Impuls, Sie zu ärgern. Grenzen zu testen, ans Limit zu gehen, Autonomie zu proben und seltsame Entscheidungen zu treffen, gehören in der Pubertät dazu. Lassen Sie Jugendliche ihre Erfahrungen machen, begleiten Sie sie auch bei negativen Konsequenzen und schützen Sie sie aber vor echten Gefahren. Da können Großeltern sehr hilfreich sein, im Konfliktfall zwischen Eltern und Jugendlichen zu vermitteln.
Besonders bedeutsam ist es auch, in Stresszeiten positiv zugewandt zu bleiben.

Motzen, Türen knallen, Rückzug, komische Freunde

Schwierige und extreme Verhaltensweisen gehören leider in der Pubertät dazu, aber nur bei den wenigsten Familien hängt der Haussegen lange schief. Sagen Sie Ihren Kindern klar und konsequent, was geht und was nicht geht: Schimpfwörter sind tabu, gleichzeitig ist es in Ordnung, wenn Jugendliche nicht mehr zu jedem Verwandtenbesuch mitkommen müssen.

Besonders wichtig ist es, dass Sie Ihren Kindern ein positives Vorbild sind, wie man mit Stress, Wut oder Traurigkeit umgeht. Ebenso wichtig ist, dass Sie die Jugendlichen unterstützen, positive Beziehungen zu Freunden zu pflegen. Intervenieren Sie bei negativen Beziehungen und fördern Sie positive Beziehungen.

Seien Sie nicht der beste Kumpel oder die beste Freundin - Bleiben Sie Eltern und entwickeln Sie sich weiter

Es besteht nach wie vor der Irrglaube, dass man mit seinen Kindern befreundet sein kann. Das ist eine Illusion, denn Sie sind und bleiben Eltern und tragen ebenso die Verantwortung. Ihr Jugendlicher übernimmt nun aber schon mehr Verantwortung für sich, das sollten Sie ihm auch zugestehen. Übertragen Sie ihm Verantwortung, unterstützen Sie ihn dabei und handeln Sie mit ihm nun mehr Kompromisse aus. Helfen Sie den Jugendlichen, mögliche Konsequenzen ihres Verhaltens zu verstehen, zum Beispiel "Wenn du länger wegbleiben möchtest, muss ich die Sicherheit haben, dass ich weiß, wo du bist und wie du nach Hause kommst. Sollte das nicht klappen, komme ich dich abholen und du bist das nächste Mal wieder früher zu Hause."

Helfen Sie den Jugendlichen, einen Sinn in ihrem Leben zu finden

Nach neuesten Studien ist es für Jugendliche eine zentrale Aufgabe, einen Sinn im Leben zu finden. Hier können Sie sie unterstützen. Ermutigen Sie sie, Erfahrungen zu machen, Verantwortung zu übernehmen, sich zu engagieren.


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