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Haut So pflegen Sie Ihre Haut im Winter richtig!

Gerade jetzt, am Ende des Winters, ist die Haut durch Kälte und trockene Heizungsluft strapaziert. Rötungen, Spannungsgefühl und Juckreiz sind unangenehm. Unsere Hautärztin Dr. Monique Stengel gibt Tipps, wie Sie mit der passenden Pflege und dem richtigen Lebensstil Ihre Haut auch im Winter gut in den Griff bekommen.

Stand: 08.02.2018

Eine Frau cremt sich vor dem Spiegel ihr Gesicht ein. | Bild: picture-alliance/dpa

Wodurch wird die Haut im Winter besonders beansprucht?

Im Winter macht der Wechsel zwischen der Kälte draußen und trockener Heizungsluft drinnen unserer Haut zu schaffen. Durch die Kälte verengen sich die Blutgefäße, die Haut ist dann schlechter durchblutet und bekommt weniger Nährstoffe und Sauerstoff. Bei Temperaturen unter 8 Grad Celsius stellen außerdem die Talgdrüsen ihre Talgproduktion ein. Kalte Winterluft enthält weniger Feuchtigkeit als warme Luft und wirkt daher zusätzlich austrocknend auf unsere Haut.

Wie äußern sich Winterhautprobleme?

Trockener Haut fehlt es in der oberen Hautschicht an Fettstoffen und Feuchtigkeit. Die Haut ist schuppend, rau und glanzlos. Menschen mit trockener Haut spüren gerade im Winter oft Juckreiz, der nach dem Waschen verstärkt auftritt und ein Spannungsgefühl der Haut bewirkt.

Braucht Winterhaut mehr Pflege als sonst?

Ja, denn trockene Haut reagiert generell empfindlicher auf Umwelteinflüsse und braucht gerade im Winter mehr Schutz und Pflege in Form von Feuchtigkeit und Fett.

Wie pflege ich im Winter meine Haut und welche Stoffe sind bei der Pflege wichtig?

  • Die Pflege sollte grundsätzlich immer dem jeweiligen Hauttyp und der Witterung angepasst sein.
  • Bei verstärkt im Winter auftretender trockener Haut sollten Sie auf reichhaltigere Pflegecremes umstellen, die einen höheren Lipidanteil, also Fettanteil, haben.
  • Auch den Sonnenschutz nicht vergessen. Vor allem im Gebirge nimmt die UV-Strahlung nicht nur allein aufgrund der Höhenlage zu, sondern auch, weil ca. 80 % der UV-Strahlen durch den Schnee reflektiert werden.
  • Empfehlenswert sind Inhaltsstoffe wie Glycerin, Harnstoff, Milchsäure oder Hyaluronsäure, da sie Feuchtigkeit in der Haut binden.
  • Austrocknend wirken dagegen gewöhnliche Seifen, raue Peelings und alkoholhaltige Gesichtswasser. Sie sollten im Winter eher vermieden werden.
  • Je nach Hauttyp zum Reinigen eine Reinigungsmilch oder -öl verwenden. 

Sind regelmäßige Gesichtsmasken gerade im Winter empfehlenswert?

Abhängig vom Hautzustand spricht nichts dagegen, die Haut mit einer Extraportion Feuchtigkeit in Form einer Maske zu versorgen. Dabei bitte beachten: Wählen Sie das richtige Präparat für Ihren Hauttyp aus, achten Sie auf hochwertige Inhaltsstoffe und übertreiben Sie nicht, denn eine gesunde und bereits gut gepflegte Haut kann man auch "überpflegen", was zu einer perioralen Dermatitis (Mundrose) führen kann.

Was kann man gegen Juckreiz tun?

  • Bei starkem Juckreiz können Sie Cremes mit Polidocanol verwenden, einem juckreizstillenden Wirkstoff.
  • Verwenden Sie am besten gut verträgliche Cremes ohne Konservierungs- oder Duftstoffe und Emulgatoren, die hautirritierend wirken können.

Wie gut sind spezielle Kälteschutzcremes?

  • Diese Cremes sind eine gute Sache. Verwenden Sie bei längeren Aufenthalten im Freien und bei Temperaturen unter +8 Grad Celsius eine Kälteschutzcreme.
  • Das ist eine wasserfreie Creme, die sich wie eine Schutzschicht über Ihre Haut legt.
  • Tragen Sie die Creme dünn auf, verwenden Sie sie nicht täglich und waschen Sie sie nach dem Aufenthalt im Freien wieder ab. Denn zu dick aufgetragen und zu oft verwendet, dichten Kälteschutzcremes unsere Haut zu stark ab. Die Haut kann dann nicht mehr richtig atmen, der Schweiß nicht mehr richtig verdunsten und so bildet sich eine feuchte Kammer, die einen optimalen Nährboden für Bakterien und Pilze darstellt.

Kann ich die Haut im Winter auch durch meinen Lebensstil unterstützen?

  • Auf jeden Fall. Erst einmal: Duschen und baden Sie nicht zu lange und nicht zu heiß! Duschen maximal fünf bis zehn Minuten bei idealerweise 32 bis 35 Grad, Baden maximal 20 Minuten. Am besten verwenden Sie dabei pH-hautneutrale, synthetische Waschsubstanzen oder Dusch- und Badeöle, die rückfettend wirken. Gewöhnliche Seifen sind meist zu alkalisch und greifen damit den Säureschutzmantel der Haut an.
  • Cremen Sie sich unmittelbar nach dem Duschen oder Baden mit rückfettenden Cremes mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen wie Glycerin, Milchsäure und Harnstoff ein. Harnstoff allerdings nicht bei Kindern und nicht auf offenen Hautstellen anwenden, da er sonst brennt.
  • Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, bevorzugt Wasser oder ungesüßten Tee, damit können Sie Ihre Haut auch von innen unterstützen. Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen, damit auch Ihre Haut mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen versorgt wird.
  • Tragen Sie locker sitzende, atmungsaktive Kleidung aus weichen Materialien wie Baumwolle oder Leinen. Je enger die Kleidung sitzt, desto mehr schwitzt man und desto höher ist der Wasserverlust über die Haut. Raue Stoffe können die Haut noch zusätzlich reizen.
  • Verzichten Sie auf Nikotin, denn Nikotin verengt nicht nur die Blutgefäße und mindert damit die Nährstoffversorgung der Haut, sondern vermindert auch die Feuchtigkeitsbindung in der Oberhaut.

Helfen Luftbefeuchter der Haut?

  • Indirekt ja, denn er hilft gegen trockene Heizungsluft. Aber man sollte beachten, dass so ein Luftbefeuchter unbedingt regelmäßig gewartet werden muss, da sich sonst Bakterien und Schimmelpilze ansammeln. Schimmelpilze können wiederum ein allergisches Asthma verursachen.
  • Luftbefeuchter sollten außerdem nicht von Menschen mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben verwendet werden, da sich diese optimal bei einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit von ca. 80 % vermehren.
  • 45-55 % Luftfeuchtigkeit sind optimal für ein gesundes Raumklima. Ein- bis zweimal täglich Stoßlüften tut es aber auch.

Früher galt das Einschmieren mit Vaseline als Tipp gegen Kälte. Ist das noch aktuell?

  • Vaseline wird aus Rückständen bei der Erdölgewinnung hergestellt und ist eine der ältesten und gängigsten Salbengrundlagen auf Basis von Paraffinkohlenwasserstoffen.
  • Die Stiftung Warentest bemängelte, dass bei Lippenpflegeprodukten auf Mineralölbasis möglicherweise krebserregende Stoffe über den Mund in den Körper aufgenommen werden können.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht nicht von einem gesundheitlichen Risiko durch die Aufnahme solcher Kohlenwasserstoffverbindungen über die Haut aus, das allerdings in einer, aufgrund von umfangreichen Datenlücken, bislang vorläufigen Stellungnahme.
  • Laut Deutschem Arzneimittel-Codex und neuem Rezepturformularium ist ein angeblich erhöhtes Krebsrisiko unbegründet.

Es existieren auch gute Alternativen, die ohne Vaseline auskommen. Letztendlich sollte jeder Anwender kritisch die Inhaltsstoffe seiner Pflegecremes hinterfragen.

Was tun bei leichten Erfrierungen, für die z. B. Kleinkinder besonders anfällig sind?

  • Bei leichten Erfrierungen, die mit einer Rötung der Haut einhergehen, sollten die betroffenen Körperareale langsam wieder erwärmt werden, im Gesicht z. B. durch das Auflegen von warmen Händen. Kein Reiben der Stellen zum Wiederwärmen, da möglicherweise die Schmerzempfindung vermindert ist und das Areal so mechanisch geschädigt werden kann.
  • Oft ist das Ausmaß der Erfrierung nicht sofort abzuschätzen, daher empfiehlt sich auf jeden Fall eine Vorstellung beim Arzt.
  • Vorbeugend bitte besonders Babys und Kleinkinder unbedingt mit Kälteschutzcreme im Gesicht eincremen, möglichst viel Haut bedecken und nicht zu lang in der Kälte verbringen. Unbedingt auch an den Sonnenschutz denken!

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