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Wirtshaustipp Die "Schiffbäuerin" in Würzburg

1852 eröffnete die Tochter eines Schiffsbauers in ihrem Würzburger Elternhaus eine Weinwirtschaft. 1890 kam zum Wein der Fisch und noch heute gibt’s im "Wein- und Fischhaus Schiffbäuerin" saisonal fast jeden regionalen Fisch in allen gängigen Zubereitungsarten.

Stand: 03.12.2015 | Archiv

Die "Schiffbäuerin" in Würzburg | Bild: BR

Das Besondere an diesem Restaurant

"Dass es so etwas überhaupt noch gibt: Nämlich ein Restaurant, in dem als Hauptspeise ausschließlich Fisch serviert wird. Wohlgemerkt, wir sind in Bayern und nicht in Hamburg. Meines Wissens ist die 'Schiffbäuerin' auch das einzige Fischrestaurant in Würzburg. Und, das ist mir jetzt ganz wichtig: Es ist ein Restaurant, von dem man sagen könnte, dass es aus der Zeit gefallen ist und deswegen hoffentlich noch eine lange Zukunft hat. Hier geht es nämlich nicht hektisch zu, ist Essen nicht zu jeder Zeit sofort konsumierbar. Es ist ein Slow-Food-Restaurant im besten Sinne und wenn Sie dort hingehen, bringen Sie bitte etwas Zeit mit."

Das Restaurant von außen

"Gott sei Dank wurde dieses Anwesen in der Katzengasse im Krieg nicht zerstört. Und es hat eine traditionsreiche Geschichte. Ab 1806 wurden hier Schiffe für den Main gebaut. Die Frauen der Schiffbauer haben zunächst für die Angestellten gekocht und um 1850 hat die Tochter eines Schiffbauers das Anwesen zur Weinwirtschaft gemacht. Deshalb der Name 'Schiffbäuerin'. Geführt wird es jetzt von Küchenmeister Rolf Dürr und seiner Frau Roswitha, die für den Service zuständig ist. Im nächsten Jahr feiern die beiden ihr 20-jähriges 'Schiffbäuerinnen-Jubiläum'."

Das Restaurant von innen

"Ich finde, es ist ein in sich sehr stimmiger Gastraum mit seinen Holzvertäfelungen und den apricotfarben bezogenen Stühlen. Das Lokal stammt aus den 50er-Jahren und wurde vom Ehepaar Dürr vor etwa zehn Jahren gewaltig aufgehübscht. Wirklich sehr schön ist das alte Gewölbe. Das ganze Restaurant ist winklig angelegt, gemütlich und hat Charme. Rund 60 Gäste haben hier Platz."

Küchenart

"Fisch, Fisch und nochmals Fisch. Im Raum neben der Küche befinden sich die Bassins, in denen Hechte, Zander, Karpfen, Schleien, Forellen, Saiblinge und ab und zu auch Aale schwimmen. Jeder Fisch wird unmittelbar nach dem Schlachten verarbeitet. Und sowas gibt’s wirklich nicht mehr allzu oft. Frische ist also garantiert. Zubereitet wird der Fisch in allen Variationen: gebraten, gebacken oder blau. Als Beilagen werden Salzkartoffeln, Kartoffelsalat und andere Salate serviert. Schon als Lehrling hat Küchenmeister Dürr seine Passion für die Zubereitung von Fisch entdeckt, die bei ihm übrigens alle Fridolin heißen. Nur ein sehr kleiner Teil der Fische kommt übrigens aus dem Main, das Gros aus einer Fischzucht bei Würzburg. Es gilt: Der Fisch hat als ganzer immer noch den besten Geschmack."

Schneiders Hauptspeise

"Ich nenne ihn den Seeteufel Frankens, weil er auch ein festes weißes Fleisch hat, kaum Gräten und eben nur ein kräftiges Rückgrat: der Waller, die Spezialität des Hauses. Wir haben uns ein kleines Exemplar ausgesucht; knapp eineinhalb Kilogramm schwer. Unmittelbar nach der Schlachtung kommt der Fisch in einen Spezialsud. Je nach Größe des Fisches bleibt er etwa 15 bis 25 Minuten im leicht vor sich hin simmernden Sud. Serviert wird am Tisch, wobei die Chefin des Hauses vor den Augen des Gastes den Fisch fachmännisch zerlegt und immer auch eine zweite Portion auf den Teller vorlegt. Ich hab kaum je einen besseren Fisch gegessen. In Kombination mit dem Sud, mit Meerrettich und Butter ein richtiger Genuss.

Beim Sud hat man den Fisch und die Klasse des Fischrestaurants richtig herausgeschmeckt. Hier köchelt eben ständig ein Fond, in dem die verschiedensten Fische zubereitet wurden. Außerdem im Fond: Gemüse (Rüben, Sellerie, Lauch, Zwiebel), Gewürze (Senfkörner, Dillsamen, Wacholder, Lorbeer, Nelken) sowie Meerrettich. Und dieser Sud wird den Gästen immer als kleine Suppe vor dem Hauptgang angeboten. Unbedingt probieren: Kost' nix und ist wirklich sensationell gut."

Schneiders Nachspeise

"Das Schöne an so einem leichten Fisch ist ja, da kann man hinterher guten Gewissens sündigen. In meinem Falle war es ein Eissoufflé Grand Marnier mit Himbeermark und Feigen in Orangen-Safran-Soße. Hat gut geschmeckt und auch so ausgeschaut, samt der weißen Schokolade und dem grünen Minzeblatt."

Preise

"Wir wissen alle: Fisch hat seinen Preis. Ich empfinde die Preisgestaltung in der 'Schiffbäuerin' als fair. Berechnet wird der Fisch pro 100 Gramm Lebendgewicht. Das beginnt bei der Schleie bei 2,60 Euro und endet beim Aal mit 4,80 Euro. Die Waller-Portion, die ich gegessen habe, hat inklusive der Beilagen 28 Euro gekostet. Grob kann man sagen, die Fischgerichte beginnen bei 15 Euro pro Person und können dann auch schon mal auch das Doppelte ausmachen."

Anfahrt

Adresse:
Wein- und Fischhaus Schiffbäuerin
Katzengasse 7
97082 Würzburg

Telefon: 0931/42487
E-Mail: fischhaus@schiffbaeuerin.de
http://www.schiffbaeuerin.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag 11.30-14.30 Uhr und 18.00-23.30 Uhr; Sonntag und Feiertag 11.30-15.00 Uhr
Warme Küche von 12.00-14:00 Uhr und von 18.00-21.00 Uhr

Vom Süden in den Norden Bayerns sind es schon einige Kilometer. Von München aus gut 250 km, von Nürnberg etwa 100 km.

Freizeittipp

"Wir sind im Würzburger Mainviertel und zum Main ist es nur ein Katzensprung. Und ich hab wieder was schönes Fränkisches gelernt. Nämlich: Haisd'n daisd vom mee - also drent und herent vom Main und da gibt’s ganz viel zu sehen. Vor allem an der alten Mainbrücke. Ganz spannend ist es, hier an der Schleuse zu stehen, wo man Flusskreuzfahrtschiffe und riesige Lastenkähne beobachten kann. Eine Stadt am Fluss hat doch eine ganz eigene Magie."


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