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Service Ernährung Diabetes - Worauf bei der Ernährung achten?

Diabetes ist hierzulande eine Volkskrankheit. Rund acht Prozent der Erwachsenen leiden daran - mit steigender Tendenz. Bei der Behandlung von Diabetes spielt neben Bewegung die Ernährung eine zentrale Rolle. Tipps von Ernährungsexpertin Jutta Löbert.

Stand: 26.02.2016

Diabetes - Worauf bei der Ernährung achten? | Bild: Colourbox

Ernährung bei Diabetes: Worauf sollte man achten?

Lange Zeit ging man davon aus, dass Diabetes eine reine Zuckerkrankheit (Störung des Kohlenhydratstoffwechsels) ist. Deshalb sollten Diabetiker auf normalen Zucker verzichten und genau auf ihre Broteinheiten (BE) achten. Heute weiß man, dass Diabetes keine reine Zuckerkrankheit ist, sondern auch eine Störung des Eiweiß- und Fettstoffwechsels umfasst. Deshalb sollte Ziel der Ernährung sein, nicht nur die Blutzuckerwerte, sondern auch die Blutfettwerte und den Blutdruck zu senken, sowie Übergewicht abzubauen.

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist bei Diabetes aber keine spezielle Diät notwendig. Für Diabetiker gelten die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für gesunde Personen: eine fettarme, ballaststoffreiche Kost, d. h. möglichst viel Gemüse und auch Obst sowie Vollkornprodukte verzehren. Auf fette Wurst und Süßigkeiten sollen sie möglichst verzichten. Häufig normalisieren sich die Blutzuckerwerte bei Patienten mit Diabetes Typ 2 wieder von alleine, wenn sie Übergewicht reduzieren, sich regelmäßig bewegen und ihre Ernährung umstellen.

Diabetiker, die Insulin spritzen oder bestimmte Medikamente zur Senkung des Blutzuckerwertes einnehmen, müssen bei der Zusammenstellung ihres Speiseplans die Menge und Art der Kohlenhydrate in den Lebensmitteln berücksichtigen. Je nach Therapie muss die Kohlenhydrataufnahme auf die Insulindosis und den Zeitpunkt der Insulinspritze beziehungsweise umgekehrt abgestimmt sein.

Sollten Diabetiker weniger Zucker oder Kohlenhydrate essen?

Kohlenhydrate spielen in der Ernährung von Diabetikern eine große Rolle, da sie als einziger Nährstoff den Blutzucker beeinflussen.

Diabetiker sollten kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit möglichst niedriger Blutzuckerwirksamkeit (Glykämischer Index = GI) bevorzugen, denn schnell verwertbare Kohlenhydrate (mit hohem GI) gehen rasch vom Darm ins Blut über und verursachen so einen schnellen Blutzuckeranstieg. Sie sind z. B. in Zucker, Konfitüre, Fruchtsäften oder Weißmehlprodukten enthalten. Diese Lebensmittel sollten deshalb, wenn überhaupt, zusammen mit anderen Lebensmitteln in einer Mahlzeit verzehrt werden.

Zusätzlich aufgenommenes Fett, Eiweiß und Ballaststoffe führen dann dazu, dass die Mahlzeit langsamer verdaut wird und der Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigt.

Der Verzehr von kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln mit einem niedrigen GI, wie z. B. Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte, lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Sie sind daher zu bevorzugen.

Ist der in Obst enthaltene Fruchtzucker für Diabetiker schädlich?

Fruchtzucker lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen. Deshalb ist es für Diabetiker ratsam, immer nur kleine Obst-Portionen zu essen. Zudem sollten Sorten bevorzugt werden, die weniger Zucker, aber viel Wasser und Ballaststoffe enthalten. Dazu zählen z. B. Birnen, Äpfel oder Papaya. Das sind Obstsorten mit einem niedrigen glykämischen Index (unter 45). Weniger empfehlenswert sind zuckerreiche Obstsorten wie Weintrauben oder Datteln.

Achtung

Trockenobst ist deutlich kalorienreicher und zuckerhaltiger als frisches Obst, denn durch den Entzug von Wasser steigt der Zuckergehalt, bezogen auf das Gewicht.

Sind Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe für Diabetiker geeignet?

Süßstoffe (z. B. Acesulfam, Aspartam, Cyclamat oder Saccharin) sind in der Regel kalorienfrei und liefern keine Kohlenhydrate, sodass der Blutzuckerspiegel unbeeinflusst bleibt. Sie können von Diabetikern problemlos verwendet werden.

Auch Zuckeraustauschstoffe (z. B. Isomalt, Lactit, Maltit, Mannit, Sorbit, Fructose oder Xylit) lassen den Blutzuckerspiegel nicht oder nur schwach ansteigen und sind daher für Diabetiker geeignet. Sie enthalten allerdings fast genauso viele Kalorien (2 bis 4 kcal pro Gramm Zuckeraustauschstoff) wie Haushaltszucker. Übergewichtige Diabetiker sollten daher auch Zuckeraustauschstoffe nur in Maßen zu sich nehmen. Zudem kann der Verzehr größerer Mengen Zuckeraustauschstoffe, insbesondere von Sorbit und Fructose, zu Bauchschmerzen, Durchfällen und Blähungen führen.

Dürfen Diabetiker Alkohol trinken?

Diabetiker sollten ihren Alkoholkonsum einschränken, denn Alkohol lässt den Blutzucker erst schnell ansteigen und dann rapide absinken, was zu einer (mitunter lebensbedrohlichen) Unterzuckerung führen kann. Je nach ärztlicher Absprache können sie gelegentlich ein Glas Wein oder Bier trinken. Dieses sollte jedoch am besten in Verbindung mit einer Mahlzeit, z. B. zum Abendessen, getrunken werden.


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