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Recht Vorsicht: Abzocke bei Bestattungen

Jeden Tag sterben in Deutschland etwa 2.000 bis 2.500 Menschen. Mehr als 4.000 Bestattungsunternehmen konkurrieren um die Beisetzung der Toten. Um möglichst viel Profit zu machen, greifen manche zu unseriösen Tricks. Tipps von Rechtsanwalt Markus Saller, wie Sie sich vor einer Abzocke bei Beerdigungen schützen können.

Stand: 10.11.2017

Grabsteine auf einem Friedhof | Bild: colourbox.com

Ausnutzen einer emotionalen Ausnahmesituation

Manche Bestattungsunternehmen nutzen die emotionale Situation aus, in der sich ihre Kunden nach dem Tod eines geliebten Menschen befinden.

Die Hinterbliebenen, die sich in Trauer befinden, denken häufig nicht daran, sich einen Kostenvoranschlag machen zu lassen bzw. überprüfen die aufgeführten Summen nicht.

Sie vergleichen auch in der Regel nicht die Preise verschiedener Bestattungsunternehmen, weil sie froh sind, dass sich jemand um die Beerdigung kümmert. So können unseriöse Bestatter ihre Preise nach Belieben festlegen und nicht nachvollziehbare Extrakosten verlangen.

Um den Umsatz zu steigern, versuchen unseriöse Unternehmen zudem, den Hinterbliebenen Extras "aufzuschwatzen", die diese eigentlich gar nicht wollen (z. B. besondere Sargeinlagen oder teure Totenhemden). Dabei versuchen sie, emotionalen Druck aufzubauen: "Das sollte Ihnen der Verstorbene schon wert sein."

Tipp

Auch wenn es schwer fällt: Werden Sie sich darüber klar, was Sie wirklich wollen bzw. was der Verstorbene gewollt hätte. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen, wenn Sie eine günstigere Variante auswählen. Sie können den Verstorbenen z. B. auch in seiner eigenen Kleidung beerdigen lassen. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch persönlicher.

Preise bei Bestattungsfirmen

Auch bei seriösen Bestattern gibt es enorme Preisunterschiede. Deshalb sollten Sie sich unbedingt von mehreren Anbietern schriftliche Kostenvoranschläge einholen und die Preise vergleichen. Die Preise variieren je nach Bestattungsunternehmen, z. B.:

  • Überführung innerorts: ca. 110 bis 260 Euro
  • Ankleiden und Einbetten: ca. 80 bis 150 Euro
  • Beisetzungsgebühr: ca. 400 bis 1.500 Euro
  • Formalitäten und Verwaltungskosten: ca. 70 bis 300 Euro

Tipp

Viele glauben, sich schnell entscheiden zu müssen, da der Tote schnellstmöglich abtransportiert werden muss. In der Regel haben Sie dafür aber mindestens 36 Stunden Zeit.

Wahl des Bestattungsunternehmens

Der Konkurrenzkampf unter den Bestattern ist groß. Um sich genügend Kunden zu sichern, wird von unseriösen Bestattungsunternehmen auch mit Schmiergeldern gearbeitet. Pflegepersonal in Altersheimen, Krankenschwestern und sogar Polizisten werden dafür bezahlt, einen bestimmten Bestatter zu beauftragen. Die Verstorbenen werden ohne Auftrag der Hinterbliebenen von diesem Unternehmen abtransportiert. Aus Bequemlichkeit bzw. aus Furcht vor Zusatzkosten (nochmaliger Transport usw.) erteilen die Hinterbliebenen dann in der Regel diesem Bestatter den Auftrag. Das müssen Sie aber nicht. Vergleichen Sie die Preise verschiedener Anbieter und wählen Sie das Unternehmen aus, bei dem Sie den besten Eindruck haben. Das Bestattungsunternehmen, das den Leichnam abtransportiert hat, muss den Toten an das von Ihnen beauftragte Unternehmen herausgeben. Es darf nur die bis dahin tatsächlich erbrachten Leistungen für Transport und Aufbewahrung in Rechnung stellen. Die Preise dafür müssen ortsüblich sein.

Sargwahl

Einige Bestatter behaupten in ihren Beratungsgesprächen, dass günstige Sargmodelle nicht vorrätig seien, sodass Sie sich für ein teureres Modell entscheiden müssen. 

Eine weitere bewährte Strategie besteht darin, dass die Bestatter den Leichnam in einem sehr hochwertigen Sarg abholen, in der Hoffnung, dass die Angehörigen dieses Modell auswählen, weil sie sich davor scheuen, den Verstorbenen in einen billigeren Sarg umlegen zu lassen.

Betrügerische Bestattungsunternehmen gehen sogar so weit, die Hinterbliebenen einen teuren Sarg aus hochwertigem Holz bestellen und bezahlen zu lassen, aber einen minderwertigen Sarg zu liefern, der dem teuren Modell ähnelt.

Sparangebote

Besonders vorsichtig sollten Sie bei sogenannten "Discount-Bestattern" sein, die Begräbnisse zu auffallend günstigen Komplettpreisen, z. B. schon für knapp 500 Euro anbieten. Was die Unternehmen dem Kunden nicht sagen, ist, dass zu diesem Preis oft noch Kosten dazukommen. Durch diesen Trick kann am Ende eine Summe herauskommen, die bedeutend höher als der beworbene Betrag ist. Teilweise ist der Endbetrag bei den "Discount-Bestattern" dann sogar höher als bei herkömmlichen Bestattern.

Wie vermeiden Sie eine Abzocke?

  • Vergleichen Sie Angebote verschiedener Bestattungsunternehmen.
  • Achten Sie darauf, dass sich der Bestatter genügend Zeit für die Beratung nimmt, verschiedene Angebote vorstellt und keinen Druck auf Sie ausübt (z. B. dass Sie sofort den Vertrag unterzeichnen sollen).
  • Ein seriöser Bestatter stellt die anfallenden Kosten transparent und nachvollziehbar dar und händigt Ihnen einen detaillierten, schriftlichen Kostenvoranschlag aus, in dem alle Kosten aufgeführt sind.
  • Ein seriöser Bestatter versucht auch nicht, Ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn Sie sich z. B. für ein günstigeres Sargmodell entscheiden oder auf teure Sargausstattung verzichten.
  • Außerdem ist es immer sinnvoll, eine neutrale Person, die nicht direkt von dem Todesfall betroffen ist, zu den Beratungsgesprächen mitzunehmen. Diese kann einerseits dabei helfen, die Seriosität und die Angebote des Bestatters zu bewerten, andererseits kann sie im Nachhinein als Zeuge dienen, falls Absprachen nicht eingehalten wurden.
  • Von Bestattern mit Billigangeboten sollten Sie die Finger lassen.

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