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Berglandwirtschaft in Gefahr Bauern demonstrieren gegen den Wolf

Bauern aus Bayern, Tirol, Südtirol und dem Salzburger Land haben sich heute vor dem Prinzregententheater in München zu einer Demonstration zum Schutz der Berglandwirtschaft versammelt. Damit wollten sie die Politik vor allem auf die zunehmende Gefährdung durch den Wolf aufmerksam machen.

Von: Christine Kerler

Stand: 02.10.2017

Wolf fletscht die Zähne | Bild: picture-alliance/dpa

Kommt der Wolf, gehen der Bauer und das Vieh, warnt der Bayerische Bauernverband. In einigen Regionen sei das bereits der Fall. So könne beispielsweise die Seiser Alm in Südtirol nicht mehr bewirtschaftet werden – schuld sei der Wolf, so ein Sprecher. Auch in Oberbayern, etwa im Oberland und im Rotwandgebiet im Raum Miesbach, kommt es immer wieder vor, dass Wölfe gesichtet werden oder Bauern gerissene Schafe und Jungrinder auf ihren Weiden finden. Laut Bauernverband beträgt der Wolfsbestand in Europa mittlerweile 15.000 bis 20.000 Tiere.

Bauern bleiben oft auf Schaden sitzen

Zwar gibt es Entschädigungsfonds, doch laut Bauernverband greifen die nicht immer: Wenn beispielsweise ein Schaf im steilen Gelände auf der Flucht vor dem Wolf abstürzt, könnten die betroffenen Bauern oft keine Schadensersatzansprüche geltend machen.

Appell an Ulrike Scharf

26 Verbände und Organisationen aus Südtirol, Österreich und Bayern haben eine Liste von Forderungen zusammengestellt – das Papier mit dem Titel "Große Beutegreifer bedrohen Berglandwirtschaft" haben sie am Montag an Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf übergeben. Darin fordern sie etwa Schutz und Erhaltung der bäuerlichen Weide-, Freiland- und Offenstallhaltung oder die Klärung bestehender Rechtsfragen.

Ulrike Scharf trifft sich heute mit Umweltministern der anderen Alpenanrainerstaaten – gemeinsam wollen die Minister ein Konzept erarbeiten, um die Schutzgebiete in den Alpen räumlich stärker zu vernetzen. Die Almbauern aus diesen Ländern fürchten, dass sich der Wolf dann noch leichter ausbreiten kann. Deshalb die Demo heute in München.

Landesamt für Umwelt beschwichtigt

Das Landesamt für Umwelt stellt allerdings fest, dass in den vergangenen drei Jahren den zuständigen Behörden in Bayern lediglich elf Schafe gemeldet wurden, die von Wölfen gerissen wurden, vier davon im Landkreis Bad Tölz - Wolfratshausen, insgesamt sechs in den Kreisen Miesbach und Ebersberg und eines im Landkreis Nürnberger Land. In solchen Fällen erhielten die betroffenen Nutztierhalter eine Entschädigung aus dem so genannten "Ausgleichsfonds Große Beutegreifer".


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