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Chicoree-Anbau Gutes Geschäft für Gärtner

Chicoree ist gesund, vielseitig und ideal für Gärtner, denn er kann auch im arbeitsarmen Winter kultiviert werden. Ein lohnendes Geschäft, dachte sich Fritz Boss und baute seinen Gartenbaubetrieb im Nürnberger Knoblauchsland aus.

Von: Anita Bach

Stand: 12.01.2017 | Archiv

Chicoree | Bild: colourbox.com

Früher hat Fritz Boss den Zichorien-Salat - so nannte man früher den Chicoree - auf eigenen Feldern angebaut und die Wurzeln im Herbst eingelagert. Weil aber seine Flächen zu klein sind, lässt er die Wurzeln heute von anderen produzieren. Angeliefert wird wöchentlich genau die Menge, die er verarbeiten kann.

Meeresklima bevorzugt

"Die Wurzeln lassen wir in verschiedenen Teilen von Deutschland unter Vertragsanbau produzieren, zurzeit in der Nähe der Insel Poel. Da braucht man ein wenig Meeresklima, da ist sehr gutes gleichmäßiges Wachstum, das ist hervorragend für den Chicoree."

Fritz Boss, Nürnberg

Produktion "just-in-time"

Fritz Boss

Bei plus zwei Grad Celsius lagern die Wurzeln nur ein paar Tage: "Just in time"-Produktion nennt man das, um Lagerkosten zu sparen. Wurzel für Wurzel schichten die Männer dicht an dicht in die mit Teichfolie ausgekleideten Kisten. Um beginnende Fäulnisprozesse an der Triebspitze eindämmen, werden die Wurzeln mit einer Salzlösung besprüht. Beschädigte Wurzeln und Wurzelstücke werden aussortiert und kommen in die Biogasanlage.

Kontrollierte Bedingungen

Eine regelmäßige Bewässerung ist wichtig.

Anschließend wandert der Chicoree in die Dunkelkammern, dort werden die Kisten einige Meter hoch gestapelt. In den Kammern herrschen kontrollierte Bedingungen: Grund- und Brunnenwasser mit Nährstoffen wird durch die Kisten gepumpt, die Luft ist feucht-warm. Regelmäßig wird die Temperatur der Pflanzen kontrolliert, ebenso der Salzgehalt im Wasser und die Wassertemperatur.

Krankheiten in den Griff bekommen

"Eine unserer größten Sorgen ist, dass hier nichts durch Krankheiten passiert. Phytophtora, Phuma, Sklerotinia: das sind ganz normale Pilze, Bakterien. Die kommen in der Erde vor und da ist überall noch Erde dabei. Die Kisten sind heiß ausgespritzt worden, die Rohrleitungen sind vorher gereinigt worden, auch der Boden. Dadurch haben wir im Griff, dass in den 21 Tagen nichts passiert."

Fritz Boss

Verpackung am laufenden Band

21 Tage, das ist der Zyklus für den Chicoree. Schneller geht es nicht, sonst werden die Köpfe nicht fest. Dann erst sind die gelben Knospen erntereif und können von den Wurzeln gekappt werden. Rund 20 Arbeiter aus Rumänien und Polen hat Fritz Boss für Chicoreeanbau und -ernte beschäftigt. Verpackt wird maschinell in 500-Gramm-Pakete. Nicht alle Chicorees sind gleich groß, da gilt es, passende zusammenzustellen.

Absatzmärkte

"Wir beliefern im bayerischen Raum die Discounter, die Supermärkte, 95 Prozent Ladenketten, 5 Prozent geht an Großmärkte, Nürnberg oder München. Der größte bin ich nicht, da gibt’s schon noch größere. Aber wir sind so sechs Betriebe in Deutschland, die das ganze Jahr über produzieren, die auch eine Sommertreiberei haben und die das ganze Jahr über den Markt beschicken können."

Fritz Boss

Das Geschäft läuft gut - würden die Deutschen jedoch so viel Chicoree essen wie die Franzosen, könnte hierzulande zehnmal so viel verkauft werden.

Kontakt:

Fritz Boss, Gemüsebauer
Irrhainstr. 5, 90427 Nürnberg
Telefon: 0911/343085


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