BR Fernsehen - Unser Land


10

Bayerisches Bio-Siegel Bio-Lebensmittel aus der Region

Nach Startschwierigkeiten im letzten Jahr gibt es nun endlich erste Produkte, die mit dem neuen Bayerischen Biosiegel werben - ins Leben gerufen von Bayerns Landwirtschaftsminister Brunner. Was genau steckt dahinter?

Von: Norbert Haberger

Stand: 12.02.2016

Produkte mit Bio-Zertifikat werden inzwischen um die halbe Welt transportiert: Bio-Kartoffeln aus Ägypten, Bio-Äpfel aus Neuseeland, Bio-Wein aus Chile. So mancher Verbraucher fragt sich da, ob das noch ökologisch sinnvoll ist - oder ob konventionelle Produkte aus der Region unterm Strich nicht doch die bessere Ökobilanz aufweisen.

Regional und Bio in Einem

Kunden wünschen sich inzwischen oft beides, also Bio-Lebensmittel aus der Region. Die Weißwürste links im Bild erfüllen beide Kriterien und sind seit neuestem mit einem entsprechenden Kennzeichen versehen: dem Bayerischen Biosiegel. Hergestellt werden die Weißwürste von der Altdorfer Biofleisch GmbH. Seit Januar darf die Firma das neue Siegel auf die Verpackungen drucken.

Ausschließlich Bayern

Dafür müssen zusätzliche Auflagen erfüllt werden: Bisher wurde für die Würste auch schon mal Bio-Fleisch aus Norddeutschland oder Baden-Württemberg verarbeitet. Das geht mit dem neuen Siegel nicht mehr. Das Fleisch muss zu 100 Prozent von bayerischen Mästern kommen. Und: Die Tiere müssen in Bayern nicht nur aufgezogen und gemästet werden, sie müssen auch hier geboren sein.

Auch das Futter kommt aus der Region

Um beim Bayerischen Biosiegel mitmachen zu können, müssen die Mäster auch das Futter für die Tiere zu 50 Prozent am eigenen Hof erzeugen, den Rest können sie in der Region zukaufen. Überprüft wird die Einhaltung der Vorgaben durch Ökokontrollstellen.

Die Ökobilanz muss stimmen

"Uns war wichtig, dass der Verbraucher weiß, er hat regional einkauft und er hat keine großen Transportstrecken drauf, sodass das auch von der Ökobilanz her stimmt und wir nicht große LKW-Distanzen zwischen den Lieferanten haben."

Johannes Hohenester, Bio-Schweinemäster aus Altdorf Lkr. Landshut

Kriterien der Öko-Anbauverbände übernommen

Derzeit gibt es Genehmigungen für 330 Produkte: Gemüse, Backwaren, Kräuter, Bier, Milch- und Fleischprodukte. Die Kriterien für das neue Siegel entsprechen den Richtlinien der Öko-Anbauverbände: Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter. Für Ferkelerzeuger Hubert Heigl, der nach den Vorgaben von Naturland arbeitet, bedeutet das neue Siegel keine Umstellung. Er freut sich, dass die hohen Ökostandards auf seinem Betrieb endlich besser honoriert werden. Etwa 4 Prozent mehr bekommt er jetzt für seine Ferkel.

Wirklich alle Zutaten aus Bayern?

Gewürze müssen in der Regel importiert werden.

Zurück zu den Weißwürsten. Die Hauptbestandteile - Fleisch, Speck und Schwarte - kommen zu 100 Prozent aus Bayern. Aber wie sieht es mit den anderen Zutaten aus - Pfeffer zum Beispiel, oder frische Petersilie im Winter?

Pflanzliche Bestandteile, die nicht aus Bayern sind, dürfen maximal ein Drittel der Trockenmasse in der Rezeptur ausmachen. Ein Drittel, das ist viel. Das könnte eine Schwachstelle des Siegels sein. Es ist eigentlich auch nur für Ausnahmefälle wie Missernten gedacht, so die Landesvereinigung für Ökolandbau, die das Siegel vergibt.

Wann ist Bio-Honig auch bayerischer Honig?

Auch für Biohonig können Imker das bayerische Bio-Siegel beantragen. Allerdings muss der Flugkreis der Bienen auf bayerischem Gebiet liegen. Das heißt: Wenn ein Imker seine Bienenstöcke zu nahe an der tschechischen, hessischen, thüringischen oder einer anderen Grenze stehen hat, gibt es das Siegel nicht.

Keine Chance für den Mango-Joghurt

Produkte, die von vornherein zu viele exotische Zutaten enthalten, bekommen kein Siegel, zum Beispiel Milchprodukte.

"Wenn man jetzt aus der Milch einen Joghurt macht, passt das. Wenn ich aber einen Fruchtjoghurt mache, wo Äpfel drin sind, passt das auch noch. Wenn jetzt aber Mango drin sind oder Ananas, da weiß jeder Verbraucher, hier hab ich zwar mit bayerischer Milch einen bayerischen Joghurt, aber die Ananas kann in Bayern nicht wachsen. Es macht wenig Sinn, dass das als bayerisches Bioprodukt deklariert wird."

Harald Ulmer, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau e.V., München

Was halten Verbraucher vom neuen Siegel?

Bleibt die Frage, ob das neue Siegel neben all den anderen Labels und Qualitätszertifikaten im Laden überhaupt wahrgenommen wird.

"Wenn ich das Siegel nicht kenn', würd ich es nicht kaufen. Hab' noch nix gehört über dieses Bio ... Es ist verwirrend. Mein Gefühl ist immer, dass ich ess halt nicht nachkontrollieren kann ... Es sticht ja ins Auge, es ist blau und dann weiß ich, es ist aus der Region und dann kann ich es kaufen ... Wenn ich Bio und regional kaufen kann, dann bin ich ganz glücklich. Weil Bio kommt ja auch mal aus China."

Umfrage unter Verbrauchern

Kontakte und Links:

Landesvereinigung für den ökologischen Landbau e.V.
Landsberger Straße 527, 81241 München
Mail: info@lvoe.de

Altdorfer Biofleisch GmbH
Sonnenring 8, 84032 Altdorf
Mail: info@altdorfer-biofleisch.de


10