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Richtig heizen mit Holz Kampf dem Feinstaub

In 14 Millionen deutschen Haushalten qualmt bereits ein Kaminofen, ständig kommen neue hinzu. Dabei ist das Heizen mit Holz nicht automatisch so umweltfreundlich wie vielleicht gedacht. Tipps zum richtigen Heizen mit Holz.

Von: Ulrich Detsch

Stand: 07.01.2016

In nur einem Jahrzehnt hat sich der Holzverbrauch privater Haushalte verdreifacht. Ein Ster Buche zum Selberernten im Wald kostet bereits um die 30 Euro, trocken und ofenfertig werden 80 Euro je Ster und mehr bezahlt. Schornsteinfeger müssen inzwischen mit Beratungen und Kontrollbesuchen mithelfen, dass der im Grunde als klimafreundlich geltende nachwachsende Brennstoff Holz der Umwelt nicht mehr schadet als nützt.

Die richtige Menge

Die Beratung ist wichtig, denn viele Kaminöfen werden falsch betrieben. Oft gilt der Grundsatz: "Heizen, das kann doch jeder!" Ein Blick in die Bedienungsanleitung des Ofens erscheint überflüssig.

"Das ist schon wichtig, da steht nämlich drin, wie viel Brennstoff man maximal auflegen darf. Also hier wären das bei maximaler Heizleistung drei Kilogramm. Wichtig ist, dass man nicht mehr auflegt. Davon hat man nichts, der Brennstoff geht durch den Kamin ganz einfach verloren, weil der Ofen das nicht verarbeiten kann."

Ronald Walter, Bezirkskaminkehrermeister, Stegaurach b. Bamberg

Das richtige Anfeuern

Auch das richtige Anfeuern ist eine Kunst für sich. Ronald Walter erklärt, wie man es am besten macht: "Die großen Stücke unten rein, nicht wie früher das kleine Holz unten. Dann nimmt man einen Holzwolleanzünder, den legt man dann da drauf. Dann geht man her, nimmt ein wenig kleines Holz. Dann legt man das Holz quer darüber, wie so ein Anfeuer-Modul. Und dann zündet man das Ganze an ... jetzt haben wir oben einen sauberen Ausbrand, das raucht nicht. Was auch wichtig ist, dass man die ganzen Luftschieber in der Anheizphase aufmacht, bis wir eine richtige Grundglut haben, dann können wir nachlegen."

Das gehört nicht in den Ofen

Was man auf keinen Fall tun sollte, ist das Anheizen mit Zeitungspapier. Auch Kartons, Möbel- und Bauholz-Reste, Spanplatten sowie Paletten haben im Ofen nichts verloren. Wer etwas anderes als naturbelassenes Holz verheizt, der schadet der Umwelt und riskiert eine Anzeige.

Die richtige Lagerung

Nach der Bundesimmissionsschutz-Verordnung muss ein Schornsteinfeger zwei Mal innerhalb von sieben Jahren bei einer Feuerstättenschau neben dem Ofen auch das Brennstofflager überprüfen. Josef Schmitt, ein Kunde von Ronald Walter, macht es richtig: Er sägt und spaltet Brennholz so, dass es gut in seinen neuen Kaminofen passt und gut abtrocknet. Josef Schmitts Holz unterschreitet auch den gesetzlich vorgeschriebenen Feuchtegehalt von maximal 25 Prozent. In der Wohnung lagert er immer einen Tagesvorrat Holz, denn vorgewärmtes Holz brennt besser. Und seit sich Josef Schmitt einen neuen Kaminofen nach aktueller Schadstoff-Norm gekauft hat, ist der Holzverbrauch um ein weiteres Drittel gesunken. Wer sich einen neuen Kaminofen kaufen will, der sollte übrigens immer prüfen, ob die Geräte die Abgasnorm erfüllen. Bei manch einem "Schnäppchen" ist das nicht immer der Fall.

Romantik auf Kosten der Umwelt

In vielen Haushalten wird der Holz-Kaminofen nicht wirklich zum Heizen oder zum Einsparen von Heizkosten benötigt: Das übernimmt bereits eine moderne und sparsame Zentralheizung. Den meisten Besitzern geht es vielmehr um den Flair, den ein solcher Holzofen mit sich bringt. Der romantische Schein im Wellness-Ofen ist jedoch trügerisch. Auch wenn der Holzofen ordnungsgemäß betrieben wird: In der Summe führt die stetig steigende Zahl an Kaminöfen zu einem Umweltproblem.

Feinstaub in großen Mengen

Viele Städte sorgen sich mittlerweile um ihre Luftqualität. In Problemgebieten wird daher das Heizen von Kaminöfen verboten - und das hat seinen Grund: Das Bayerische Landesamt für Umwelt misst an 54 bayerischen Orten unter anderem Feinstaub-Immissionen, gesammelt werden die Daten im Umweltbundesamt. Dessen Fazit: Aus den Holzöfen entweicht fast doppelt so viel Feinstaub, wie alle Diesel-Pkw und Lastwagen zusammen ausstoßen.

Wie der Feinstaub entsteht

"Wenn es zu warm ist oder man zu viel Brennstoff aufgelegt hat, dann dreht man dem Ofen die Luft ab ... dann fängt unser Holz an zu verschwelen, die Scheibe wird schwarz, der Ofen verrußt das Ganze, man hat von dieser Energie selbst nichts. Jetzt wird viel Kohlenmonoxid und auch Feinstaub produziert, weil es nach außen rausgetragen wird. Und wir produzieren auch Geruch. Darum ist es auch wichtig, dass man dem Ofen immer genug Verbrennungsluft gibt, das ist wie bei uns, wenn wir atmen. Jetzt geben wir ihm mal die Verbrennungsluft, die er braucht, dass es auch einen guten Ausbrand hat. Man sieht jetzt, wie sich das Flammenbild wieder verändert."

Ronald Walter


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