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Die Bienenkugel Rund ist naturgemäß

Bienensterben, Varroamilbe, leere Landschaften: Seit Jahren forschen Wissenschaftler und Imker nach neuen Wegen der Bienenhaltung. Zurück zu den Wurzeln - das ist es, was die Biene wirklich will, meint ein Hobby-Imker aus Dachau.

Von: Kirsten Zesewitz

Stand: 04.08.2015

Das, was so aussieht wie ein hölzernes Ufo, ist in Wirklichkeit ein Bienenhaus - und soll die Bienenhaltung verändern, davon ist Hobbyimker Andreas Heidinger aus Dachau überzeugt.

"Seit Jahren imkere ich und ich habe festgestellt, dass die Bienen ganz ungern in die Ecken reinbauen. Ich habe dann gesehen, in der Natur ist alles rund, die Bienen bauen rund. Und dann habe ich mir Gedanken gemacht, wie kriege ich das Holz, dass ja der Naturwerkstoff ist, um eine Kugel herum, damit die Bienen in einer Kugel leben können."

Andreas Heidinger, Hobbyimker

Von Natur aus Waldbewohner

Andreas Heidinger imkert ohne künstliche Waben, er lässt den Bienen die Freiheit, den Hohlraum der Kugel aus eigener Kraft zu füllen. Bienen sind eigentlich Waldbewohner, von Natur aus leben sie in Baumhöhlen. Wenn man sie ohne menschliches Zutun werkeln lässt, bauen Bienen stets in runden oder tropfenartigen Formen.

Problemfall Wärmehaushalt

Andreas Heidinger

Im Zuge der wirtschaftlichen Honigproduktion wurde die Biene jedoch in Kästen gedrängt, mit Trennwand und künstlichen Waben. Kästen sind pflegeleicht und stapelbar, sie haben jedoch ein entscheidendes Problem: den Wärmehaushalt. Mit Wärmefühlern hat Andreas Heidinger zwei Wochen lang die Temperatur im Innenbereich der sogenannten Kugelbeute gemessen. Im Vergleich dazu nahm er die Temperatur eines eckigen Bienenkastens. Das Ergebnis war eindeutig:

"Der größte Unterschied ist, dass in der Kugel die Temperaturen konstant sind. In der eckigen Beute hat man enorme Temperaturschwankungen. In Zahlen ausgedrückt, wenn ich zum Beispiel eine Tagestemperatur von 25 Grad habe und eine Nachttemperatur von 10 Grad, dann schwankt die Temperatur in der eckigen Beute um 10-15 Grad. In der Kugel habe ich Temperaturschwankungen von 5-6 Grad."

Andreas Heidinger

Eklatante Folgen

Die Temperaturschwankungen in der eckigen Beute - so nennt man die eigentliche Behausung der Bienen, im Gegensatz zum ganzen Bienenstock - haben laut Heidinger gravierende Folgen: "Durch die enormen Temperaturunterschiede entsteht Kondenswasser an den Ecken und Kanten, und dort kann auch Schimmel entstehen. Und mit diesem Schimmel werden die Bienen nicht fertig. Das schadet den Bienen, der Brut und der gesamten Bienengesundheit." Die Sache mit dem Schimmel werden die meisten Imker von sich weisen. Fest steht aber: Wärme hält sich in runden Formen länger als in eckigen.

Wissenschaftler forschen intensiv am Phänomen der Bienenwärme: Spezielle "Heizerbienen" haben die Aufgabe, die Brut zu wärmen, im Brutraum herrschen bis zu 35 Grad. Das kostet die Biene jedoch viel Energie. Müsste sie weniger heizen, bräuchte sie im Winter naturgemäß auch weniger Nahrung - so wie das Volk von Andreas Heidinger: Er lässt seinen Bienen den Honig. Bis zum Frühjahr verbrauchten sie nur 9 Kilo - Heidinger hatte mit 20 Kilo Honig gerechnet.

Bienenkugeln - die neue Generation

Die neuesten Kästen von Heidinger sind nur außen eckig, innen sind sie rund. Die Rahmen sind herausnehmbar. Honigernte und Gesundheitskontrolle funktionieren genauso wie im Kasten - mit dem Unterschied, dass die Bienen hier ihrer Natur gemäß bauen dürfen. Übrigens: Der Honigraum, der auf der Kugel angebracht ist, darf ruhig eckig sein. Dort lagern die Bienen nur den überschüssigen Honig, er muss keine Anforderungen an Wärme oder Schutz erfüllen.

Forschungsprojekt: Weiterentwicklung der Beute

Im Rahmen eines Forschungsprojektes, das von Prof. Dr. Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg initiiert wurde, hat Andreas Heidinger die Beute inzwischen weiterentwickelt. Die Beuten enthalten nun auch Totholz: Totholz kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen (100g Totholz absorbieren innerhalb von 3 Stunden 100g Wasser). Außerdem werden Bücherskorpione mit eingesetzt, diese fressen 6-8 Varroamilben pro Tag. Auch andere Kleintiere wie Ameisen sind willkommen.

Noch reichen die Erfahrungen allerdings nicht, um sagen zu können, ob die Bienen in der Kugel wirklich gesünder sind. Ein Indiz gibt es allerdings: Das Vorkommen der Varroa-Milbe. Bei Heidinger ist alles im grünen Bereich: Er hat in fünf Tagen nur eine Milbe gesichtet und muss seine Bienen daher nicht behandeln - und das in Zeiten, in denen kaum ein Imker ohne Behandlung auskommt.


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