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Karbonisierung Pflanzenkohle als Dünger und Viehfutter

Landwirt Thomas Unkelbach aus dem oberbayerischen Vaterstetten will die Fruchtbarkeit seiner Böden steigern - und das, ohne Mineraldünger zu streuen. Funktionieren könnte das mit Kohle ...

Von: Doris Fenske

Stand: 25.11.2015

Neben Ackerbau und einem Kuhstall betreibt Thomas Unkelbach einen Komposthof. Hier kommen Gartenabfälle sowie Grün- und sehr viel Strauchschnitt an. Wird diese Biomasse zu Kompost umgesetzt, geht dabei ein Teil des in den Pflanzen gespeicherten Kohlenstoffs als Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre. Das will der Landwirt verhindern und stattdessen den Kohlenstoff selbst nutzen. Warum eigentlich?

Ein riesiges Potential

"Es war Wahnsinn, was man mit der Kohle, wenn man sie in der Landwirtschaft einsetzt, an Bodenaufbau und an Nährstoffstabilität erreichen kann: Pflanzenwachstum, gesündere Pflanzen, weniger Verluste bei der organischen Düngung – das hat mich absolut begeistert, das Riesenpotential, das in der Kohleanwendung steckt."

Landwirt Thomas Unkelbach aus Hergolding, Lkr. Ebersberg

Die Karbonisierungsanlage

Daher installierte Thomas Unkelbach eine sogenannte Karbonisierungsanlage. Erst elf solcher Anlagen gibt es deutschlandweit. Der Landwirt ist einer der wenigen, die sie mit gehäckseltem Strauchschnitt füttert, um daraus Pflanzenkohle zu gewinnen.

Wie ein verbrannter Kuchen

"Die Hackschnitzel, die ich verkohle, werden über eine Dosierschnecke in die Anlage eingeführt und landen in der Reaktorstrecke. Dort wird die Biomasse nach vorne gefördert, das dauert ungefähr eine halbe Stunde. In der Zeit wird die Biomasse ungefähr auf 600 Grad erhitzt und verkohlt. In der Anlage passiert das Gleiche, als wenn man einen Kuchen zu lang im Backofen lässt, bis er schwarz wird, da bleibt auch Kohle über."

Thomas Unkelbach

Nichts wird verschwendet

Außerdem ensteht Gas, das in der Brennkammer bei über 1.000 Grad vollständig verbrannt wird. Die gewonnene Wärme beheizt die Reaktoren, kann aber auch noch weiter genutzt werden. Ein positiver Nebeneffekt der Karbonisierungsanlage: Sie steht in einem Gewerbegebiet auf dem Grund einer Lkw-Tankreinigung. Dort  wird jetzt das nötige Warmwasser nicht mehr mit Heizöl erzeugt, sondern mit der Abwärme aus der Karbonisierungsanlage.

"Ein Drittel der Energie, die in der Biomasse drin ist, geht ins Gas und zwei Drittel der Energie bleiben in der Kohle in Form von Kohlenstoff. Somit schaffen wir es, den Kohlenstoff, den die Pflanze während ihrer Wachstumsphase aufgebaut hat, dauerhaft in der Kohle zu speichern."

Thomas Unkelbach

Bürokratische Hürden

Am Anfang musste Thomas Unkelbach gegen bürokratische Windmühlen ankämpfen.

Für Thomas Unkelbach war klar, dass er die Kohle einsetzen darf, denn deren Einsatz ist laut Düngemittelverordnung erlaubt. Nicht abzusehen war hingegen, dass die landwirtschaftlichen Behörden sich querstellten und behaupteten, dass das, was der Landwirt produziert, gar keine Kohle sei. Nach einem langen Kampf mit der Bürokratie hat Unkelbach inzwischen die amtliche Bestätigung, dass seine Kohle tatsächlich Holzkohle ist. Endlich darf er sie in seiner Landwirtschaft als Dünger nutzen. Doch auch im Stall kommt die Kohle täglich zum Einsatz.

Bindung von Nährstoffen als Beitrag zum Umweltschutz

"Kohle setz' ich immer da ein, wo viele Nährstoffe sind, und wo ich die Gefahr habe, Nährstoffe zu verlieren. Kohle speichert ja diese Nährstoffe, die ich verlieren kann. Da macht es Sinn, die Kohle im Stall sobald wie möglich einzusetzen, wenn Kot oder Gülle anfällt, um sofort Ammoniak aufzunehmen, Nitrat aufzunehmen, dass man da keine Verluste hat."

Thomas Unkelbach

Wenn die Nährstoffe aus der Tierhaltung gebunden werden können, dann ist das auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Die gasförmigen Stickstoffverbindungen aus der Gülle sind nämlich noch schädlicher als Kohlendioxid. Thomas Unkelbach bringt die Gülle daher nur noch gemischt mit Kohle aufs Feld. Denn auch dort speichert die Kohle die Nährstoffe wie ein Schwamm und gibt sie erst ab, wenn die Pflanzenwurzel danach greift. Verluste in die Atmosphäre oder ins Grundwasser werden dadurch minimiert. Auch finanziell lohnt sich dieses Vorgehen für den Landwirt, da der Düngerwert der Gülle teilweise verdoppelt wird und entsprechend weniger Mineraldünger eingesetzt werden muss.

Vorteile über Vorteile

Dass die Kohle die Nährstoffe in der Gülle zurückhält, erkennt Thomas Unkelbach an seinen Wiesen: Stickstoffzeigerpflanzen gibt es dort kaum noch. Die besondere Wirkung der Kohle lässt sich übrigens auch im  Garten nutzen. Thomas Unkelbach gibt zu Beginn der Kompostierung Kohle zu. Daraus entsteht eine nährstoffreiche Schwarzerde, die Wasser besonders gut speichern soll. Seinen Tieren verabreicht Unkelbach täglich sogenannte Futterkohle - die zugekauft wird, da die eigene Kohle noch nicht als Futtermittel zertifiziert ist. Die Kohle unterstützt die Verdauung der Kühe und bindet Gifte, die im Verdauungstrakt entstehen können.

"Kohle kann man in jedem Tierhaltungsbereich einsetzen, besonders im Mastbereich, Schweinebereich, Geflügelbereich, wo sehr viele Antibiotika eingesetzt werden. Dort kann man mit der Kohle sehr gute Erfolge erzielen im Bezug auf Gesundheitsförderung."

Thomas Unkelbach

Bloß nicht verfeuern

Wenn die Anlage von Thomas Unkelbach zuverlässig läuft, erzeugt er im Jahr etwa 200 Tonnen Pflanzenkohle. Und dafür muss kein hochwertiges Holz verschwendet werden, sie wird allein aus Hackschnitzeln vom Strauchschnitt hergestellt, die sowieso anfallen. Nur eines sollte man mit dieser Kohle auf keinen Fall machen: sie verbrennen. Dazu ist sie viel zu wertvoll und das darin gespeicherte Kohlendioxid würde dann wieder in die Atmosphäre entweichen.

Kontakte

Thomas Unkelbach
Waldstr. 8, 85599 Vaterstetten, Ortsteil Hergolding

Anlage von der Firma:
PYREG GmbH,
Trinkbornstraße 15-17, 56281 Dörth
Telefon: 0 67 47 95 388-0
Fax: 0 67 47 95 388-19
E-Mail: info@pyreg.de


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