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Schweinehaltung auf Betonböden Kann man Gelenkschäden vermeiden?

Schweine, die sich auf die Hinterbeine setzen, das ist in vielen Ställen mit Betonspaltenböden zu beobachten - ein Zeichen, dass das Stehen oder Laufen auf den harten Böden Probleme bereitet. Es bilden sich Beulen, sogenannte Bursen, eine Schutzreaktion des Körpers, um die Gelenke abzufedern. Wie kann man dem Problem begegnen?

Von: Doris Fenske

Stand: 07.01.2016

Auch Schweinemäster Josef Briller hält seine Tiere auf Betonspaltenböden, und auch er musste regelmäßig feststellen, dass sich bei den Schweinen Beulen bildeten. Das war aber nicht das einzige Problem: Vor einigen Jahren gab es regelmäßig Probleme mit den zugekauften Ferkeln:

Antibiotikaeinsatz im Stall

"Unsere Ausgangssituation war, dass immer, wenn wir Einstalltiere bekommen haben, wir immer mit Durchfall zu kämpfen hatten. Dieser Durchfall war am Anfang nur mit Antibiotikagaben zu beseitigen. Es hat mich als Schweinemäster ein bisschen frustriert, weil mein Anspruch ist, dass ich die Tiere, die ich vom Lieferanten bekomme, dass die ohne Antibiotikagabe vom Einstallen bis zur Schlachtung durchlaufen."

Josef Briller, Landwirt aus Rohrbach

Gesündere Tiere wachsen schneller

Landwirt Josef Briller im Stall

Beide Probleme, die Antibiotikabeigabe und die Beulenbildung, wollen die Brillers beseitigen: Zum einen wegen des Tierwohls, zum anderen auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn gesündere Tiere lassen sich schneller mästen, 900 Gramm sollen sie täglich zunehmen. Vater und Tochter holen sich daher den Rat von Expertin Mirjam Lechner von der UEG Hohenlohe-Franken.

Bekommen die Tiere ausreichend Wasser?

Zunächst überprüft Mirjam Lechner, ob bei den Tieren die Verdauung funktioniert. Drei Kilo Trockenfutter fressen sie am Tag, dazu müssten sie mindestens fünf Liter Wasser trinken. Im Stall der Brillers sind bislang sogenannte Nippeltränken installiert, die die Wasseraufnahme limitieren. Vergleichbar sei die Funktionsweise der Tränke mit einer Maß Bier, die mit Strohhalm getrunken werden müsse, so Lechner. Gerade im Sommer muss man darauf achten, dass die Tiere ausreichend mit Wasser versorgt sind. Obwohl die gesetzliche Vorgabe im Stall der Brillers eingehalten wird - 12 Tiere pro Nippel - besteht Verbesserungsbedarf:

"Die Tiere legen sich im Sommer unten die Tränken hin, versperren den Weg für die anderen Tiere. Das ist, glaube ich, für diese Leistung von 900 Gramm, die wir anpeilen, nicht ausreichend."

Josef Briller

Hitze: erster Hinweis für Entzündungen

Mirjam Lechner auf Tuchfühlung mit den Tieren

Nach dem Wassercheck kontrolliert Mirjam Lechner mithilfe einer Wärmebildkamera, ob die Tiere überhitzt sind. Schweine können nicht schwitzen: Ist es ihnen zu heiß, gibt es Stoffwechselprobleme, und somit auch geringere Leistungen. Die Expertin vermutet, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Gesundheit, Leistung und den Beulen der Tiere. Dazu muss sie sich jedes Schweinebein aus der Nähe anschauen. Die Kamera zeigt an, ob Beine oder Gelenke im Vergleich zum restlichen Körper wärmer sind, ein erster Hinweis für Entzündungen.

"Ich schau mir ganz besonders die Klauen an, das heißt,  habe ich ein Problem an den Klauen, ähnlich wie Kühe oder Pferde, dann habe ich ein Signal vielleicht auf Fütterungsdefizite, vielleicht auch auf Entzündungen. Die Tiere sitzen mehr, und wenn sie viel sitzen, entwickeln sich an den Tieren leider auch die Bursen."

Mirjam Lechner, UEG Hohenlohe-Franken

Spielt das Futter eine Rolle?

Die Schäden sind an den Beinen deutlich zu erkennen, teilweise haben sich in der Nähe der Gelenke dicke Beulen bzw. Bursen gebildet. Mirjam Lechner ist überzeugt, dass die Futterzusammensetzung einen Einfluss darauf hat.

"Der Rohfaseranteil ist ganz essentiell wichtig für die Darmgesundheit, dann habe ich wenig Entzündung im Tier, dann habe ich auch gesunde Tiere und gesunde Klauen."

Mirjam Lechner

Heu und Stroh: Vor- und Nachteile

Die Brillers setzten die Ratschläge sofort um. Sie füttern jetzt mehr Rohfaser, zunächst in Form von Heu. Doch das bereitete anderweitig Probleme: Die Rohfaserhalme verklebten nun den Güllekanal. Heu oder Stroh auf Spaltenböden, das ist generell schwierig, dabei hätte es viele Vorteile, zum Beispiel bei der Einstallung, wenn die Tiere aggressiv sind und aufeinander losgehen. Solche Situationen können bereits mit einer kleinen Heugabe entschärft werden.

Gechlortes Wasser

Heu in kleinen Mengen bekommen daher nur die neu eingestallten Ferkel. Bei der Zusammenstellung des Futters, einer Getreidemischung, achten die Brillers auf einen ausreichend hohen Anteil an Rohfaser, zum Beispiel durch Zugabe von Sojaschalen oder Zuckerrübenschnitzel. Wasser können die Schweine nun über zusätzliche Beckentränken aufnehmen, wobei das Wasser leicht gechlort wird. Der Grund dafür ist, so Briller, dass früher die Antibiotika über die Wasserleitungen dosiert wurden. Dadurch bildeten sich keimbelastete Biofilme. Mit Chlor hygienisiertes Wasser würden die Schweine lieber trinken.

Und die Spaltenböden?

Spaltenböden: Sind sie die eigentliche Ursache?

Im Stall von Josef Briller hat sich viel verändert. Die Tiere sind gesünder und wachsen erstaunlich schnell. Er kauft sie jetzt von einem anderen Lieferanten, seitdem kommen sie mit weniger Gelenkschäden zu ihm. Doch einzelne Tiere haben immer noch entzündete Klauen und Beulen. Sind also nicht doch die harten Betonspaltenböden die wesentliche Ursache?

"Grundsätzlich ist für mich die Diskussion, Schweine ohne Spaltenboden zu mästen, nicht gegeben. Weil andere Systeme wesentlich größere Nachteile haben als der Spaltenboden, man sieht‘s ja bei unserem Bestand, dass die Klauenprobleme, die Gelenkprobleme nicht das Thema vom Spaltenboden sind. Unsere Tiere sind auf dem Spaltenboden geboren, aufgewachsen am Spaltenboden und gemästet auf dem Spaltenboden. Sprich: Man kann nicht sagen, Schweine, die auf Spaltenboden gehalten worden sind, haben grundsätzlich Klauen- oder Gelenkprobleme."

Josef Briller

Nur wenigen Betrieben gelingt es, weitgehend unversehrte Tiere auf Spaltenböden zu mästen. Welche Faktoren noch dazu beitragen, wie groß das Ausmaß der Beulen ist – das muss noch weiter erforscht werden.


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