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Aktion "Trittsicher" Unfälle in der Landwirtschaft vermeiden

Auf landwirtschaftlichen Betrieben sind Ausrutschen, Stolpern und Hinfallen die häufigste Unfallursachen - und ein großer Kostenfaktor für Berufsgenossenschaft und Krankenkassen. Die Aktion "Trittsicher durchs Leben" soll nun dazu beitragen, Sturzverletzungen bei Senioren zu vermeiden.

Von: Cornelia Benne

Stand: 18.03.2016

10.000 Senioren wurden dafür in Bayern für eine Pilotphase ausgewählt: Frauen über 70 und Männer über 80, weil diese Personen statistisch gesehen am häufigsten stürzen. Zu den ausgewählten Personen gehören auch der ehemalige Hopfenbauer Josef Steffel und seine Frau Josefa.

Josef Steffel kümmert sich immer noch ums Holz.

Den Hof hat Josef Steffel schon vor über 10 Jahren an seinen Sohn übergeben. Doch ums Brennholz kümmert sich der ehemalige Hopfenbauer immer noch gern, mit seinen 87 Jahren ist er noch rüstig. Seine Frau Josefa kümmert sich um den Haushalt und die 20 Hennen. Unfälle wie etwa Stürze lassen sich da nicht immer vermeiden, wie Josefa Steffel aus eigener Erfahrung weiß:

"Da bin ich über die Kellertreppe schnell rauf gegangen ... weil Besuch da war, und bin oben daneben getreten. Da bin ich direkt an den Hausgang hingefallen. Das habe ich dann schon gespürt, und ich war auch beim Arzt und beim Orthopäden."

Josefa Steffel

Unsicherheit erhöht das Risiko

Stefan Adelsberger im Gespräch mit den Steffels

Die Angst, wieder zu stürzen, lässt viele Betroffene unsicher werden, sagt Stefan Adelsberger von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Das führt dazu, dass sich das Risiko für Folgestürze vervierfacht. Um das zu vermeiden, bekommen die Steffels von Stefan Adelsberger konkrete Tipps für Haus und  Hof.

Rutschfeste Schuhe und Treppengeländer helfen

Los geht's mit den Schuhen: Oft sind gerade Hausschuhe sehr rutschig. Doch rutschfeste Schuhe allein genügen nicht. Wichtig ist auch, dass jede Treppe mit einem Geländer versehen ist, am besten beidseitig. Auf den Treppenstufen sollten keine Gegenstände abgestellt werden, der Untergrund sollte sicher sein:

"Da ist keine Überdachung. Und da haben wir ein ganz glattes Pflaster. Da würde es sich empfehlen, dass man vielleicht eine größere Gummimatte hertut, weil das Pflaster, wenn es anzieht, wenn da ein Reif ist, dann wird’s da richtig glatt, und dann kann man da ausrutschen."

Stefan Adelsberger, Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft

Finger weg vom Holz

Gefahrenquelle Kreissäge

Stefan Adelsberger spricht auf seinem Rundgang bei den Steffels viele Punkte an: Bodenplatten sollten nicht aufstehen, eine ausreichende Beleuchtung der Wege ist wichtig, am besten mit Bewegungsmelder. Statt der gefährlichen Pantoffeln empfiehlt er Sicherheitsschuhe: Es gibt auch leichte Modelle zum Reinschlüpfen. Rund ums Holz ist es immer gefährlich: Darum ist besondere Vorsicht beim Arbeiten mit der Säge oder beim Holzspalten geboten. Auch wenn's schwer fällt: Schwere Waldarbeiten sollte man besser den Jungen überlassen.

Fitness mit Pausen

Weil älteren Menschen gerne mal schwindelig wird, empfiehlt Stefan Adelsberger außerdem, im Garten oder Hof eine Bank aufzustellen, damit man sich zwischendurch ausruhen kann. Die Steffels sollen aber auch etwas für ihre körperliche Fitness tun. Zu dem Projekt "Trittsicher" gehört ein gezieltes Bewegungstraining, organisiert von den örtlichen Turnvereinen und den Landfrauen. Trainiert wird unter Anleitung einmal pro Woche mit Gewichtsmanschetten.

Stärkung des Selbstbewusstseins

Geübt werden außerdem sturzgefährliche Alltagssituationen. Das stärkt nicht nur den Gleichgewichtssinn, sondern auch das Selbstbewusstsein.

"Manche sind so ängstlich, die sagen immer, das kann ich nimmer. Aber ich will ihnen den Mut wieder geben, dass sie schon noch trittsicher sind und sich auch mehr zutrauen müssen als sie eigentlich wollen."

Margareta Brunschweiger, Trittsicher-Trainerin, Mainburg, Lkr. Kelheim

Zusätzlich gibt es die Turnübungen auch als Hausaufgaben. Die Teilnehmer bekommen ein kleines Buch, in dem alle Übungen verzeichnet sind. Bei den Steffels trägt die Beratung erste Früchte: Daheim haben sie inzwischen eine Bank aufgestellt, die Treppe freigeräumt, und sie tragen nun die richtigen Schuhe. Die beiden fühlen sich jetzt auf jeden Fall "Trittsicherer" als vorher.

Kontakt und Links:

Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
Kampagne Prävention
Weißensteinstraße 70-72
34131 Kassel

Telefon: 0871 696-0  
Telefon zum Thema "Trittsicher": 0871 696-580
Fax: 0871 6969-279


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