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Gelebte Archäologie Baumfällen wie vor 7.000 Jahren

Bereits in der Steinzeit bauten die Menschen Häuser, die bis zu 50 Meter lang und acht Meter hoch waren. Mit welchen Werkzeugen dies geschah, war lange Zeit unklar - bis Archäologen begannen, es selbst auszuprobieren.

Von: Kirsten Zesewitz

Stand: 25.04.2014

Bereits zum vierten Mal treffen sich im mittelfränkischen Dorf Ergersheim Experimentalarchäologen aus ganz Deutschland, die nachempfinden wollen, wie die Steinzeitmenschen ihre Langhäuser gebaut haben. Doch zuerst einmal müssen die Bäume dafür gefällt werden.

"Es reicht nicht, als Archäologe hinter dem Schreibtisch zu sitzen und sich die Pläne anzugucken ... Um zu verstehen, was es bedeutet, in der Zeit zu leben, muss man es miterlebt haben ... muss man erst einmal Hand angelegt haben."

Rengert Elburg, Landesamt für Archäologie Sachsen

Basaltbeil statt Kettensäge

Gut Ding will Weile haben ...

Der niederländische Archäologe Rengert Elburg will herausfinden, wie die Menschen vor 7.000 Jahren massive Bäume mit Breitkeilen und Steinbeilen aus Basalt fällen konnten. Jedes Arbeitsstadium wird mit einem 3D-Scanner festgehalten. Später entwickeln die Archäologen daraus eine dreidimensionale Animation, die in Bildern erzählt, wie eine steinzeitliche Siedlung auf dem Dachsberg ausgesehen haben könnte.

Massivbauten aus Holz und Flechtwerk

"Das sind kleine Weiler, bestehend aus 3 bis 5 Langhäusern, Länge 50m, Breite 8m, also massive Teile, komplett aus Holz gebaut. Pfeiler und Wände bestehen aus Flechtwerk. Jedes einzelne Teil musste in der Steinzeit mit Steingeräten gefällt und bearbeitet werden."

Rengert Elburg

Autentischer Gebrauch

Knochenwerkzeuge

Auch Werkzeuge aus Knochen waren gebräuchlich: Amateur-Archäologe Sebastian Böhm arbeitet seit Jahren mit einem Elchknochen. Er ist schon mehrmals abgebrochen und neu geschärft worden - genau so, wie das auch in der Steinzeit der Fall war. Die Archäologen wollen auf diese Weise nachempfinden, wie alltagstauglich die damaligen Werkzeuge tatsächlich waren.

Rückschläge inklusive

Die Vorläufer unserer Äxte nennt man "Dechseln".

Das Fällen des Baumes geschieht nicht ohne Komplikationen: Nach einer Stunde harten Schlagens splittert die Spitze der Basalt-Klinge. Die Archäologen haben in den letzten Jahren Dutzende Werkzeuge verschlissen. Zum Einsatz kommen natürlich keine Originale, sondern Kopien, die originalgetreu nachgebaut werden. Anders als bei einer modernen Axt sitzt der Schaft beim steinzeitlichen Pendant quer zur Klinge.

"Die Werkzeuge hier haben einen Winkel von 115°. Die eignen sich perfekt zur Oberflächenbearbeitung, das ist wie ein Hobel. Sie werden zwischen den Beinen geführt, schwingen dann mehr oder weniger auf und ab und machen immer nur kleinere Späne ab."

Anja Probst, Archäologin aus Freiburg im Breisgau

Ein sauberer Fällschnitt

Die Messung zeigt: sauber gefällt!

Zurück zur Eiche: Mit Kettensäge, Fällkeil und einem sauberen Fällschnitt würde man heutzutage nur wenige Minuten für die eigentliche Fällaktion benötigen - bei den Archäologen dauert die Aktion rund anderthalb Stunden. Rengert Elburg ist trotzdem hochzufrieden: "Bilderbuchmäßig. So wie es sich gehört, ohne Splintschnitt, ohne Reißen."


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