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Baum des Jahres Gehölz mit Zukunft

Seit 27 Jahren ernennt die Dr. Silvius Wodarz Stiftung jedes Jahr eine Baumart zum Baum des Jahres. Über manches Gewächs wird im Kuratorium heftig gestritten, nicht so über den Baum des Jahres 2017: Die Fichte bekam den Titel.

Von: Susanne Wimmer

Stand: 15.12.2016

Jede hätte es werden können - Warum ausgerechnet sie? Was hat sie nur, was andere nicht haben? Dabei gab es so aussichtsreiche Konkurrentinnen: die adrette Kornelkirsche beispielsweise - ein heimisches Gewächs, im Frühjahr eine Bienenweide, ihre Früchte reich an wertvollen Inhaltsstoffen.

Ebenfalls im Rennen: der Amberbaum.  Zugewandert aus Nordamerika. Im Herbst eine ausgesprochene Schönheit. Warum wird also gerade die Fichte Baum des Jahres 2017? Der 86-jährige ehemalige Forstdirektor Dr. Silvius Wodarz hat die Baum des Jahres Stiftung einst ins Leben gerufen, ein heterogenes Kuratorium wählt jedes Jahr einen Baum aus und schlägt ihn vor.

"Gerade weil sie polarisiert: Die einen meinen das Holz, den schönen geraden Balken und die anderen meinen die Naturferne, diese furchtbare Fichte und dann noch in einer Monokultur. Aber dass sie Baum des Jahres geworden ist, ist ja gerade ein Grund, sich mit ihr auseinanderzusetzen"

Dr. Silvius Wodarz, Gründer der Baum des Jahres Stiftung

Fichten machen den Boden sauer

Auseinandersetzen, schön und gut. Aber die Fichte ist es doch, die mit ihren schwer zersetzbaren Nadeln die Böden bedeckt und innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Versauerung der Standorte führt.

Sie ist es doch, die anfällig ist wie sonst keine! Zerbrechlich und keineswegs wetterfest. Hat nicht Sturm Niklas im März 2015 Fichten umgeknickt wie Strohhalme, weil ihre Wurzelteller flach sind und den Windböen kaum Stand halten? Auch Schädlingen ist sie oft schutzlos ausgeliefert. Macht sie das zu einem ehrenwerten Baum?

Gut, fairerweise muss man sagen, dass die Monokulturen nicht von allein entstanden sind. Die Fichte  - die eigentlich aus der Taiga stammt - ist nur in wenigen Regionen Deutschlands wirklich heimisch.

Doch spätestens mit der Industrialisierung wuchs der Bedarf an Nadelhölzern als universales Baumaterial. Überall herrschte Holz-Not.

"Die hat angefangen damit, dass der Wald gerodet wurde, weil sie Holz brauchten, um Häuser zu bauen und sie hatten Felder machen wollen für landwirtschaftliche Produkte, also musste der Wald auch wieder weg und dann haben sie für alles, einfach alles Holz gebraucht, bis zum Kochlöffel."

Dr. Silvius Wodarz

Viel Wasser, aber wenig Nährstoffe

Die Fichte hat dabei einen großen Vorteil: Sie benötigt fürs Wachstum zwar ausreichend Wasser, aber kaum Nährstoffe. Obwohl sie einst nur als Zwischenlösung gedacht war, wurde sie fortan zur Wiederaufforstung  eingesetzt.

Noch heute sind hier im Fichtelgebirge rund 80 Prozent der Hölzer, die verarbeitet werden, Fichten. 

"Die Fichte ist das einzige wirkliche Bauholz, was vom Gewicht her, von der Festigkeit, von der Bearbeitbarkeit eigentlich hier in Mitteleuropa das Bauholz schlechthin ist. Man kann sicher auch mit Kiefer und Lärche bauen, aber Fichte ist einfach das Nonplusultra im Bau."

Wolf-Christian Küspert, Gelo Sägewerke Weißenstadt

Anfang der 1980er Jahre  ein Rückschlag: Viel zu spät wurden Schädigungen durch jahrzehntelange Schadstoffemissionen deutlich. Am sichtbarsten waren diese auf Höhenlagen, wie hier am Ochsenkopf - eben dort, wo die Fichten zu Hause sind.

"Die Schlote, aus denen die schlechte Luft kam, waren relativ niedrig. Dann hat man, ein völliger Unsinn im Grunde genommen, gesagt, dann machen wir doch die Schlote hoch, dann ist das weg. Pustekuchen, das war nicht weg, das kam bloß woanders runter, wo die Schlote eben nicht waren."

Dr. Silvius Wodarz

Geringes Anpassungspotential

Das ist zum Glück Vergangenheit. Heute hat  die Fichte ein anderes Problem: Sie gilt als die Baumart mit dem schlechtesten Anpassungspotential an den Klimawandel. Anders als hier ist der Fichtenbestand zum Beispiel  in Mittelfranken bereits stark zurückgegangen. Auch in anderen Regionen Bayerns wird das Anbau-Risiko künftig deutlich höher sein als heute.

"Wenn es also wärmer wird, dann wird es für die Fichte sowieso nicht mehr so gemütlich, wie es jetzt ist, denn Wärme, Hitze ist für sie nicht gut und Wassermangel erst recht nicht."

Dr. Silvius Wodarz

Es besteht also Handlungsbedarf. Fichten-Monokulturen  werden aus Risikogebieten nach und nach verschwinden und robusteren Mischwäldern weichen. Doch auch wenn der Fichtelgebirgs-Wald in Zukunft anders aussehen wird - der Niedergang der Fichte ist das sicher nicht:

"Wenn Sie sich überlegen, dass beispielsweise in Wien bereits Holzhochhäuser aus Fichtenhölzern gebaut werden, dann ist es ein toller Werkstoff, den wir heute brauchen, den wir in Zukunft noch viel mehr brauchen. Und ich glaube fest daran, dass die Fichte der Baustoff der Zukunft ist."

Wolf-Christian Küspert, Gelo Sägewerke Weißenstadt

Am Ende regt sie ja vielleicht wirklich zur Diskussion an: Daheim unterm behaglichen Weihnachtsbaum oder anderswo. Und so gesehen verdient sie ihn dann ja doch irgendwie, den Titel "Baum des Jahres". 


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websaurier, Donnerstag, 15.Dezember, 12:30 Uhr

1. Baumsäge des Jahres...


Die dazu passende Motorsäge des Jahres:
Das "FICHTENMOPED"; idealerweise von der Firma St... !!