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Neuer Test von Greenpeace Giftstoffe in Outdoor-Kleidung

Bewegung an der frischen Luft ist gesund. Und mit dem richtigen Outfit können uns selbst Wind und Wetter nichts anhaben. Doch wer ahnt, dass gerade in Outdoor-Bekleidung große Mengen chemischer Substanzen stecken: eine Gefahr für Mensch und Natur. Anlässlich der weltgrößten Sportmesse ISPO, die am Wochenende in München begann, legt Greenpeace einen neuen Test vor – mit erschreckenden Ergebnissen.

Von: Frank Bäumer

Stand: 25.01.2016

Für den Naturfreund gibt es nichts Schöneres, als seine Freizeit in der Natur zu verbringen. Doch wer ahnt, dass beim Wandern durch die unberührte Landschaft meistens das Gift mitmarschiert? Denn was sich in wasser- und schmutzabweisender Outdoor-Kleidung verbirgt, hat mit Natur pur kaum etwas zu tun, im Gegenteil: Es ist oft reine Chemie. Um die Textilien wind- und wetterfest zu machen, werden bei der Herstellung giftige Stoffe wie die Perfluoroctansäure verwendet, die jedoch zunehmend im Verdacht steht, Umwelt und Gesundheit zu gefährden. Experten warnen daher vor den im Bekleidungsbereich eingesetzten Chemikalien, die störend auf den Hormonhaushalt und das Immunsystem und außerdem krebsfördernd wirken können.

Neuer Greenpeace-Test zum Start der ISPO in München

Das wurde untersucht:

Greenpeace untersuchte elf Jacken, acht Hosen, sieben Paar Schuhe, acht Rucksäcke, zwei Zelte, zwei Schlafsäcke, ein Kletterseil und ein paar Handschuhe.

Am Wochenende begann die weltgrößte Sportmesse ISPO in München. Grund genug für Greenpeace, 40 Produkte bekannter Outdoor-Marken aus 19 Ländern auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) testen zu lassen. Dies ist der dritte Outdoor-Bekleidungstest von Greenpeace seit 2012. Diesmal haben sie zusätzlich auch Camping- und Wanderausrüstung mit unter die Lupe genommen. Das erschreckende Ergebnis: Nur in vier von 40 Artikeln wurden keine PFC festgestellt. Elf Produkte enthielten die gesundheitsschädliche Perfluoroktansäure (PFOA). Die höchsten PFOA-Werte wurden in einem Schlafsack von The North Face, einer Hose von Jack Wolfskin, Schuhen von Haglöfs und Mammut und einem Mammut-Rucksack ermittelt.

"Die Outdoor-Branche setzt weiterhin Schadstoffe ein, von denen sich einige in der Natur anreichern oder sogar krebserregend wirken können. Dies sind enttäuschende Ergebnisse für Outdoor-Liebhaber, die sich ihre Ausrüstung sauber und umweltfreundlich wünschen."

Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace

Der Tipp der Tester

Überlegen Sie vor dem Kauf, wofür Sie die Ausrüstung tatsächlich brauchen. Für eine einfache Wanderung im Voralpenland muss es nicht die High-Tech-Ausrüstung eines Gipfelstürmers sein. Denn für viele Anwendungen gibt es PFC-freie Alternativen. Wetterfest und PFC-frei sind beispielsweise Textilien aus Polyester und Polyurethan. Marken wie Fjällräven, Paramo, Pyua, Rotauf und R’adys bieten derartige Funktionskleidung an.

PFC verursachen Schäden an Mensch und Natur

Die Umweltorganisation Greenpeace weist auf die globalen Auswirkungen des Einsatzes solcher Chemikalien hin. Was zum Beispiel die Regenjacke so resistent gegen die Nässe macht, verbleibt auch dauerhaft in Flüssen, Seen und im Grundwasser. Da die chemischen Verbindungen nicht auf natürlichem Weg abgebaut werden können, verbreiten sie sich mehr und mehr über den gesamten Erdball. Über Nahrung, Luft und Trinkwasser gelangen die Gifte in den Körper von Mensch und Tier und sind mittlerweile sogar bei Eisbären der Arktis und Pinguinen auf Feuerland nachgewiesen worden.

Gift im T-Shirt

Gefährliche Substanzen stecken aber nicht nur in beschichteter Regenkleidung. Gerne werben Modehersteller mit 100 Prozent natürlicher Baumwolle, doch in der Realität entpuppen sich T-Shirt und Jeans als Träger von giftigen Farbstoffen und Weichmachern.

Besonders schädlich sind Azofarbstoffe.

Als besonders schädlich gelten die Azofarbstoffe. Es sind synthetische Farbstoffe, die krebserregende Stoffe freisetzen können. Besorgniserregend ist, dass diese hauptsächlich zum großflächigen Einfärben der Textilien verwendet werden. Denkt man an den direkten Kontakt mit der Haut, kann auch die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte dem Verbraucher keine Sicherheit mehr vorgaukeln. Ernsthaft betroffen sind jedoch nicht nur die Träger der Outdoor-Kleidung, sondern in erster Linie die Menschen in den Herstellerländern. Während die Arbeiter bei der Produktion direkt in Kontakt mit den Schadstoffen kommen, gelangen die Industriegifte ebenso über das Wasser in die Nahrungskette. Durch Abwasseruntersuchungen konnte Greenpeace bereits im Jahr 2011 die industrielle Vergiftung chinesischer Flüsse aufzeigen.

Reagiert die Textilindustrie?

Regelmäßig werden giftige Substanzen in Bekleidung entdeckt. Damit das positive Image nicht leidet, signalisieren Modemarken ihr Bewusstsein für den Umweltschutz und die Arbeitsbedingungen in Asien. Mehrere Hersteller erklären sich öffentlich dazu bereit, langfristig auf schädliche Chemikalien zu verzichten. Mit einer sogenannten Selbstverpflichtungserklärung haben sich 32 Firmen das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Produktionsbedingungen sicherer und sauberer zu gestalten. Doch die Fortschritte scheinen nur sehr langsam voran zu gehen.

Vorsicht - Gift in der Kleidung!

Der Verbraucher hat kaum eine Möglichkeit, sich vor dem Gift in der Kleidung zu schützen. Achten kann man aber auf Pflegehinweise wie "separat waschen" oder "vor dem Tragen waschen". In Textilien mit solcher Kennzeichnung stecken oft Farbstoffe, die besonders leicht von der Haut aufgenommen werden. Auch knitterfreie oder bügelfreie Stoffe sind chemisch intensiver behandelt als andere. Damit unsere Mode wirklich frei von Giften werden kann, liegt noch viel Handlungsbedarf bei den Bekleidungsfirmen.


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