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Das "Wunder von Mals" Südtiroler Dorf kämpft gegen Pestizide

In dem Dorf Mals in Südtirol haben die Bewohner via Volksabstimmung entschieden: keine Pestizide mehr in ihrem Ort. Der Film das „Wunder von Mals“ dokumentiert ihren Kampf für eine ökologische Landwirtschaft – trotz aller Widerstände.

Von: Doris Fenske

Stand: 09.10.2017

Die moderne Landwirtschaft setzt seit Jahrzehnten auf Pflanzenschutzmittel. Tonnenweise Pestizide werden jedes Jahr auf Getreide-, Kartoffel- und Zuckerrübenfelder versprüht, aber auch im Obstbau angewendet. Gespritzt wird gegen Pilzkrankheiten, tierische Schädlinge und unliebsame Gewächse. Der Vorteil: Lebensmittel lassen sich so kostengünstig produzieren.

Gefahren durch Pestizide

Die Schattenseite: Viele Wirkstoffe gelten als problematisch für Mensch und Umwelt. Auch wenn die in der EU zugelassenen Mittel ein Zulassungsverfahren durchlaufen haben, sind sie nicht völlig harmlos und unbedenklich.

"Im Südtiroler Obstbau werden über 50 Kilo Pflanzenschutzmittel pro Hektar eingesetzt, in Italien im Durchschnitt nur 6 Kilo - in den meisten Fällen sogar weniger. (...) Aber die Menge allein macht es nicht. Es gibt eine schwarze Liste, die im Auftrag von Greenpeace erstellt wurde, in der alle Pestizide aufgeführt sind, die hormonschädigend, erbgutschädigend und krebserregend sind. Das sind 200 Wirkstoffe von insgesamt 500 in der EU zugelassenen Wirkstoffen. So gut wie alle Südtiroler Mittel – 55 von 68 - enthalten Wirkstoffe von dieser Liste. Das sind keineswegs harmlose Mittel."

Autor und Filmemacher Alexander Schiebel „Wunder von Mals“

Beispiel moderner Landwirtschaft: das Vinschgau

Im Vinschgau wurde die traditionelle Viehwirtschaft immer mehr aufgegeben und der Apfelanbau forciert: Monokulturen - so weit das Auge reicht. Es muss gespritzt werden, nicht nur Glyphosat, sondern viele verschiedene Wirkstoffe, vor allem Insektizide. Keine andere Kultur wird so häufig gespritzt wie Apfel-Plantagen.

Ein Dorf wehrt sich gegen den Pestizid-Einsatz

Der Apfelanbau rückt im Vinschgau immer weiter vor – auch Richtung Mals, eine kleine Gemeinde am Ende eines Südtiroler Tals. Die Malser aber wollen keine Landwirtschaft, die nur mit hohem Chemieeinsatz funktioniert. Sie haben sich deshalb in einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit gegen Pestizide ausgesprochen. Mals will eine pestizidfreie Gemeinde werden und Zeichen setzen - trotz der Übermacht einer Lobby aus Obstbauern, Bauernbund, Landesregierung und Chemieindustrie.

Der Wind verteilt die Pestizide

Circa 30 Mal im Jahr wird im Apfelanbau gespritzt. Das Risiko, dass die Chemie vom Wind verweht wird, ist sehr hoch. Das beweisen auch Analysen von zum Beispiel Heu. Die Proben enthielten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die aus dem Apfelanbau stammen. Biologische Landwirtschaft ist so fast nicht möglich.

Der Widerstand hat sich formiert

Die Malser wollen vielfältige Öko-Landwirtschaft statt noch mehr Apfelmonokultur. Aber wie wird es weitergehen? Werden die Malser Pestizidgegner, die mittlerweile Unterstützer aus ganz Italien und auch Deutschland haben, ihr Anliegen erreichen?

Der Bürgermeister von Mals hat eine Verordnung erlassen, die ab Anfang 2018 zur Pestizidfreiheit in Mals führen soll. Das wird nicht ohne Widerstand ablaufen. Aber trotz Abwehr von Politik und Bauernbund: Der aktive Kern der Pestizidgegner lässt sich nicht entmutigen und plant immer wieder neue Aktionen ...

Wer weiß, vielleicht gibt es bald noch mehr Gemeinden, die dem Beispiel aus Südtirol folgen und solchen Widerstand leisten - gegen ein unkalkulierbares Risiko für Mensch und Natur.

Das „Wunder von Mals“

Durch diesen Widerstand hat das Vinschgauer Dorf große Beachtung erfahren. Autor und Filmemacher Alexander Schiebel beobachtet seit Jahren diesen Protest. Das „Wunder von Mals“ heißt sein Dokumentarfilm, der bald in die Kinos kommt.


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