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Giftige Verpackung Mineralöl in Lebensmitteln

Recyclingpapier ist gut für die Umwelt, kann aber ein Risiko für die Gesundheit sein, wenn es für Lebensmittelverpackungen eingesetzt wird. Das haben Wissenschaftler im Auftrag der Verbraucherschutzorganisation foodwatch herausgefunden. Sie entdeckten in verschiedenen Lebensmitteln potentiell krebserregende Mineralölbestandteile, die meist aus der Druckerfarbe von Zeitungen stammen. Wie können sich Verbraucher schützen?

Von: Boris Geiger

Stand: 17.02.2016

Für ihre Untersuchung hat foodwatch 120 Lebensmittelstichproben aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden im Labor analysieren lassen. In 9 der 42 deutschen Produkte fanden die Wissenschaftler so genannte aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe. Diese haben im Tierversuch zu Veränderungen des Erbguts geführt und stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Außerdem wurden in einigen Lebensmitteln gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe nachgewiesen, die zwar nicht ganz so gefährlich sind, sich aber im Körper anreichern können.

Je haltbarer das Produkt, desto höher das Risiko

Je länger die Produkte in der Packung lagern, desto größer die Belastung. Deshalb sind haltbare Lebensmittel wie Frühstücksflocken, Gries, Nudeln oder Reis häufiger mit Mineralöl aus Druckfarben verunreinigt. Das Problem: Wie genau die einzelnen Substanzen im Körper wirken, ist bisher kaum erforscht. Deshalb gibt es bislang auch keine umfassenden Grenzwerte für Mineralölrückstände in Lebensmitteln.

Schwierige Suche nach Grenzwerten

In Deutschland ist das Bundesinstitut für Risikobewertung für die Sicherheit von Lebensmitteln zuständig. Die Wissenschaftler dort geben Empfehlungen für den Gesetzgeber und ermitteln Grenzwerte für Schadstoffe in Lebensmitteln und anderen Produkten. Allerdings tun sich die Lebensmittelchemiker bei den Mineralölen schwer, klare Grenzwerte zu festzulegen.

"Wir können das nicht abschließend bewerten, weil wir für die Bestandteile, die auf Lebensmittel übergehen, keine toxikologischen Grenzwerte ableiten können. Insgesamt ist davon auszugehen, dass es eigentlich keine Lebensmittel gibt, die völlig frei von solchen Substanzen sind, weil es nicht nur den Eintrag über den Recyclingkarton gibt, sondern auch viele andere Eintragsquellen zu beachten sind, zum Beispiel die Umwelt, Abgase von Dieselmotoren, aber auch Schmieröle."

Dr. Karla Pfaff vom BfR in Berlin

Aber auch aus Umverpackungen können Mineralöle in die Lebensmittel übergehen.

Pappschachteln unter Druck

Um die Produkte zu schützen, empfiehlt das BfR als Barriere spezielle Innenbeutel aus Kunststoff oder dünne Beschichtungen zu verwenden. Viele Lebensmittelkonzerne tun dies inzwischen auf freiwilliger Basis.

"Wir fordern, dass solche funktionelle Barrieren gesetzlich vorgeschrieben werden. Darüber hinaus muss es Grenzwerte für Mineralöl im Lebensmittel selbst geben."

Luise Molling von foodwatch

Tatsächlich wird in Berlin und Brüssel gerade an einer Regulierung gearbeitet. Einige Hersteller setzen für ihre Lebensmittelverpackungen mittlerweile auch verstärkt Frischfaserpapier ein, das keine Reste von Druckfarbe mehr enthält, so der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL.

Stellungnahme des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL):

"Die deutsche Lebensmittel- und Verpackungskette hat sich intensiv der Problematik in Verantwortung für die Sicherheit der Lebensmittel angenommen. In den verschiedenen involvierten Bereichen wird seit mehreren Jahren interdisziplinär an Lösungskonzepten gearbeitet und es werden konkrete Maßnahmen zur Risikominimierung realisiert. Dies geschieht in engem Kontakt mit den einschlägigen wissenschaftlichen Institutionen und den Überwachungsbehörden sowie gemeinsam mit der unmittelbar vorgelagerten Lieferkette von papierbasierten Verpackungsmaterialien und Druckfarben."

Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL)

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Zeitungsverleger auf mineralölfreie Druckfarben umstellen. Allerdings wird das von einem Großteil der Druckhäuser bislang abgelehnt. Klare Empfehlungen und Tipps können die Verbraucherschützer bislang leider keine geben. Denn man sieht es den Pappschachteln nicht an, ob sie Mineralölrückstände enthalten und ob diese auf die Nahrungsmittel übergehen. Einziger Lichtblick: Verbraucherschutzministerium und Hersteller haben das Problem erkannt und suchen nach Lösungen, damit die Verwendung der umweltfreundlichen Recyclingkartons nicht zu Lasten unserer Gesundheit geht.

Weitere Informationen:

foodwatch e.V.
Brunnenstraße 181
10119 Berlin
Tel: 030-240476-0
Fax: 030-240476-26
Verbraucher-Telefon: 030-28093995
(Mo-Do von 14-17, Fr von 10-13 Uhr)

Bundesinstitut für Risikobewertung

Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Postanschrift: Postfach 126942, 10609 Berlin
Tel: 030-18412-0
Fragen und Antworten zu Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln:

Stellungnahme des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL)

Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft zu Mineralölen in Lebensmittelverpackungen:


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