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Greenwashing Neues Öko-Image für den Klimagipfel

Grün scheint die neue Lieblingsfarbe vieler Unternehmen – zumindest in Zeiten von Klimakonferenz und steigendem Ökobewusstsein. Die Bahncard wirbt mit grünem Ökostrom, McDonalds bringt einen neuen Biobeef-Burger auf den Markt - und RWE lässt in seiner Werbung einen grasgrünen Riesen durch idyllische Täler stapfen, um umweltfreundliche Windkrafträder zu pflanzen. Gleichzeitig bläst das Unternehmen Unmengen CO2 in die Luft. Ein klarer Fall von Greenwashing. Zu Deutsch: Grünwaschen oder Grünfärberei.

Von: Boris Geiger

Stand: 07.12.2015

Grünes Ökomäntelchen - nix darunter

Der Berliner Umweltjournalist Nick Reimer verfolgt das Thema Greenwashing seit vielen Jahren und ist immer wieder erstaunt, wie gut die Öko-Kampagnen der Konzerne funktionieren. Um Verbraucher aufzuklären und für mehr Transparenz in Sachen Klimapolitik zu sorgen, hat er die Internetplattform "Klima-Luegendetektor.de" gegründet. Hier können Verbraucher Fälle von Grünfärberei online melden, die er und sein Team anschließend prüfen und auf dem Portal auflisten.

"Die Strategie von Greenwashing ist besser dazustehen, als man eigentlich da steht. Man kann das in Deutschland besonders bei den großen Energiekonzernen sehen, die alle relativ wenig zur Energiewende beigetragen haben - aber so tun, als wenn sie diejenigen wären, die das Thema anführen."

Nick Reimer, Umweltjournalist

Wo "Grün" draufsteht, ist nicht unbedingt "Grün" drin.

Beispiele für Grünfärberei gibt es viele - doch so gut das grüne Umweltmäntelchen manchen Unternehmen vielleicht stehen mag, blickt man darunter, ergreift einen das ökologische Grausen. Denn nicht selten bedienen sich die Firmen umweltfreundlicher Feigenblätter, während ökologische und soziale Standards mit Füßen getreten werden. Doch woran erkennen Verbraucher solche Grünfärberei?

Irreführung der Verbraucher

Tatsächlich ist es nicht einfach, die zum Teil clever gemachten Umweltkampagnen zu entlarven. Organisationen wie Greenpeace oder die Deutsche Umwelthilfe versuchen, die schwarzen Schafe ausfindig zu machen und wegen irreführender Werbung zu verklagen. Besonders erfolgreich war das etwa bei Tetrapack. Der Karton-Konzern darf nicht mehr behaupten, dass seine Getränkekartons "vollständig recycelt" werden - denn nur etwa ein Drittel des Materials wird stofflich verwertet. Aber auch im Verkehrs- und Logistikbereich ist Grünfärberei an der Tagesordnung.

"Die Bahn wendet einen Rechentrick an, ungefähr ein Zehntel der Fahrleistung der Bahn ist im Fernverkehr, wenn man jetzt aus dem Gesamtbilanzkreislauf den Ökostrom rausnimmt und nur auf den Fernverkehr umlegt, dann stimmt das, 70-80 Prozent der Fernzüge fahren mit Ökostrom. Aber die Nahverkehrszüge, die den wesentlichen Verkehr der Bahn ausmachen, fahren komplett mit Kohlenstrom - das ist natürlich Greenwashing!"

 Nick Reimer, Umweltjournalist

Nick Reimer, Umweltjournalist

Ähnliches hat Nick Reimer bei der Deutschen Post ausgemacht. Das Unternehmen hat sich eine Flotte Elektroautos zugelegt, um Briefe ökologisch auszuliefern. Laut Recherchen des Klimalügendetektors stammt die dafür eingesetzte Energie allerdings aus Kohlestrom, der über den Kauf so genannter RECS-Zertifikate zu Ökostrom umgewidmet wird. Das Zertifizierungssystem für Erneuerbare Energien steht bei Umweltschützern in der Kritik, da es ökologische Anforderungen wie etwa den Schutz der Natur nicht berücksichtigt. Doch auch beim täglichen Einkauf begegnen uns vermeintlich grüne Produkte, die ihren Namen nicht verdienen.

"Ein Beispiel aus dem Supermarkt ist die Bio-Plastiktüte. Diese Tüte suggeriert, dass man einen Umweltnutzen hat. Aber die Versuche, dass diese tatsächlich verrottet, gibt’s nur im Labor, die funktionieren in der Natur nicht. Und die Energie, die eingesetzt wird, um die Tüte zu produzieren, ist natürlich nicht recyclebar. Bioplastik ist Greenwashing, zumindest so wie es heute praktiziert wird."

  Nick Reimer, Umweltjournalist

Die Unternehmen antworten auf Nachfrage, dass sie nur das Kundenbedürfnis nach umweltfreundlichen Produkten bedienen. Für Umweltschützer ist das Greenwashing, mit dem globale Klimaziele nicht erreicht werden.

Weitere Informationen:

Der Klima-Lügendetektor

Redaktionsanschrift:
Marienstraße 19/20
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Tel.: 030 / 246 322 33

Buchtipp:

Nick Reimer: Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie
oekom verlag München, 2015
ISBN-13: 978-3-86581-746-4


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