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Idylle unter Asphalt Neues Gewerbegebiet im Taglachinger Tal

Erst schien es, als würde es erhalten bleiben – das Taglachinger Tal im Landkreis Ebersberg. Die Regierung von Oberbayern hatte dort 2014 den Bau eines Gewerbegebiets auf der grünen Wiese abgelehnt. Jetzt winkt sie das Projekt durch.

Von: Sabine Frühbuss

Stand: 29.05.2017

Die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Taglachinger Tal sind fassungslos. Bei ihnen soll demnächst ein 3,5 Hektar großes Gewerbegebiet sowie ein Maststall für 600 Schweine gebaut werden. Denn: Die 1.300 Seelengemeinde Bruck braucht Geld aus den Gewerbesteuern.

Die Mehrheit der Bürger hat sich für das neue Gewerbegebiet ausgesprochen. Die Mitglieder der Schutzgemeinschaft wollen ihre Landschaft nicht weiter zubetonieren. Ihr Argument: Das neue Gewerbegebiet könnte auch an das der Nachbargemeinde angebaut werden. Dann bliebe das Taglachinger Tal erhalten.

"Uns ärgert, dass die Erholungsgebiete immer mehr zugebaut werden. Wir sind direkt am Ballungsraum München und haben eine wunderschöne Landschaft, und die wird jetzt mit lauter Gewerbegebieten zugebaut."

  Schutzgemeinschaft Taglachinger Tal

Die Versiegelung der Böden verschärft die Hochwassergefahr

Die Schutzgemeinschaft hat eine Mahnwache für den Erhalt ihres idyllischen Tals gehalten und dabei Rückendeckung vom Landtagsabgeordneten der Grünen, Christian Magerl, bekommen. Er hat eine schriftliche Anfrage an den Landtag geschickt.

Überschwemmungen durch versiegelte Bodenflächen

Hochwasser im Taglachinger Tal

Denn auch im Hinblick auf den Hochwasserschutz hält Magerl die Zubetonierung der bayerischen Landschaft für unverantwortlich. Je mehr Bodenfläche versiegelt wird, desto schlechter kann bei Starkregen das Wasser versickern. Und das kann dramatische Überschwemmungen nach sich ziehen, wie 2016 in Simbach am Inn oder im niederbayerischen Triftern.

Mehr Eigenverantwortung für die Gemeinden schwächt den Landschaftsschutz

Gewerbegebiet im Taglachinger Tal

Das neue Landesentwicklungsprogramm dürfte den Trend zur Bodenversiegelung noch weiter anheizen. Schließlich soll mit ihm die Eigenverantwortung der Gemeinden gestärkt werden. Wohin das führt, zeigt der Fall Taglaching schon jetzt auf beispielhafte Weise. Der zuständige Bürgermeister spekuliert auf die Einnahmen aus den Gewerbesteuern, um die Wünsche der Bürger, etwa nach Kitaplätzen, zu erfüllen. Schließlich will er - wie jeder Bürgermeister -  etwas für seine Gemeinde tun und wiedergewählt werden. Nur der Naturschutz bleibt dabei auf der Strecke  - und das wird die Schönheit der bayerischen Landschaft langfristig zerstören.

Links und Infos:

Schutzgemeinschaft Taglachinger Tal e.V.
Vorsitzender: Johann Auberger
Email: jauberger@gmx.de
Telefon: 08092-708458

Pressemitteilung des Bayerischen Finanzministeriums zur Fortschreibung des Landesentwicklungsplans vom 28.03.2017:


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