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Drogenhilfe in Nürnberg "Ich möchte einfach der Kemal sein"

Bundesweit zählt Bayern zu den Ländern mit den meisten Drogentoten. Die Nürnberger Drogenhilfe "mudra" hilft Drogenabhängigen mit Suchtberatung und Arbeitsmaßnahmen, wieder zu einem selbstbestimmten Leben zu finden.

Von: Astrid Uhr

Stand: 31.03.2017

"Als Jugendlicher habe ich das nicht gewusst, dass ich abhängig werde. Ich dachte, ich rauche und morgen tue ich das nicht mehr. Das war ein falsches Denken. Mit 14 Jahren habe ich angefangen, Drogen zu nehmen: Haschisch, als Spaßfaktor. 20 Jahre lang bin ich nun ungefähr drauf - und seit 15 Jahren versuche ich, aufzuhören."

Kemal

Die Drogenhilfe "mudra" in Nürnberg unterstützt Menschen wie Kemal, von den Drogen loszukommen und in ein geregeltes Alltagsleben zu finden. Ein Projekt des gemeinnützigen Vereins ist das Angebot von Tagesjobs als Wohnungsentrümpler und Umzugshilfe.

Den Kampf gegen die Drogen alleine zu gewinnen, ist fast aussichtlos. Deswegen steht Kemal seit langem der Pädagoge Michael Schmatz (Foto, links) von "mudra" zur Seite. Er unterstützt ihn bei der Wohnungssuche, begleitet ihn auf Ämter und ermutigt ihn, den Job durchzuhalten. Siebeneinhalb Stunden pro Tag arbeitet Kemal als Entrümpler. Anfangs fiel ihm allein das Heben von leichten Gegenständen schwer, inzwischen ist er ein Spezialist im Beladen der LKW geworden. Schon seit fünf Jahren hält er seinen Job durch. Mehr als ein Jahr hat er kein Heroin mehr genommen – darauf ist er stolz. Sein nächster Schritt: Er will vom Ersatzstoff Methadon wegkommen.

"Meine Prognose lautete, dass ich nur 30 Jahre alt werde, weil ich zu viel genommen habe, zu viel Heroin, einfach viel zu viel. Jetzt bin ich 37 Jahre alt. Das Programm von mudra hilft mir, ein normales Leben zu führen, drogenfrei. Ich will von niemandem und nichts mehr abhängig sein. Ich möchte einfach der Kemal sein."

Kemal

Den Teufelskreis Sucht kennt sein Chef Alfred Pollack nur zu gut. Der Leiter der Tagesjobs von "Mudra" war selbst einmal Drogenkonsument. Wie und warum er abhängig wurde, kann er sich heute noch nicht erklären. Aber er hat den Ausstieg geschafft – das will er weitergeben und jedem die Möglichkeit geben, selbstbestimmt und ohne Drogen zu leben. Daher erklärt sich auch der Name des gemeinnützigen Vereins: "mudra" ist ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet eine nach außen hin sichtbare innere Veränderung.

"Ich möchte gewährleisten, dass das Projekt weiterbesteht, damit Menschen wie Kemal diese zweite, dritte, fünfte oder auch zehnte Chance bekommen."

Alfred Polak, mudra-Drogenhilfe e.V. Nürnberg

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