BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Bericht aus Istanbul Kongress des Weltverbands der Gehörlosen

Etwa 1.300 Personen aus fast 100 Ländern waren zum Kongress des Weltverbands der Gehörlosen (WFD) in Istanbul angereist – deutlich weniger als bei den bisherigen Kongressen, bei denen immer über 2.000 Teilnehmer dabei waren. Auch „Sehen statt Hören“ fehlte. Berichten können wir trotzdem.

Stand: 25.08.2015

Kongress des Weltverbands der Gehörlosen in Istanbul | Bild: BR

Vom 28. Juli – 01. August 2015 fand in Istanbul, in der Türkei, der Kongress vom Weltverband der Gehörlosen, kurz WFD, statt. Sehen statt Hören wollte darüber berichten. Doch der WFD verlangte für eine Berichterstattung Akkreditierungsgebühren – und das für eine politische Veranstaltung?!

Das ist absolut unüblich. Im Sinne des öffentlichen Interesses müsste diese Veranstaltung frei zugänglich sein. Es wäre so, als müsste die Presse für eine Veranstaltung des Deutschen Gehörlosenbundes Geld bezahlen. Somit hat Sehen statt Hören die Reise nach Istanbul abgesagt.

Helmut Vogel im Gespräch mit Moderator Thomas Zander

Thomas Zander konnte aber mit jemandem sprechen, der vor Ort war und uns so seine Eindrücke vom Kongress mitteilen konnte: Helmut Vogel, DGB-Präsident.

Hilfsfond gegründet

Helmut Vogel berichtet, dass der WFD den Wunsch hat, die Entwicklungsländer stärker zu unterstützen – doch um diverse Projekte umzusetzen, wird Geld .benötigt Dafür wurden die Mitgliedsländer um Hilfe gebeten: Sie sollen in den „Liisa Kauppinen Fond“ einzahlen, der feierlich auf dem diesjährigen WFD-Kongress gegründet wurde.

Lisa Kauppinen bei der Preisverleihung

Liisa Kauppinen ist eine weltweit bekannte Persönlichkeit – nicht zuletzt, weil sie 2013 den UN-Menschenrechtspreis bekommen hat.

Helmut Vogel

"Der WFD ist international auf starke Verbände angewiesen. Auf der südlichen Halbkugel sind die Länder sehr unterschiedlich aufgestellt. Andererseits gibt es das Nordic Council, also die skandinavischen Länder, die sehr stark sind und eine gute Vertretung haben und andere Länder wie Uganda oder Kenia unterstützen."

Helmut Vogel, DGB-Präsident

Ehrenpreis verliehen

Aus deutscher Sicht war die Verleihung des WFD-Ehrenpreises an Robert Grund ein besonderer Moment. Er engagiert sich seit vielen Jahren für die Gehörlosen in Nordkorea – und hat es sogar geschafft, dort eine Begegnungsstätte für Gehörlose zu gründen. Außerdem hat Robert Grund die Herausgabe von Gebärdensprachbüchern in Nordkorea initiiert. Ein weiterer, riesiger Erfolg war direkt am Kongress spürbar: Nordkorea war zum allerersten Mal mit einer Delegation in Istanbul vertreten.


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