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Ermordeter Einsiedler Das Englmari-Suchen in Sankt Englmar

Im höchstgelegenen Kirchdorf des Bayerischen Waldes kann man alljährlich am Pfingstmontag ein besonderes religiös-historisches Schauspiel erleben: Die Menschen ziehen in den Wald, um den toten Englmar in einer feierlichen Prozession heimzuholen. Jedes Jahr ehren die St. Englmarer so ihren Dorfheiligen.

Stand: 23.05.2015

Das Englmari-Suchen ist ein farbenfrohes Mittelalter-Fest mit Böllerkrachen, Glockenläuten, Bergmesse und Reiterzug. Mit einem farbenprächtigen Umzug ziehen historisch gekleidete Reiter und Fußvolk am Pfingstmontag vom Dorf St. Englmar hinauf zum Kapellenberg. Dort findet das eigentliche Schauspiel des Englmari-Suchens statt – ein Jäger sucht im Wald unter Reisig nach der überlebensgroßen Holzfigur, die den Leichnam des seligen Engelmar symbolisiert, dem Namenspatron der Gemeinde. Danach wird die Engelmarfigur auf einen Ochsenwagen gebettet und in einer Bittprozession in die Pfarrkirche gebracht. Jedes Jahr verfolgen Tausende Zuschauer das Ereignis.

Das Englmari-Suchen hat eine mehr als 150-jährige Tradition. Sie geht zurück auf den seligen Engelmar, der einst als Einsiedler in einer Klause hoch über dem Dorf lebte und im Januar um das Jahr 1100 von seinem Gefährten erschlagen wurde. An Pfingsten fand ein vorbeikommender Priester den Leichnam und ließ ihn bestatten. Jahrzehnte später wurde über der Grabstelle eine steinerne Kirche errichtet.

Tipp für Zuschauer

Englmari-Suche | Bild: Tourist-Information Sankt Englmar

Mit dabei: der Tannenmann "Pfingstl"

Den schönsten Blick auf den Umzug hat man im Bereich des Ortskerns, vor allem entlang des Bayerwegs zwischen Rathausstraße und Brauhausstraße. Der freieste Blick ergibt sich entlang der Bogener Straße.
Die Wege sind relativ kurz, so dass Zuschauer auch schnell zur Bergmesse gelangen können.

Gesehen haben sollte man außerdem das Pfingstltuschen am Kirchplatz vor Beginn der Reiterprozession oder nach dem Te Deum. Dabei handelt es sich um Peitschenknallen beziehungsweise Goaßlschnalzen mit sehr großen Peitschen. Dabei ist kurioserweise der Tannenmann "Pfingstl" - eine Person, die vollkommen mit Tannenzweigen behängt ist.


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