BR Fernsehen - Querbeet

Buchweizen, Lein und Krapp Nutzpflanzen des Mittelalters

Nutzpflanzen des Mittelalters sind 2015 ein Schwerpunkt im Ökologisch-Botanischen Garten in Bayreuth. Und zwar nicht nur solche, die man essen kann. Einige kann man auch anziehen…

Stand: 02.10.2015

Nutzpflanzen im Mittelalter | Bild: BR

Insgesamt gedeihen 114 verschiedene Gewächse in den nach Themen geordneten Beeten. Dr. Elisabeth Obermaier hat das Konzept mitentwickelt.

"An dem Thema Nutzpflanzen im Mittelalter hat uns besonders fasziniert, die Nutzpflanzen im Wandel der Zeit zu betrachten. In den Nutzpflanzengärten des Mittelalters gab es Pflanzen, die wir heute kaum noch kennen. In unseren heutigen Bauerngärten hingegen stehen Pflanzen, die es damals noch nicht gab, wie die Zuwanderer nach der Entdeckung Amerikas. Dazu gehören Tomate, Bohne und Paprika. Heute können wir uns einen Nutzpflanzengarten ohne diese Gewächse gar nicht mehr vorstellen."

Dr. Elisabeth Obermaier

Und nach welchen Kriterien hat man letztendlich die Pflanzen für diesen Schaugarten ausgewählt?

"Wir haben uns an der Landgüterverordnung Karl des Großen orientiert. Er hatte das erste Dokument der Gartenkultur des frühen Mittelalters niederschreiben lassen und diese Gewächse auf seinen Krongütern anbauen lassen. Diese 73 Nutzpflanzen haben wir dann durch weitere Pflanzen ergänzt, etwa kohlenhydrathaltige Pflanzen, Färbepflanzen und Faserpflanzen."

Dr. Elisabeth Obermaier

Das tägliche Brot

Im Bereich der kohlenhydrathaltigen Pflanzen gedeiht, was den Menschen des Mittelalters als tägliches Brot diente. Besonders wichtig war der Roggen, der auch als Wintergetreide angebaut werden konnte. Allerdings war der Roggen zur damaligen Zeit nicht ansatzweise so ertragreich wie heute. Man erntete das 2- bis 3-fache der Aussaatmenge, heute das 40- bis 50-fache. Doch bisweilen war der Verzehr von Roggen lebensgefährlich:

"Der Roggen wird vom Mutterkornpilz befallen. Das ist ein Pilz, der sich in feuchten, nasskalten Jahren im Mai und Juni auf die Ähre setzt. Die schwarzen Körner geraten dann in das Saatgut und in die Ernte. Sie verursachen in geringen Konzentrationen Wehen, daher der Name Mutterkorn, in hohen Konzentrationen verursachen sie den Ergotismus, an dem auch viele Leute starben."

Dr. Elisabeth Obermaier

Im 12. Jahrhundert kam eine Alternative zum Roggen nach Europa: der Buchweizen, eine Knöterich-Art. Er stammt ursprünglich aus Zentralasien. Bei ihm verzehrt man die Körner, die Bucheckern ähneln, daher sein deutscher Name. Der Buchweizen enthält jedoch kein Gluten, also keinen „Kleber“, so dass er allein verwendet zum Brotbacken ungeeignet ist. Aus ihm stellte man etwa Fladen oder Pfannkuchen her. Buchweizen ist recht anspruchslos und wächst auch auf mageren, nährstoffarmen Böden. So konnten ihn auch die Bauern kultivieren, die eher schlechtere Böden zur Verfügung hatten.

Kleidung aus Pflanzen

Lein und Hanf sind die klassischen Faserpflanzen des Mittelalters. Um an die langen Fasern des Leins zu gelangen, waren jedoch viele Arbeitsschritte notwendig und mit dem Aufkommen der Baumwolle verschwand der Lein fast vollständig von der Bildfläche. Aus Hanf stellte man im Mittelalter Seile und Schnüre her, später auch Kleidung. Diese wurde hauptsächlich von der ärmeren Bevölkerung getragen.

Deren Kleidungsstücke waren in der Regel naturfarben. Ganz im Gegensatz zu denen der herrschenden Klasse, die sich in kräftige Farben hüllte. Auch dabei kamen Pflanzen zum Einsatz. Mit dem Färberkrapp hat man beispielsweise rote Farbstoffe hergestellt. Dafür wurde die Wurzel von dreijährigen Pflanzen getrocknet und gemahlen. Dieses Pulver war safrangelb, mit Hilfe von bestimmten Beizen konnten Stoffe dann rot gefärbt werden.

Heilpflanzen

Eine Gruppe darf in keinem mittelalterlichen Garten fehlen: die Heilpflanzen. Neben bekannten Medizinalpflanzen wie Eibisch oder Fenchel wachsen im Bayreuther Schaugarten auch solche Pflanzen, die nach der Signaturen-Lehre als heilendes Gewächs genutzt wurden. Wie die Sonnenwende, botanisch Heliotropium europaeum. Ihre Blüten erinnern an Skorpione, daher sollte sie Skorpionstiche oder Schlangenbisse heilen. Ein tödlicher Irrtum. Heute weiß man: die Pflanze ist stark giftig.

Kontakt und Öffnungszeiten:

Ökologisch-Botanischer Garten, Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30, 95447 Bayreuth
Tel. 0921 552961
Fax. 0921 55 2976
Mail: obg@uni-bayreuth.de

Allgemeine Öffnungszeiten des Botanischen Gartens:

Außenanlagen:

November-Februar:
Montag – Freitag 08-16 Uhr
Sonn- u. Feiertage 10-16 Uhr
März-Oktober:
Montag – Freitag 08-18 Uhr
Sonn- u. Feiertage 10-18 Uhr

Gewächshäuser & Ausstellung:
ganzjährig
Sonn- und Feiertage 10-16 Uhr
Dienstag-Donnerstag 10-15 Uhr
Samstag geschlossen