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Speierling Edles Obst für Kenner

Winterzeit ist Veredlungszeit. Auch für seltene Obstgehölze wie den Speierling. An der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau veredelt man die Sorte ‚Sossenheimer Riese‘, seine Früchte sind besonders groß und aromatisch.

Stand: 26.02.2016

Speierling | Bild: BR

1993 war er „Baum des Jahres“, dieser Baum mit den schmackhaften Früchten, der im Mittelalter in vielen Klostergärten zu finden war - aber auch im Garten neben dem Haus. Darauf bezieht sich auch sein Artname: domestica, „zum Haus gehörig“.

Seltener Speierling

In der freien Landschaft hat es der Speierling nicht einfach. Er wächst recht langsam, wird häufig vom Wild verbissen, ist konkurrenzschwach und lichtbedürftig. Da kann es schon mal schwierig werden, wenn einen die schnell wachsende Buche überholt und mit ihrem Blätterdach Schatten wirft. Darf er frei stehen, kann Sorbus domestica eine weit ausladende Krone bilden, bis zu 200 Jahre alt und um die 20 Meter hoch werden. Unter Druck von benachbarten Bäumen wächst er eher schmal, wird dafür aber meist höher. Der Speierling liebt warme Lagen und trockene, kalkreiche Böden. Da der Baum in der Landschaft immer seltener geworden ist, gibt es seit über 20 Jahren einen länderübergreifenden Förderkreis, der sich unter anderem mit Kartierungen, Neupflanzungen aber auch mit Öffentlichkeitsarbeit für den Speierling und andere Sorbus-Arten einsetzt.

Baum mit vielen Vorteilen

Der Speierling gehört zur Gattung Sorbus, wie auch die verwandte Eberesche (Sorbus aucuparia) oder die Elsbeere (Sorbus torminalis). Ab Mai zeigt der Speierling seine weißen Blüten, die von zahlreichen Insekten geschätzt werden. Aus den Blüten entwickeln sich bis September/Oktober seine charakteristischen 2 bis 3 cm großen apfel- bis birnenförmigen Früchte. Sie werden als Zusatz bei Apfelweinen verwendet, man stellt Obstler aus ihnen her oder verarbeitet sie zu Marmelade oder Gelee. Sie sind auch roh genießbar, allerdings erst im voll- bis überreifen Zustand. Seine Blätter werfen sich im Herbst ebenfalls in Schale und schimmern in Gelb- und Orangetönen. Das Holz des Speierlings ist schwer, begehrt und teuer; es kommt im Möbel- und Instrumentenbau oder als Furnier zum Einsatz.

Herbe Früchte

Speierlinge tragen jedes Jahr. Form und Farbe der Früchte sind Sortenabhängig, der ‚Sossenheimer Riese‘ hat kleine birnenförmige Früchte. Die Ernte beginnt, sobald sich die Früchte vom Baum lösen. Meist sind mehrere Durchgänge nötig, um alle Früchte zu erwischen. Der Name Speierling kommt nicht von ungefähr, beißt man in eine noch nicht ganz reife Frucht, ist der Geschmack tatsächlich zum Speien. Verantwortlich dafür sind Gerbsäuren.

Bei der traditionellen ‚Apfelwein‘-Herstellung im hessischen Raum kommt immer Speierlingsmost zum Einsatz. Dadurch wird der Apfelwein klarer und haltbarer. Auch Gelee, Kompott oder Likör lassen sich aus Speierlingen herstellen. Die Früchte, die in diesem Jahr in Veitshöchheim gereift sind, sind allerdings für Edleres bestimmt. Sie werden in der Brennerei der Bayerischen Landesanstalt zu Schnaps gebrannt.

Hier testet man Verfahren zum Verarbeiten und Vermarkten verschiedener Obstsorten. Das Ziel: Den Anbau auch seltener Arten und Sorten zu fördern und damit die fränkische Kulturlandschaft zu erhalten.

Kontakt:

Roman Döppler
Mail: Roman.Doeppler@lwg.bayern.de

Internet-Tipp
Mehr Informationen zum Speierling gibt es unter folgenden Links: