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Netzwerk Pflanzensammlungen Die Lilien-Arche in Erlangen

Kaum ist die Sonne aufgegangen, öffnet ‘Talisman‘, eine Lilien-Hybride, ihre Blüten. Sobald die Staubblätter Lichtkontakt haben, beginnen sie mit dem Ausbilden des für ihre Fortpflanzung so wichtigen Pollens.

Stand: 02.06.2014

Lilien-Arche Erlangen | Bild: BR

Mit dem Reifen des klebrigen Nektars, also der Belohnung für die Bestäuber, ist der Kampf eröffnet! Unbemerkt von flüchtigen Beobachtern möchte jedes Insekt das erste sein, den klebrigen Tropfen sein Eigen nennen und dabei – ganz nebenbei – für den Erhalt der besuchten Lilienart sorgen. Eigentlich keine schlechte Sache. Für Lilienzüchter birgt die Nektargier der Insekten eine große Gefahr. Doch mithilfe einer speziellen "Verhütungsmethode" verhindern sie die Bestäubung.

Mutter 1 mit Vater 2; Mutter 2 mit Vater 1

Als erstes die Narbe der Mutterpflanze mit Alufolie umwickeln. Um dabei die Pflanze nicht zu verletzen, rollt man zuvor ein Stück Stanniolpapier um einen Bleistift und zieht es wieder ab. So entsteht ein kleiner Trichter, den man vorsichtig auf die Narbe stecken und zusammendrücken kann. Einmal abgedunkelt, kann man der Narbe durch die Dunkelheit das Andauern der Nacht vorgaukeln, sie bleibt also trocken und es kann kein Pollen an ihr haften bleiben. Das ist enorm wichtig, um einer Bestäubung mit dem von Insekten herangetragenen fremden Pollen anderer Pflanzen vorzubeugen. Als nächstes werden die Blüten von ihren Staubgefäßen befreit – und das am besten, bevor der auf ihnen sitzende Pollen gebildet wird. Zwar sind Lilien in der Regel selbstunfruchtbar, das Entfernen der Staubblätter verhindert allerdings eventuell auftretende Abstoßungsreaktionen. Lediglich einige Wildlilien lassen sich nur mit Pollen der eigenen Art bestäuben. Die Blüte der Pflanze, mit der gekreuzt werden soll, wird ebenso behandelt.

Das Zusammenführen beider Partner

Die Blüten ohne Staubgefäße und Kronblätter entsprechen Mutter 1 bzw. Mutter 2. Die abgebrochenen Staubgefäße sind Vater 1 und Vater 2. Nun müssen nur noch jeweils zwei davon zueinander finden. Dazu ein mit Pollen besetztes Staubgefäß, also Vater 2, über die mit Nektar überzogene Narbe (= Mutter 1) streichen. Zuvor natürlich das Stanniolpapier entfernen und es im Anschluss sofort wieder anbringen. Denn die Gefahr der Fremdbestäubung besteht selbst noch nach diesem Schritt! Ebenso verfährt man mit Mutter 2 und Vater 1. Fertig ist die Kreuzung. Fehlt nur noch das Etikett. Auf ihm werden das Datum der Kreuzung und die Namen von Mutter und Vater (in dieser Reihenfolge) vermerkt.

Ob die Kreuzung erfolgreich war, sieht man bei Lilien relativ schnell, vor allem bei den nach unten hängenden Typen. Denn einmal bestäubt und erfolgreich befruchtet, wächst ihr Fruchtknoten nach oben. Bleibt er nach unten hängend, ist was schief gelaufen. Bei anderen Arten deutet ein deutlich sichtbar geschwollener Fruchtknoten ebenfalls auf eine erfolgreiche Bestäubung hin.

Weiter geht es mit der Aussaat

Dazu die reifen Samen ausklopfen und zu einem Haufen ziehen. Die unfruchtbaren, leichteren Samen werden dabei verweht. Und schon kann gesät werden. Und zwar in nährstoffarmes Vermehrungssubstrat. Dazu mit dem Finger Rillen ziehen, die nicht tiefer als ein Zentimeter sein sollten, und in diese das Saatgut ablegen. Dieses im Anschluss mit etwas Erde abdecken und angießen.

Das Netzwerk Pflanzensammlung

In seiner Gärtnerei mit dem Namen Lilien-Arche legt Stefan Strasser den Grundstein für die Rückkehr von Madonnenlilie oder Türkenbund in bayerische Haus- und Bauerngärten. Und bahnt den Weg für neu entstandene Garten-Hybriden. Wer Stefan Strasser einmal von seinen Schützlingen hat schwärmen hören, kann kaum widerstehen, legt sich rasch die ein oder andere eigene Lilie zu. Die Lilien-Arche in Erlangen ist beispielhaft für die Arbeit des Netzwerks Pflanzensammlungen. Ein Zusammenschluss von Privatpersonen und Erwerbsgärtnern, die sich dem Erhalt der Pflanzenvielfalt in den Gärten verschrieben haben.

Gegründet wurde das Netzwerk 2010 von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG), gefördert wird es vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BMELV). Zu den wichtigsten Aufgaben der Mitglieder zählt die Dokumentation der genetischen Ressourcen Deutschlands, der Einsatz für den Erhalt unserer Zierpflanzenvielfalt und deren Sicherung für künftige Generationen. So mag das eine Mitglied unter Umständen zwar wenig Gefallen an der Lieblingspflanze des anderen finden, doch darum geht es auch nicht. Vielmehr geht es darum, gemeinsam stark zu sein! Recherchiert man im Internet zu diesem Thema und landet auf der Homepage des Netzwerks, stellt man rasch fest, dass die Mitgliederauflistung sich über drei komplette Bildschirmseiten erstreckt. Und es werden immer mehr, denn jeder darf Mitglied werden und der Sammelleidenschaft verfallen.

Internet-Tipp:

Informationen zum Netzwerk Pflanzensammlungen:


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