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Vegane Dünger Sinnvoll oder teurer Trend?

Der Vegan-Trend ist seit einigen Jahren auch im Garten angekommen. Immer mehr Firmen verkaufen vegane Dünger. Doch sind solche Dünger wirklich neu? Und: Muss ich vegane Dünger wirklich für teures Geld kaufen?

Stand: 07.10.2016

Neu ist anders!

Sie heißen BioBloom, Veggie-Dünger, Veganer Dünger oder auch Blümchenfutter. Sie alle sind vegane Dünger, immer mehr davon gibt es in den Verkaufsregalen, teils in trendigen Verpackungen. Doch sind vegane Dünger wirklich neu? Birgit Rascher, Versuchsingenieurin des Ökologischen Gemüsebauversuchsbetriebs der LWG in Bamberg, antwortet auf diese Frage so:

"Also neu ist das Vegane Düngen nicht. Veganer Dünger heißt ja nur, dass der Dünger aus pflanzlichen Stoffen gewonnen ist und das machen wir im Betrieb schon seit vielen Jahren."

Birgit Rascher, LWG in Bamberg

Nicht neu, aber teuer?

Rein pflanzliche Dünger sind in Bio-Betrieben also schon lange im Einsatz. Jetzt gibt es sie vermehrt in Kleinpackungen für Freizeitgärtner.

Viele der fertig abgepackten Dünger kosten um die zehn Euro pro Liter oder Kilo, nur ein fertiger Dünger aus unserem Probeeinkauf liegt bei gut drei Euro. Verwendet man Ackerbohnen aus dem Lebensmittelgeschäft als Dünger, zahlt man etwa zwei Euro. Der Preis allein ist allerdings kein Qualitätskriterium, so der Hinweis der Expertin.

Es kommt auf die Nährstoffmengen an, die in einem Kilo bzw. Liter Dünger enthalten sind. Diese Mengenangaben findet man auf der Verpackung in Form eines Zahlen-Schüssels. So steht dort beispielsweise N-P-K Dünger 5-3-4. Das bedeutet in diesem Dünger sind 5% Stickstoff (N) enthalten, 3% Phosphat (P) und 4% Kali (K). Möchte man jetzt Dünger vergleichen, empfiehlt Birgit Rascher auszurechnen, wie viel ein Kilo Reinnährstoff kostet.

Beispielrechnung

Wieviel kostet das Kilo Stickstoff?

Da Stickstoff für das Wachstum der Pflanzen wichtig ist, verwendet Birgit Rascher diesen Nährstoff für ihren Vergleich.

Fiktiver Dünger:
Kosten für 1 Kilo: 10,00 Euro
Nährstoffzusammensetzung N-P-K: 5-3-4 in %

10,00 Euro : 5 x 100 = 200 Euro für 1 Kilo Reinnährstoff (N)

Ackerbohnen
Kosten für 1 Kilo: ca. 1,50 Euro
Nährstoffzusammensetzung N-P-K ca.: 4,7- 0,7-1,5 in %

1,50 Euro : 4,7 x 100 = 31,91 Euro für 1 Kilo Reinnährstoff (N)

Veganer Dünger der Marke Eigenbau?

Auf dem Gelände des Ökologischen Gemüsebauversuchsbetriebs der LWG wächst auf einigen Flächen eine Klee-Gras-Mischung. Die dient als Zwischenfrucht und liefert zugleich das Ausgangsmaterial für einen eigenen Dünger. Um Kleegras als Dünger haltbar zu machen, wird es siliert. Dafür wird das Kleegras geschnitten, darf dann einige Tage antrocknen und wird anschließend gehäckselt, in Ballen gepresst und in Folie eingewickelt. Unter Luftabschluss findet eine Milchsäurevergärung statt, ähnlich wie bei Sauerkraut. Dabei werden Unkrautsamen abgetötet und das Material wird weicher, lässt sich dadurch später gut ausbringen. Nach sechs Wochen ist die Klee-Gras-Silage fertig. Etwa 1,5 Prozent Stickstoff enthält die Silage. Als Startdüngung verwendet Birgit Rascher etwa 400 Gramm pro Quadratmeter. Damit die Silage sich gut umsetzt, muss das Material gut in den Boden eingearbeitet werden. Ist die Silage richtig eingearbeitet, versorgt der vegane Dünger die Pflanzen über mehrere Wochen mit Nährstoffen.

Die Hausgarten-Variante:

Eine solche Silage lässt sich übrigens auch selbst herstellen. Dazu eine Mörtelwanne mit angetrocknetem Rasenschnitt füllen, das Grüngut kräftig verdichten, anschließend eine Folie drüber legen, eine zweite Mörtelwanne draufstellen und diese mit Wasser füllen. So entsteht ein konstanter Druck, zudem dehnt sich die mit Wasser gefüllte Wanne aus und es gelangt kaum Luft in die untere Etage. Damit auch sicher keine Luft an den Rasenschnitt gelangt, die Folie zubinden oder festkleben. Nach vier bis sechs Wochen kann man den Rasenschnitt als Dünger einsetzen, ohne Angst vor lästigen Beikräutern.

Weitere Variante

Eine weitere Variante ist die Düngung mit Ackerbohnen. Damit aus diesen ein veganer Dünger wird, braucht es nur ein altes Tuch und einen Stein. Beim Zerkleinern aufpassen, dass man alle Bohnen zerschlägt, sonst keimen die Bohnen im Beet anstatt Nährstoffe zu liefern. Im Beet werden die jetzt einfach eingearbeitet, so kommen auch Vögel nicht an die Samen. Guter Bodenkontakt und ausreichend Feuchtigkeit sind zudem wichtig, damit die Nährstoffe frei werden.