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Der Querbeet-Garten Pilzanbau im eigenen Garten

Sie können sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich vermehren. Sie lassen sich in unzählige unterschiedliche Klassen einteilen. Auch sind sie weder Tier noch Pflanze. Und doch haben Pilze Eigenschaften von beiden.

Stand: 29.09.2014

Pilze | Bild: BR

Ihre Zellen ähneln denen der Pflanzen, ihr Stoffwechsel dem der Tiere. Hätten sie Beine, würde man Pilze aber wohl eher ins Reich der Tiere als in das der Pflanzen stecken. Der Lebenszyklus von Pilzen ist kompliziert, ihre Verbreitungsstrategie ebenso bizarr wie faszinierend. Vereinfacht dargestellt, könnte man schreiben: Tiere haben Sex. Pflanzen holen sich zur Fortpflanzung Hilfe von Insekten. Völlig anders ist das bei Pilzen. Sie verbreiten sich nebelartig über Sporen.

Von den Sporen zum Myzel in den Garten

Aus den Sporen wächst dann das Myzel, der vegetative Hauptteil der Pilze. Das Myzel wiederum besteht aus einer Vielzahl an Hyphen. Hyphen sind fadenartige Zellgeflechte. Sie dienen dem Pilz zur Nahrungsaufnahme. Denn anders als Pflanzen betreiben Pilze keine Photosynthese. Sie benötigen kein Licht zum Überleben, sondern die von anderen Lebewesen gebildeten organischen Nährstoffe. In der Biologie bezeichnet man das als heterotroph.

Aus dem Pilzmyzel bilden sich später die Fruchtkörper, also das, was man gemeinhin als Pilze bezeichnet. Auch bei Speisepilzen funktioniert das nur, wenn das Myzel passende Bedingungen zum Wachsen findet. Und die kann man sogar im Hausgarten schaffen. Dazu gibt es mehrere Varianten. Die erste: Das Beimpfen eines geeigneten Mediums mit Pilzbrutsubstrat.

Pilzbrutsubstrat

Pilzbrutsubstrat bezeichnet mit Myzel durchwachsene Holzfasern. Wer mit solch einem Substrat Baumstämme beimpft, sollte dazu oben und unten auf die Schnittstelle Pilzbrutsubstrat verteilen, das Ganze im Anschluss mit einer dünnen Holzscheibe, also einem etwa 1 cm dicken Stück des Stammes, abdecken, alles mit einem Nagel fixieren und die offene Stelle mit Klebeband abdichten. Zum Beimpfen kann man Hölzer von verschiedenen Baumarten verwenden. Zum Beispiel von Eiche, Buche oder Pappel. Je härter das verwendete Holz ist, desto länger braucht das Pilzmyzel, um einzudringen. Andererseits kann man später härteres Holz länger beernten als weiches, da mit der Härte die Lebensdauer steigt. Ansonsten gilt: nur gesundes Holz verwenden, das noch nicht abgelagert ist, drei bis fünf Monate, älter sollte es nicht sein. Das Pilzmyzel von den Austernpilzen schafft es ungefähr 20 cm weit in den Stamm hinein zu wachsen. Im Querbeet-Garten verwendeten wir einen Stamm mit einer Länge von 40 cm. Durch ein Beimpfen von beiden Seiten wächst das Myzel durch die gesamte Länge. Und zwar in die senkrecht verlaufenden Leitungsbahnen des ehemaligen Baums.

Und noch ein Hinweis: Damit Hölzer nicht von anderen Pilzen besiedelt werden, unbedingt vor dem Impfen die Hände waschen und sauberes Werkzeug verwenden! Und: je größer die Angriffsfläche für den Pilz, desto besser kann sein Myzel in den Stamm wachsen.

Der richtige Platz

Sind beide Seiten beimpft, den Stamm an der gewünschten Stelle im Garten platzieren. Diese sollte für die meisten Speisepilze kühl, schattig und feucht sein. Bedingungen, wie man sie an der Ostflanke des Querbeet-Gartens in München-Freimann vorfindet. Gräbt man die Stämme dann noch 10-15 cm tief ein, können sie von unten Feuchtigkeit nachziehen und trocknen nicht aus. Bei Temperaturen von 10-15 Grad dauert es etwa 8-10 Wochen bis das Myzel seinen Weg in den Stamm gefunden hat. Die ersten Pilze lassen aber noch länger auf sich warten.

Ganz allgemein bleibt noch zu sagen: Pilze, die auf das Zusammenleben mit einem anderen Organismus angewiesen sind, wie es beispielsweise bei den Steinpilzen der Fall ist, kann man im Hausgarten nicht anbauen. Solche hingegen, die selbstständig wachsen, liefern regelmäßig Erträge. Wie etwa die im Querbeet-Garten angebauten Shiitake-, Austern- und Limonenpilze.

Pilze für Ungeduldigere

Wer nicht ganz so viel Geduld hat, kann auch fertig beimpfte Stämme verwenden. Bei Ihnen ist das Myzel bereits vollständig durchs Holz gewachsen. Die ausgepackten Stämme etwa 10 cm tief im Boden eingraben. Nach dem Aufstellen muss man sie dann nur noch gleichmäßig feucht halten und kann bereits 6-8 Wochen später mit der ersten Ernte rechnen. Und das teilweise über 4-5 Jahre – allerdings nur in Frühjahr und Herbst. Im Sommer ist es dem Pilz zu heiß, im Winter zu kalt, er bildet keine Fruchtkörper.

Pilze für noch Ungeduldigere

Die einfachste und allerschnellste Variante, Pilze aus dem eigenen Garten zu ernten, ist das Verwenden von Fertigsubstratballen. Die bekommt man in einer Plastikfolie geliefert. Wenn man sie im Garten aufstellen möchte, entfernt man die Plastikfolie und gräbt auch diese Fertigkultur etwa 5-10 cm ein. Würde man den Ballen im Keller aufstellen, könnte man das Plastik auch dran lassen, damit die Feuchtigkeit auch ja in der Kultur bleibt, und würde das Plastik nur kreuzweise anritzen. Durch diese Ritzen würden dann die Pilze rauskommen. Also auch für Pilzfreunde ohne Garten geeignet. Im Garten aufgestellt, hält im Anschluss durchdringendes Gießen die Pilzkulturen auch von oben feucht. Damit das Wasser nicht sofort wieder verdunstet, wird abgemulcht. Womit ist relativ egal, nur nährstoffarm und keimfrei sollte das Mulchmaterial sein. Und die Schicht darf nicht dicker als 5 cm sein, sonst können die Fruchtkörper nicht hindurchwachsen. Fertigsubstratkulturen lassen sich gute 14 Wochen beernten. Insgesamt kann man in diesem Zeitraum mit 3-4 Erntewellen rechnen. Danach kommen die Ballen auf den Kompost.

Ernte

Im Querbeet-Garten vergingen gute 10 Tage, bis sich an den Fertigsubstratballen die ersten Fruchtkörper bildeten. Es waren die der Austernpilze. Reif zur Ernte sind sie, wenn ihr Hut sich aus der Trichterform in die Waagrechte begibt. Und auch Shiitake- und Limonenpilze nutzten die herbstliche Witterung zum Bilden ihrer Fruchtkörper. Die Shiitake-Pilze werden einzeln geerntet, Austern- und Limonenpilze hingegen traubenweise. Ein Messer benötigt man zur Ernte nicht, die Trauben lassen sich mit sanfter Gewalt nach unten weghebeln. Würde man nur einzelne Pilze anstatt der Trauben ernten, würde die restlichen Fruchtkörper wahrscheinlich zu faulen beginnen.

Nach der Ernte

Damit das verbleibende Myzel nach der Ernte nicht austrocknet, die freien Stellen wieder mit dem Mulch bedecken! Während der Wachstumsphase der Fruchtköper hatten Limone- und Austernpilze mit dem Mulchmaterial keine Probleme. Lediglich die Fruchtkörper der Shiitake-Pilze sind „hindurch“ gewachsen und ließen sich schwer reinigen. Nach der ersten Ernte überprüfte das Querbeet-Team daher einfach regelmäßig, wann wieder Fruchtkörper angesetzt wurden und entfernte rechtzeitig den Mulch. Der Vorteil ist: die Pilze waren absolut sauber, man konnte sie schön ernten und beim Putzen wurde die Arbeit deutlich weniger. Ernten sollte man bei allen Kulturen immer nur soviel, wie man am besten noch am selben Tag verarbeiten kann – spätestens aber am nächsten! – weil sonst zu viel vom Aroma verloren geht, wenn man die Pilze zu lange im Kühlschrank lagert.


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