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Griechische Musik Rembetiko - Der Blues der Griechen

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in anrüchigen Hafenspelunken der Blues der Griechen: der Rembetiko. Die Songs erzählen von Heimatverlust und Schmerz, aber auch von Hoffnung und Mut. Heute ist die einstige Musik griechischer Underdogs wieder hochaktuell.

Stand: 18.09.2017

"Ta Mourmourakia", "die Murmler", so nennen sich Nikos Pavlidis, Nikos Palangas, Nikos Papadopoulos und Giannis Chatzis. Seit 2006 spielen die vier Musiker, die alle griechische Wurzeln haben, in Münchner Clubs und Bars Griechenlands traditionelle Musik: Rembetiko.    

Mehr als 200 Lieder hat die Band im Repertoire, ein festes Programm gibt es aber nicht. Bei ihren Auftritten lassen sich die Musiker lieber treiben und spielen auf Gitarre, Geige, Akkordeon, Baglamas und Bouzouki, den Hauptinstrumenten des Rembetiko, die Lieder, nach denen das Publikum verlangt.

"Man verpasst etwas, wenn man die Texte nicht versteht, aber ich glaube nicht, dass das das Entscheidende ist, um die Musik zu fühlen oder zu verstehen."

Nikos Papadopoulos

Der Blues der Griechen

Zwar reichen die Anfänge des Rembetiko bis ins 19. Jahrhundert zurück, ihre Blütezeit erlebte die Musik aber Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1922, nach dem Ende des türkisch-griechischen Krieges, werden rund 1,5 Millionen osmanischer Griechen aus der Türkei vertrieben.
Die Flüchtlinge stranden in den griechischen Hafenstädten Athen, Piräus und Thessaloniki, wo sie versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch für die Neuankömmlinge gibt es kaum Arbeit, viele rutschen in ein Milieu von Drogen, Kriminalität und Prostitution ab.
Rembetiko wird zum Soundtrack des Untergrunds, der Heimatlosen und der Außenseiter der Gesellschaft. In der Musik ihrer Heimat finden die Entwurzelten Trost.
Liebe und Leid, Drogen und Gefängnis, Widerstand gegen staatliche Unterdrückung - genau wie im Blues sind es die großen Themen des Lebens, besonders aber die Themen der einfachen und armen Leute, die im Rembetiko besungen werden. Gefühlvoll, intensiv und oft melancholisch, aber nie traurig.

"Rembetiko hat eine Ausdruckskraft, das hat nichts mit Nostalgie zu tun, weil Nostalgie, das ist ein bisschen Jammern. Natürlich ist Wehmut da, aber Wehmut und Jammern sind zwei verschiedene Dinge und Rembetiko hat die Eigenschaft, gerade wenn man traurig ist, dass es einem auch Kraft gibt."

Nikos Papadopoulos

Leidenschaftlich, lebensklug und noch immer hochaktuell

Zu den Konzerten von "Ta Mourmourakia" kommen alte, aber auch viele junge Griechen, Deutsche und Türken. Rembetiko, die einstige Musik griechischer Underdogs, scheint in Zeiten von Flucht und wirtschaftlicher Krisen noch immer die richtigen Töne zu treffen - poetisch wie politisch. Rembetiko sei von Beginn an gesellschaftskritisch gewesen, so die Musiker. Der "griechische Blues", wie Rembetiko auch oft bezeichnet wird, bringe zum Ausdruck und auf den Punkt, was im Leben wichtig sei. Unabhängig davon, was eine Regierung oder die Medien den Menschen vermitteln wollten. Zwar sei Rembetiko schon mehr als 100 Jahre alt, veraltet seien die Themen aber noch keineswegs. Im Gegenteil: für jede Generation bekomme der Rembetiko aufs Neue eine Bedeutung.

Höchste Zeit also, diese leidenschaftliche, lebenskluge und unbedingt hörenswerte Musik der Griechen selbst zu erleben: den Rembetiko.

Weiterführende Informationen

Infos zu Auftritten von Ta Mourmourakia unter:
Facebook: Ta Mourmourakia

Blog: Ta Mourmourakia

Autorin des Filmbeitrags: Michaela Paul


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