BR Fernsehen - puzzle


4

Mikrokosmos Flohmarkt München

Simsen, tweeten, mailen. Heute sind wir meist immer irgendwo digital am Schnattern, aber in der analogen, wirklichen Welt wird es manchmal einsam. Wo finden in Zeiten von SMS und Mails heute eigentlich noch kurze, intensive Begegnungen zwischen Menschen statt?

Stand: 05.05.2017

Im Sportverein vielleicht, beim Hundegassiführen oder in einer religiösen Gemeinde. Aber dort trifft man vor allem auf Gleichgesinnte. An einem Ort wird die Kunst der kurzen Kommunikation zwischen Menschen, die sich noch dazu völlig fremd sind, noch gelebt: auf dem Flohmarkt.

Özlem Sarikaya hat auf Schlaf und Frühstück verzichtet und ist an einem Samstag mal ganz früh raus. Zum Flohmarkt in der Parkharfe im Münchner Olympiapark. Nichts, was es dort nicht geben würde. Edle Spiegel, Peter-Alexander-Platten, Bügeleisen, Fahrräder, Antiquitäten, Franz-Josef-Strauß-Gedächtnis-Maßkrüge. Und man trifft die skurrilsten Persönlichkeiten. Den Flohmarkt-Fan aus China, der kein passendes Geld dabei hat - nur 500 Euro als Schein. Den jungen Ehemann aus Afghanistan, der seiner Frau, die zu Hause in der Öffentlichkeit nie Fahrrad fahren durfte, als erstes ein Fahrrad kauft.

"Ich finde es schön, weil hier alle Nationen zusammentreffen und alle verstehen sich. Weil es ja oft nicht so ist, dass man sich immer versteht", sagt ein 17 Jahre alter aus dem Kosovo stammender Starnberger. "In meiner Heimat ist es leider so, dass wir den Krieg miterlebt haben. Deswegen bin ich froh, dass es hier immer friedlich abläuft."

Beim Schlendern trifft Özlem Sarikaya auch zufällig Wolfgang M. Heckl, den Generaldirektor des Deutschen Museums, der das Buch "Die Kultur der Reparatur" geschrieben hat.

"Ich möchte die Botschaft verbreiten, dass Flohmarkt Kulturguterhaltung ist. Hier werden Dinge wieder recycelt, so wie wir irgendwann molekular recycelt werden."

Wolfgang M. Heckl

Die Verkäufer legen einen Ausschnitt ihres Lebens auf den Tisch. Was ihnen wichtig war, hat seinen Wert verloren. Kann aber für einen Käufer plötzlich ganz wichtig werden. Man kommt ins Gespräch, taucht ein in Lebenswelten, die einem vielleicht eben noch fremd waren. Jeder Tisch eine eigene Geschichte, ein eigener Mikrokosmos.

Autor des Filmbeitrags: Andreas Krieger


4