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Roman Imran Ayata: "Ruhm und Ruin"

Fußball ist eine geliehene Gemeinschaft für 90 Minuten. Es ist egal, wer rechts oder links von einem steht. Herkunft, Schicht und Verdienst spielen keine Rolle, sagt Imran Ayata, der einen Berliner Kiezverein als Spielwiese für seinen neuen Roman "Ruhm und Ruin" ausgewählt hat.

Stand: 08.01.2016

Die Kicker im Buch sind Gastarbeiterkinder der zweiten Generation und stehen nach viel Ruhm kurz vor dem Ruin. Im Umfeld des Vereins treffen Deutsche und Türken, Macher und Loser, Homos und Homophobe aufeinander.

Ein Fußballklub als Mikrokosmos

"Ich glaube, bei 'Ruhm und Ruin' sind ganz viele Botschaften miteinander verbunden. Das Buch versucht zu zeigen, wie vielschichtig so ein Mikrokosmos, wie ein Fußballverein sein kann."

Imran Ayata

Integration setzt ein Konzept von richtig und falsch voraus

Imran Ayata bedient perfekt den jeweils eigenen Jargon seiner elf Hauptfiguren. Er zeichnet Stereotype, entweder mit Vorurteilen oder mit Brettern vorm Kopf. Der Autor - ein Deutscher, 1969 in Ulm geboren, studierter Politikwissenschaftler, ist ein Kind von kurdischen Einwanderern. Das Wort Integration zu gebrauchen, fällt ihm schwer.

"Das 'Sich Integrieren' setzt ein Konzept von richtig und falsch voraus. Und da möge sich das Falsche in das Richtige integrieren. Oder das, was eine Minderheit ist, soll sich in die Mehrheit integrieren. Ich denke, all diese Konzepte von Integration sind gut gemeint, aber sie setzen am falschen Punkt an: Nämlich, dass sich jemand wohin bewegen muss, anstatt die spannende Frage zu stellen, wie verständigen wir uns."

Imran Ayata

Sich auf ein Zusammenleben verständigen

Der Agenturchef, DJ, Autor und Herausgeber der CD "Songs of Gastarbeiter" sorgt sich um das Hin und Her zwischen Migrantenstadl und der Frage, wer oder was Deutschland heutzutage überhaupt ist.

"Ich glaube, dass die Frage, wer Deutschland ist, sich immer wieder neu stellt. Alle Menschen, die hier leben und bereit sind, sich auf dieses Zusammenleben zu verständigen, sind letztendlich Teil dieser Gesellschaft, unabhängig ihrer Abstammung und rechtlichen Situation."

Imran Ayata

Im Fußball ist alles viel klarer und direkter

Der Roman über Kicker, Krisen und Kulturkämpfe ist ein "Deutschland trifft auf Deutschland"-Spiel.  In Ayatas Mikrokosmos "Multi-Kulti-Kiez-Klub" entdeckt man unsere bunte Gesellschaft ziemlich konkret und ist mehr als 90 Minuten bestens unterhalten.

"In vielen Fragen ist der Fußball zwei, drei Schritte weiter, als beispielsweise die Politik oder andere gesellschaftliche Bereiche. Das macht den Fußball interessant. Im Fußball sind auch die Auswüchse dessen, was man rassistisch nennen würde, viel klarer, viel archaischer und viel direkter."

Imran Ayata

Weitere Informationen

Imran Ayata: "Ruhm und Ruin
Verbrecher Verlag
14,90 Euro

Lesung am 10.2.2016 im Schlachthof Kassel

Autor des Filmbeitrags: Matthias Beckel


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