BR Fernsehen - Münchner Runde


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Jahr der Entscheidung: Wie geht Europa mit den Populisten um?

Heute wählen die Niederlande, es folgen Frankreich und Deutschland. Überall sind die Rechtsnationalen auf dem Vormarsch. Sie sind islam- und europafeindlich. Ignorieren oder diskutieren: Wie soll Europa mit den Populisten umgehen?

Stand: 14.03.2017

Wilders, Petry und Le Pen | Bild: picture-alliance/dpa

Unsere Gäste am 15.03.2017

Heribert Prantl, SZ-Journalist und Autor: „Gebrauchsanweisung für Populisten“

"Wähler, die Rechtspopulisten zugeneigt waren, sind ja Wähler, die Recht, Ordnung und Anstand schätzen. Sie erleben, wie im Trump-Amerika all diese Werte mit Füßen getreten werden. Das treibt viele Wähler und Sympathisanten weg von den Rechtspopulisten." Und: "Ich glaube, auch in anderen europäischen Ländern ist es so, dass man sich darüber klar ist, dass der Rückzug auf das Nationale kein Mittel ist, um die Zukunft groß zu machen." Er ist überzeugt: "Im Angesicht einer Weltlage, die von vielen als bedrohlich wahrgenommen wird, will man nicht Dilettanten in der Politik haben." (Münchner Runde, 15.03.17)

Andrea Römmele, Hertie School of Governance

"Die politischen Eliten reagieren, indem sie in die Auseinandersetzung gehen, einen stärkeren oder auch konturierteren Dialog mit der Wählerschaft suchen." Ihr Rat: "Im Bundestagswahlkampf muss Frau Merkel vor allem inhaltlich Kante zeigen. Nicht, wie wir das das letzte Mal gesehen haben, Kanzlerraute und sonst gar nichts. Die SPD wird klare Kante zeigen, macht sie ja jetzt schon mit Martin Schulz. Damit werden viele, die gar nicht wählen gegangen sind in der letzten Wahl, sich wieder näher an die Politik holen lassen. Ich bin überzeugt, dass bei der AfD nicht so viele landen werden, wie es jetzt die Umfragen zeigen." (Münchner Runde, 15.03.17)

Christoph Schwennicke, Chefredakteur "Cicero"

„Es ist zu lange zu wenig passiert: ich glaube, dass die Spaltung in die politischen Eliten und das Volk zu lange zu groß war, und dass Probleme zum Teil auch schön geredet wurden.“ Und: „Die Politik hatte lange Zeit, das europäische Versprechen einzulösen: diese Zeit ist verstrichen.“ Ergebnis: "Die Leute haben die Geduld mit diesem Projekt verloren.“ Sein Fazit: „Vielleicht muss Europa jetzt erstmal ein bisschen britischer werden, auf seinen Nukleus zurückgestutzt werden, um dann wieder neu ausschlagen zu können.“ (Münchner Runde, 15.03.17

Christian Hacke, Politikwissenschaftler

„Ich halte dieses ganze Phänomen (des Populismus) und auch die Anhänger für sehr viel differenzierter. Das sind nicht nur Rechtsextreme, sondern die sind ja nicht vom Himmel gefallen.“ Über die EU sagt er: "Das ist ein Saftladen geworden!“ Die ständige Erweiterung und Vertiefung hätte uns „in die Bredouille gebracht.“ Und: „Die EU macht nichts, wenn irgendwo die Verträge in Geist oder Buchstaben gebrochen werden. Nichts! Es gibt keine Konsequenzen.“ Und er unterscheidet: „Gute Populisten führen. Schlechte Populisten verführen.“ (Münchner Runde, 15.03.17)

Abstimmung

Können Populisten auch in Europa Wahlen gewinnen?

Diese Abstimmung ist beendet.

Ja.

81,8 %

Nein.

18,2 %

Diese Abstimmung ist keine repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild der Nutzerinnen und Nutzer von BR.de, die sich an der Abstimmung beteiligt haben.

Moderation

Durch die Sendung führte Ursula Heller.


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