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Ernährung und Umwelt Freiluft-Supermarkt und mobile Hühnerställe

Wir Deutschen haben's gerne günstig – vor allem Lebensmittel. Die gibt es importiert aus allen Ecken der Welt zu niedrigen Preisen in jedem Supermarkt - und das ist das Problem für unsere Landwirte. Für sie ist die Direktvermarktung der beste Weg, ihr Überleben zu sichern.

Von: Conny Benne

Stand: 18.07.2017

Der Schwarzhuber-Hof in Allach bei München: Hier ist Alexander Grünwald schon in der dritten Generation Bauer. Nur: Eine Landwirtschaft, wie sie sein Vater und Großvater noch betrieben haben, lohnt sich heute nicht mehr.
Darum probiert er seit einem Jahr etwas Neues aus:

Mobile Hühnerställe

Alexander Grünwald verdient das vierfache mit seinen 'Mobilen Hühnerställen'

Eigentlich ist ein Riesenstall mit mindestens 5.000 Hühnern notwendig, um davon leben zu können. Das haben Alexander Grünwald die Berater vom Landwirtschaftsamt gesagt. Doch er hat sich anders entschieden.

Würde Alexander Grünwald seine Eier an Supermärkte verkaufen, bekäme er zwischen sechs und zehn Cent pro Stück. In der Direktvermarktung kann er 40 Cent verlangen.
Seine Kunden aus der Nachbarschaft lieben den Eierautomaten am Hoftor. Der Landwirt muss mit Tochter Philomena am Wochenende gleich mehrmals nachfüllen, so gut geht das Geschäft.
So gut, dass Alexander nun zwei mobile Hühnerställe besitzt. Dafür braucht er einen zusätzlichen Absatzmarkt:

Der Münchner Stadtteil Westkreuz

Die 'Freiluftbox' beim Münchner Westkreuz

Seit Mitte Mai ein hellgrüner Container auf einer nicht genutzten Fläche: die "Freiluftbox". Donnerstags und freitags können die Anwohner darin Produkte von Landwirten aus der Region kaufen.

Für Alexander Grünwald eine gute Gelegenheit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Er kann ihnen erklären, wie er Lebensmittel produziert, und das kommt an.

Möglich gemacht hat die Freiluftbox ein Stadtteil-Förderprogramm. Landschaftsarchitekten haben das Nachbarschaftsprojekt dann entwickelt.
Am Westkreuz leben viele sozial schwache Familien, häufig mit Migrationshintergrund. Und auch viele ältere Leute, die oft einsam sind. Gerade sie kaufen gerne hier ein.

In den kommenden Jahren soll das Gebiet hier am Stadtrand bebaut werden – die Freiluftbox zieht dann um.

Projekt-Freiluft-Supermarkt

Am anderen Ende des Stadtteils gibt es ein weiteres Projekt: den 'Freiluft-Supermarkt': Gemüse zum selber anbauen auf einer Fläche für alle. Autarke Selbstversorgung.

Diese Idee hat Landwirt Alexander Grünwald jetzt auch bei sich in Allach umgesetzt. Auf seinem Grund bietet er Privatleuten Kraut- und Rübengärten an: 40 Quadratmeter für 120 Euro im Jahr.

"Also das Wichtigste ist eigentlich, dass sie mal sehen, wieviel Arbeit es ist, 40 Quadratmeter vom Unkraut zu befreien, zu gießen, zu bewässern, und Lebensmittel zu produzieren."

Alexander Grünwald


Landwirt Alexander Grünwald hat Städter zum Gärtnern gebracht. Gesunde Lebensmittel aus eigener Zucht: Das macht satt, bringt Spaß und stärkt die Wertschätzung für Produkte aus der Region.

Kontakte und Infos

Korbinian und seine Mutter Barbara Buchner in ihrem Kraut- und Rübengarten in München-Allach

Alexander Grünwald: Eversbuschstraße 164A, 80999 München Allach Handy: 0171/722041; https://www.facebook.com/BrutalRegional/
Freiluftbox: Stadtteil-Management Neuaubing-Westkreuz; Friedrichshafener Str.11 81243 München Tel.: 089 18929240
Freiluftsupermarkt: München Wiesentfelser Straße, München Freiham S-Bahn-Station Freiham www.freiluftsupermarkt.de


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