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Mair-Holmes, Koll, Bergmann (Hg.) Stimmen Bayerns: Die Freiheit

In Giesing ist das Label "Trikont" beheimatet, das aus einem aufmüpfigen Buchverlag hervorgegangen ist. Unzählige Projekte jenseits des Mainstreams hat "Trikont" schon realisiert, vom finnischen Tango bis zu den Münchner Volkssängern. Zuletzt: Die "Stimmen Bayerns" - die uns vertraut sind, mit denen wir aufgewachsenen sind. In der neuesten Ausgabe der Edition, einer Doppel-CD, dreht sich alles um "Die Freiheit".

Von: Daniela Weiland

Stand: 21.11.2013

Auf so etwas lässt sich Achim Bergmann gar nicht erst ein: Er soll "Oachkatzlschwoaf" sagen, bittet ihn Armin Kratzert zu Beginn des Interviews. Diesen "Deppentest", wer Bayer ist und wer nicht, den braucht er wirklich nicht zu machen. Da ist der Trikont-Chef selbstbewusst. Ob man den hiesigen Dialekt spricht oder nicht, das ist nicht das Kriterium, sondern ob man das Bayerische auch in der Tiefe versteht. Und das tut Bergmann, das hat er mit seinem Trikont-Label, das das verlegerische Zuhause vieler heute bedeutender bayerischer Künstler ist, schon längst bewiesen.

Achim Bergmann

Achim Bergmann stammt aus Westfalen, kam 1965 als Student nach Schwabing, studierte Philosophie und politische Wissenschaften, und er hätte es vermutlich selbst nicht gedacht, dass er einmal zu denen gehören würde, die die bayerische Kultur entscheidend mitprägen.

Armin Kratzert im Gespräch mit Achim Bergmann

Das Konzept ist dabei ganz einfach und auch wieder nicht. Denn als "Linker" musste er sich oft rechtfertigen, warum er sich einem Thema wie "Heimat" zuwendete. Achim Bergmann, das erzählt er im Interview, übertrug das in den 70er-Jahren erwachende Bewusstsein für Regionales vom Interesse an internationaler regionaler Kultur auch auf das Bayerische. Es stand nicht länger für bloßen Lokalpatriotismus, es wurde jetzt anders gesehen:

Als das, was von unten kommt, die Kultur der kleinen Leute. Und folglich konnte Bayerisch nicht mehr nur das sein, was Heimatpfleger und Volkmusikverbände sanktionierten. Bei Trikont landeten all die schrägen bayerischen Künstler, die anders waren und anderes wollten: Hans Söllner, Georg Ringsgwandl, LaBrassBanda, Kofelgschroa und viele andere.

Eine "Enzyklopädie der bayerischen Seele"

Bergmanns Interesse ging aber auch in die Vergangenheit zurück. 2002 hatte er die Idee, eine "Karl-Valentin-Gesamtausgabe Ton 1928-1947" herauszubringen. Sie war Initialzündung für einen moderneren, offeneren Blick auf diesen bayerischen Künstler von Weltrang.

Eine neue Initiative Bergmanns sind die "Stimmen Bayerns" und der Blick auf etwas, das so selbstverständlich da ist, dass es kaum beachtet wird. Denn was Bayern prägt, das ist nicht nur Musik und Literatur, sind in hohem Maße auch moderne Medien, das sind die Kinofilme, Fernsehserien und Radiosendungen. Eine "Enzyklopädie der bayerischen Seele" soll die Edition einmal werden. Bisher erschienen sind die CDs "Die Liebe", "Der Tod", "Der Rausch" und soeben "Die Freiheit" mit Ruth Drexel, Therese Giehse, dem "Tscharli" aus den "Münchner Geschichten" oder dem Kraudn Sepp.

Achim Bergmann gibt die "Stimmen Bayerns" nicht alleine heraus. Ebenso engagiert dabei ist seine kongeniale Partnerin Eva Mair-Holmes und der Volkskundler Andreas Koll, der bereits zu den frühen bayerischen Künstlern gehörte, die bei Trikont mit der Gruppe "Die Interpreten" ganz eigene Wege in der Volksmusik gingen.

Die CD

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Eva Mair-Holmes, Andreas Koll, Achim Bergmann (Hg.)
Stimmen Bayerns: Die Freiheit
Doppel-CD
erschienen bei Trikont


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