BR Fernsehen - LeseZeichen


0

Christoph Peters Wir in Kahlenbeck

Wir treffen Christoph Peters, der einen Internatsroman geschrieben hat. Dieses Genre ist und bleibt aktuell. Denn nirgends tritt die Adoleszenz so verdichtet auf wie in der Abgeschlossenheit eines Internats. Wie bedeutend die Pubertät im Leben ist, und deshalb noch immer ein wichtiges Thema, das beweist das neue Buch von Christoph Peters: "Wir in Kahlenbeck".

Von: Daniela Weiland

Stand: 31.01.2013

Beim Thema Internat denkt man - auf Grund der Missbrauchsfälle in den letzten Jahren - sofort an sexuelle Übergriffe von Erziehern, aber das ist in Peters Roman kein Thema. Peters, der selbst ein katholisches Internat besucht hat, schildert im Gespräch mit Armin Kratzert seine eigenen Jahre im Collegium Augustinianum Gaesdonck als im Grunde fruchtbare Zeit, in der er viel lernte.

Christoph Peters

Zum einen, weil einer seiner Lehrer der Beuys-Sammler Franz Joseph van der Grinten war, der die Schüler sehr förderte. Ohne ihn wäre er wohl nicht Schriftsteller und Künstler geworden. Zum anderen waren ihm die religiösen Auseinandersetzungen wichtig, die ein Bewusstsein dafür geschaffen haben, dass das kurze Leben, das wir haben, etwas bedeutet, dass es wertvoll ist und es wichtig sei, etwas daraus zu machen.

Armin Kratzert im Gespräch mit Christoph Peters

Diese Schule in ihrer Abgeschiedenheit empfand er wie einen Druckkessel, in dem sich die dringenden Fragen von Jugendlichen nach dem Sinn des Lebens, die Frage, warum man auf der Welt ist, wer man ist und was man erreichen will, in konzentrierter Form stellten. Da man nicht ausweichen konnte, da es selbst für die Schüler der Oberstufe nicht erlaubt war, das Gelände am späteren Abend noch zu verlassen, blieb nichts anderes übrig, als sich in Diskussionen mit den anderen auseinanderzusetzen. Es fand ein Machtkampf statt, sagt Peters im Interview: "Die ersten Jahre prügelt man sich, danach wetzt man die rhetorischen Klingen, um zu beweisen, ich bin der Stärkere." - "Sprache ist das Mittel, mit dem man Ziele definiert, mit dem man erst mal für sich selber formuliert, was man im Leben erreichen will."

"Man lernt im Leben für das Leben"

So war diese schulische Enklave für Peters ein kleines Weltmodell, eine Gesellschaft in der Gesellschaft, in der es alles gab: Die Intellektuellen und Künstler, die Machtmenschen und die Sportler ...

Von daher rührt es wohl, wenn es im Roman um den Schüler Carl selbstverständlich auch um Sehnsüchte und Erotik, aber eben auch um intellektuellen Disput geht. Zentral ist für Peters nämlich, wie er uns im Interview sagt, diese Frage: Er möchte wissen, was sich nach einer Jahrtausende alten christlichen Prägung am Ende des 20. Jahrhunderts noch erhalten hat, was auf den "Schrottplatz der Geschichte" gehört, und wo es sich lohnt, "noch einmal draufzugucken".

Lernt man in der Schule fürs Leben, ist unsere Schlussfrage. "Man lernt immer fürs Leben!", sagt Peters. "Man lernt im Leben für das Leben".

Das Buch

Klicken für Coveransicht

Christoph Peters
Wir in Kahlenbeck
Roman
Luchterhand Literaturverlag
22,99 Euro


0