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Bodo Kirchhoff Verlangen und Melancholie

Wie ein älterer Mann nicht loskommt von den Gedanken an seine Frau. Bodo Kirchhoff erzählt von einer nur scheinbar normalen Beziehung.

Von: Rudolf von Bitter

Stand: 23.10.2014

Im Zentrum von Bodo Kirchhoffs neuem Roman steht Hinrich, ein kultivierter Journalist im Ruhestand, der mitten in einer intensiven Trauerarbeit steckt und dabei sein bisheriges Leben Revue passieren lässt. Seine Frau hat sich das Leben genommen, und er weiß nach neun Jahren noch immer nicht, wie damit umgehen. Die gemeinsame Tochter formuliert, die Mutter habe ihr Leben geschlossen wie man ein Buch zuklappt, bei dem man die Hoffnung auf etwas Lohnendes aufgegeben hat - für den Mann ein entsetzlicher Satz. So kann er nicht loslassen und bleibt in seinen Gedanken an seine Frau Irene, an das gemeinsame Leben, an die Dinge, die er nicht hat ergründen können, im Eindruck einer anhaltenden Melancholie, die sein beständiges Überlegen und Bedenken der vergangenen Zeit hat anwachsen lassen.

Bodo Kirchhoff

Ablenkung bieten ihm außer seiner Tochter der Enkel, mit dem er in einer komisch unbeholfenen Aktion Schwarzgeld aus der Schweiz herschmuggelt, und eine polnische Supermarktkassiererin, der er das Geld schenken möchte. Als er sie in Polen besucht, trifft er auf einen Freund Irenes, der ihm weitere Rätsel aufgibt über sein eigenes Verhältnis zu ihr.

Armin Kratzert im Gespräch mit Bodo Kirchhoff

Was an diesem Buch fesselt, was uns diese Tragödie eines ungetrösteten Mannes weiter verfolgen lässt, ist die Erzählkunst des Autors Kirchhoff, der uns in einer andauernden Spannung hält, dessen Sprache leicht und eingängig ist, und für dessen Held wir zunehmend Sympathie entwickeln. Auf das Thema gebracht hat ihn übrigens ein Trauerbrief, den er über mehrere Tage nicht hatte öffnen wollen. Davon erzählt er uns im Interview.

Das Buch

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Bodo Kichhoff
Verlangen und Melancholie
Roman
Frankfurter Verlagsanstalt
24,90 Euro


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