BR Fernsehen - LeseZeichen


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Alexander Kluge Das fünfte Buch

In einem verschwiegenen Hotel in den Bergen sind wir mit Alexander Kluge verabredet. Er ist möglicherweise der produktivste Schriftsteller und Filmemacher Deutschlands. Mit Hunderten von Geschichten, die Kluge bisher veröffentlicht hat, ist er nicht nur ein genauer Kartograph des Inneren des Menschen, er ist auch ein einzigartiger Chronist unserer Zeit.

Von: Daniela Weiland

Stand: 16.02.2012

Über fünfzig Jahre lang gehört Alexander Kluge nun schon zu den kreativsten und innovativsten Kräften des deutschen Kulturlebens. Allein die vielen Berufe, die er ausübte: Als gelernter Jurist vertrat er Adorno und andere Mitglieder der Frankfurter Schule, als Filmemacher war er einer der Initiatoren des Oberhausener Manifests und damit Mitbegründer des "Neuen deutschen Films". Zusammen mit Edgar Reitz und Detten Schleiermacher leitete er das neu geschaffene "Institut für Filmgestaltung" an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm - eine der frühesten Institutionen für Filmtheorie und Filmausbildung in der Bundesrepublik. Und als Filmemacher erhielt er für seinen Autorenfilm "Abschied von Gestern" 1966 als erster Deutscher nach dem Krieg einen Silbernen Löwen der Filmfestspiele von Venedig.

Ausgezeichnetes filmisches und literarisches Werk

Alexander Kluge

Bis in die 80er-Jahre hinein realisierte Alexander Kluge 14 abendfüllende Spielfilme, viele ebenfalls preisgekrönt, darüber hinaus trägt sein Engagement für die deutsche Filmförderung zur Verbesserung der Produktionsmöglichkeiten von Filmen bei. Als das Privatfernsehen startet, gelingt es ihm, dort mit seinen Vorstellungen von Kulturfernsehen in verschiedenen Sendern Fuß zu fassen und bestreitet dort etwa 1500 Stunden Fernsehen für höchste Ansprüche.

Armin Kratzert im Gespräch mit Alexander Kluge

2003 erhält Alexander Kluge für seine literarische Arbeit, die vorwiegend im Erzählen von Geschichten liegt, den höchsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner- Preis. In der Laudatio wird Kluge bescheinigt, er habe mit seiner besonderen Art von Kurz- und Kürzestgeschichten eine neue Textform erschaffen, eine Gattung "Kluge". Er hat mehrere Hundert Geschichten veröffentlicht, wenn sie nicht sogar über Tausend.

Ein ganz besonderer Geograph und Chronist

Tatsächlich versteht sich Kluge in seiner schriftstellerischen Tätigkeit als eine Art Geograph. Während früher Geographen von den Landschaften anderer Länder erzählten, kartiere er die inneren Landschaften des Menschen. Des weiteren sieht er sich als Chronist. Chronisten, sagt er im Interview, waren im Mittelalter die Mönche. Sie waren diejenigen, die die Aufmerksamkeit auf Ereignisse nachträglich korrigieren konnten. Sie schufen einen Ausgleich zu den Tatsachen, die in der geschichtlichen Situation selbst möglicherweise nicht hinreichend wahrgenommen, verstanden und gewürdigt wurden.

Alexander Kluge, der nun schon die 80er-Jahre seines Lebens beschritten hat, weiß wie kein anderer die großen und kleinen Dinge des Lebens, die Lebensläufe der Menschen und die weltgeschichtlichen Ereignisse zu verknüpfen und zu deuten. Dabei macht sein Werk so wertvoll, dass es Alexander Kluge nie gescheut hat, sich in kleinste Details hineinzuknien, sie zu recherchieren und zu erforschen. So sind alle seine Geschichten wunderbare Fundstücke in einem reichen Schatz, den der Schriftsteller Alexander Kluge erschaffen hat.

Info

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Alexander Kluge
Das fünfte Buch
Neue Lebensläufe. 402 Geschichten
Suhrkamp Verlag
34,95 Euro


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