BR Fernsehen - Lebenslinien


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Lebenslinien - Kabarett ist sein Leben Helmut Schleich - Alle meine Lieben

Spätestens mit seiner Rolle als Franz Josef Strauß wird der Münchner Kabarettist Helmut Schleich zum Publikumsliebling. Als Kind fühlt er sich meist als Außenseiter, hält Menschen auf Distanz. Heute weiß er, dass ein schwerer Verlust in seiner Kindheit damit zu tun hat.

Stand: 19.01.2017

Helmut wächst bei seinen Großeltern in Schongau auf. Die Mutter ist bei seiner Geburt noch nicht volljährig, die Großmutter wird zur wichtigsten Bezugsperson.

Filminfo

Originalitel: Helmut Schleich - Alle meine Lieben (D, 2016)
Regie: Sabine Barth
Redaktion: Sonja Hachenberger/Fatima Abdollahyan
Länge: 44 Minuten
16:9, VT-UT

Als sie unerwartet stirbt, verliert der Sechsjährige den Boden unter den Füßen und kann sich von da an nur schwer auf Menschen einlassen.

Seine Mutter zieht mit ihm nach München. So kommt für den schüchternen Bub zum Verlust ein Schulwechsel hinzu. Helmut blüht nur auf, wenn er seine Verwandtschaft, später seine Lehrer imitiert.

Dass Talent in ihm schlummert, bemerkt er erst in der achten Klasse und gründet die Kabarettgruppe "Fernrohr“. Plötzlich bekommt er Aufmerksamkeit.

In der Tradition von Dieter Hildebrandt entwickelt er sich zum Kabarettisten. Für anderes ist wenig Raum. Das ändert sich auch nicht, als er mit der Regieassistentin Martina ein Kind bekommt.

Erst eine vorübergehende Trennung bringt Veränderung in die Beziehung. Heute haben die beiden drei Kinder.

Seit 2011 hat Helmut Schleich eine eigene, regelmäßige Fernsehsendung im Bayerischen Fernsehen: "Schleich-Fernsehen“. Doch für 2017 hat er ein großes Vorhaben: keine Live-Auftritte und mehr Zeit mit seiner jüngsten Tochter verbringen

Autorin Sabine Barth über Helmut Schleich

Filmteam beim Dreh der Proben zu Schleich-Fernsehen: Sabine Barth (Regie), Christian Meckel (Kamera) und Ton Alexander Weiß.

Wie bist du auf die persönliche Geschichte von Helmut Schleich aufmerksam geworden?

Helmut Schleich war Gast der BR-Sendung „Gipfeltreffen“ mit Werner Schmidbauer. Dort sprachen die Beiden auch über die Kindheit von Helmut im ländlichen Schongau. Helmuts Mutter war tagsüber in der Arbeit. Die Großmutter war diejenige, die sich am meisten um Helmut gekümmert hat. Der Schock über ihren plötzlichen Tod hat Helmuts Leben sehr beeinflusst. Seine Erzählung darüber berührte mich.

Bist du selbst eine Kabarettgängerin?

Das war ich bis zu diesem Film nicht. Die ersten Gespräche über eine eventuelle Lebenslinie führten wir im Frühjahr 2014. Seitdem hat sich politisch in Deutschland viel verändert. Ich habe das Kabarett als eine Möglichkeit entdeckt, Dinge von einer anderen Seite zu sehen. Jetzt bin ich Fan. Besonders auch vom Donnerstagabend-Sendeplatz im BR, der dem Kabarett gehört.

Helmut Schleich und seine früheren Kabarettkollegen Andreas Rüttenauer und Christian Springer wurden politisch in den 80ziger Jahren geprägt. Genau wie ich – nur auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs als Teenager in der DDR. Mit dem Blick in Helmuts Geschichte kam die Erinnerung an diese politisch beklemmende Zeit zurück. Aber ebenso der Blick auf all die Möglichkeiten, die es heute gibt.

Was hat dich am meisten berührt an Helmut Schleichs Geschichte?


Helmut Schleich hat aus meiner Sicht mit dem unerwarteten und frühen Verlust der Großmutter immer wieder große Probleme gehabt. Bis heute ist es für ihn nicht selbstverständlich, sich auf Menschen emotional einzulassen. Dass er mit dem Kabarett ein wunderbares Medium für sich gefunden hat, sich „mitten ins Leben“ zu wagen, ringt mir besonders großen Respekt ab – über die Bewunderung seines künstlerischen Talentes hinaus. Es ist mit Sicherheit eine Geschichte, die der Zuschauer so nicht erwartet und die Helmut Schleich in seiner Präsenz auf der Bühne für mich noch glaubwürdiger macht.


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