BR Fernsehen - Lebenslinien


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Lebenslinien - Dergin Tokmak, Tanzstar mit Krücken Der hinkende Engel

Als Dergin acht Monate alt ist, erkrankt er an Kinderlähmung. Doch seine Energie lässt sich nicht in einen Rollstuhl bannen. Auf Krücken macht er unter dem Namen "Stix" eine Karriere als Breakdance-Tänzer. Er wird so gut, dass eines Tages der Cirque du Soleil bei ihm anruft.

Stand: 08.12.2015

Mit acht Monaten infiziert sich Dergin mit Kinderlähmung. Doch das kann seinen Bewegungsdrang nicht bremsen. Seine Krücken ersetzen ihm die Beine. Zwanzig Sekunden sind es schließlich, die sein Leben mit 13 Jahren schlagartig verändern: So lange dauert die Tanzszene in dem Film "Breakin", in der ein gelähmter Junge auf Händen und Krücken Breakdance tanzt.

Filminfo Lebenslinien

Originalitel: Der hinkende Engel (D, 2012)
Regie: Elisabeth Mayer
Redaktion: Christiane von Hahn
Länge: 45 Min.
Drehorte: Augsburg, New York, Montreal
Drehzeit: Juni/Juli 2012

Eddie alias "Handyman" wird Dergins Idol. Auf Drängen seiner Eltern macht Dergin eine Ausbildung zum Technischen Zeichner, aber eigentlich will er nur eines: tanzen. Er trainiert jedes Wochenende und macht sich als "Stix" einen Namen in der Breakdance-Szene. Eines Tages bekommt er ein unglaubliches Angebot: Der Cirque du Soleil sucht einen Tänzer auf Krücken und lädt ihn zum Vortanzen ein.

Mit Karl-Buchrucker-Preis ausgezeichnet

"Der hinkende Engel", die Lebenslinie von Elisabeth Mayer über den Tänzer Dergin Tokmak, wurde 2013 mit dem Karl-Buchrucker-Preis ausgezeichnet.

Die Autorin und Regisseurin Elisabeth Mayer wurde 2013 für Ihren Beitrag "Der hinkende Engel" mit dem Karl-Buchrucker-Preis ausgezeichnet. Aus der Jurybegründung:

„[…] Der Film erzählt von dem ungeheuren Willen des jungen Mannes – immer nah an der Person, authentisch und unverstellt – und vermittelt so den tiefen Glauben Dergin Tokmaks, dass alles möglich ist: nämlich auch ohne Beine tanzen zu können. Und der Film tut dies auf eine ganz unmittelbare, überzeugende Weise. […] Elisabeth Mayer zeichnet mit ihrem 45-minütigem Film im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebenslinie nach: mit allen Auf und Abs, allen Ausbuchtungen und Abweichungen. Entstanden ist so ein Film, der Mut macht, der Augen öffnet für eine mögliche Neu-Definition von Behinderung (und vermeintlicher Perfektion), für die Möglichkeiten, die der Wille einem Menschen eröffnet. Und für die essentielle Bedeutung von Lebensträumen. Man denkt auch nach dem Ende des Films gerade darüber nach, was es heißt, wenn Dergin Tokmak sagt: „Den Menschen, die eine Behinderung haben, lässt man nicht die Möglichkeit zum Träumen.“

Man wünscht ihm viel Erfolg, nicht nur bei der Verwirklichung seiner eigenen Träume, sondern auch bei seinem Vorhaben, andere zu ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen. Und man wünscht sich Filmemacher, Dokumentarfilmer, Autorinnen wie Elisabeth Mayer, die nicht nur die absolute Professionalität, sondern auch die große Sensibilität und das Gespür für Bilder, Töne und Menschen haben, um solche Filme zu machen. Und Redaktionen und Sender, die für solche herausragenden Projekte ein offenes Ohr haben, ein weites Herz und einen offenen Geldbeutel.

Dergin als "Hinkender Engel"

Dergin setzt alles auf eine Karte und fliegt zum Cirque du Soleil ins kanadische Montreal. Und er hat Erfolg: Als einziger behinderter Artist berührt er in der Show "Varekai" das Publikum weltweit. Selbst eine schwere Armverletzung hält ihn nicht auf. Doch etwas verändert sich allmählich in ihm.

Dergin wird bewusst, wie wichtig ihm Freiheit und Freundschaften sind. Als sein Ruhm am größten ist, verlässt er schließlich den Cirque, um sich mit eigenen Tanzprojekten selbstständig zu machen.

Was danach geschah

Heute, zweieinhalb Jahre nach den Dreharbeiten für die "Lebenslinien" ist Dergin Tokmak wieder in Augsburg zuhause. Er konnte seinen Traum verwirklichen und sich als selbständiger Künstler etablieren. Seine eigene Tanzshow führte ihn in den letzten beiden Jahren unter anderem nach Bukarest und Rom. Zusammen mit den Clowns Ursus und Nadeschkin tourte er 2014 durch die Schweiz. Ab dem 26. Dezember ist er mit einer Solo Nummer bei Deutschlands größter Turnshow "Feuerwerk der Turnkunst" zu erleben.


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