BR Fernsehen - Kontrovers


2

Raubkatze im Garten Exotische Säugetiere im Trend

Hund, Katze, Maus - kann ja jeder haben. Puma, Gepard, Löwe machen da schon mehr her. Wilde Säugetiere werden als Haustiere immer beliebter. Die Vorschriften zu Kauf und Haltung solcher Tiere sind erstaunlich lax ...

Stand: 09.11.2015

Besonders beliebt: Sugar Glider. Die Flughunde aus Indonesien gibt es schon ab 80 Euro. Auch im Trend: Berberaffen. Kostenpunkt: 400 Euro. Einen Puma kann man im Internet schon ab 3.000 Euro kaufen. Sogar Löwen gibt es für unter 25.000 Euro. Und das ganz legal.

Einen Karakal wie diesen hier hat die Polizei in einem Garten in München entdeckt und befreit.

Exotische Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden, dürfen in Deutschland frei gehandelt werden. Obwohl viele kaum artgerecht zu halten und gefährlich sind. Wie der Karakal, den die Polizei in einem Münchner Garten entdeckt hat. Er lebt heute im Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach. Wie das Pumaweibchen Pünktchen, das aus einem viel zu kleinen Käfig im Garten eines Wohnhauses befreit wurde.

Wer hält solche Tiere? Und warum? Wir haben mit vielen Besitzern exotischer Säugetiere in Bayern telefoniert - besuchen und dabei drehen durften wir niemanden.

Keine klaren Regelungen zur Tierhaltung

Raubkatzen dürfen in Bayern nur mit Genehmigung gehalten werden, Privatleute bekommen die in der Regel nicht. Aber wer so ein Tier illegal hält, hat nicht viel zu befürchten: Maximal eine Geldstrafe - es ist nur eine Ordnungswidrigkeit. Olaf Neuendorf vom Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach versteht das nicht:

"Meiner Meinung nach müssten die Strafen deutlich höher sein! Es müsste eine Abschreckung vorhanden sein, weil ja wirklich von den Tieren Lebensgefahr ausgeht. Wenn so ein Tier unsachgemäß gehalten wird, in einem Käfig, der nicht sicher ist, dann ist eine absolute Gefährdung gegeben - für alle Menschen, die sich in der Gegend aufhalten."

Olaf Neuendorf, Raubtier- und Exotenasyl Ansbach

Dabei ist die Haltung exotischer Tiere in Bayern noch vergleichsweise streng geregelt. In sieben anderen Bundesländern gibt es gar keine Regelungen. Die Tiere müssen dort weder genehmigt noch gemeldet werden. Ein bundesweit einheitliches Gesetz gibt es bis heute nicht - trotz aller Gefahren ...

Tiger in Gefahr

Lebensraum

In 13 Ländern sind Tiger heute noch in freier Wildbahn anzutreffen: Bangladesch, Bhutan, Birma, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Nepal, Russland, Thailand und Vietnam. Vor hundert Jahren stromerten dort etwa 100.000 Großkatzen durch die Wildnis, heute wird ihre Zahl weltweit auf weniger als 4.000 geschätzt.

Arten

Von einst neun Tiger-Unterarten existieren heute weltweit noch sechs: Bengaltiger, Sibirischer oder Amur-Tiger, Indochinesischer Tiger, Malaiischer Tiger, Südchinesischer Tiger und Sumatratiger. Ausgestorben sind Balitiger, Javatiger und Kaspischer Tiger.
Forscher vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) haben nach Schädel- und Genanalysen von Fellen im Juni 2015 eine Studie veröffentlicht, in der sie empfehlen, die Tiere nur noch in zwei statt neun Unterarten einzuteilen. Populationen in Südchina und Indochina könnten nun mit malaysischen und indischen Tigern zusammengelegt und als südliche Festlandtiger benannt werden. Die zweite verbleibende Unterart sind die Gruppe der nördlichen Festlandtiger (Amur-Tiger). "Weltweite Schutzmaßnahmen und Erhaltungszuchtprogramme können nun flexibler und effektiver umgesetzt werden", sagte Andreas Wilting vom IZW.

Bedrohungen

Weltweit sind die Tiger durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraumes und ihrer Beutetiere bedroht. Der Handel mit Tigerprodukten ist seit 1975 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES verboten. 1993 erließ China ein nationales Handelsverbot. Doch viele Fälle von Tiger-Wilderei werden bis heute nicht geahndet. In Indonesien zum Beispiel sind lediglich zwei Unterarten gesetzlich geschützt: der Sumatra-Tiger und der Java-Tiger, der bereits als ausgestorben gilt. Auch der Sumatra-Tiger ist vom Aussterben bedroht: Laut der Weltnaturschutzunion IUCN gab es in den 1970er-Jahren noch etwa 1.000 wildlebende Sumatra-Tiger, Schätzungen gehen heute von nur noch 400 Tieren aus. Akut vom Aussterben bedroht ist auch der Malaysia-Tiger: Neuesten Studien zufolge ist die Zahl der in freier Wildbahn lebenden Tiere von rund 500 Tieren im Jahr 2008 auf 250 bis 340 Tiere im Jahr 2013 gesunken.

Strengere Gesetzgebung

"Indonesien muss die Gesetzgebung so schnell wie möglich anpassen, um sicherzustellen, dass alle Unterarten des Tigers umfassend geschützt und Wilderei sowie illegaler Handel strafrechtlich verfolgt werden", sagt NABU-Artenschutzexperte Tom Kirschey. "Dies gilt auch für andere Staaten. Alle Verbreitungsstaaten müssen die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um Wilderei und internationalen Handel mit Tigerprodukten zu stoppen."

Internationaler Tigerschutz

Im Jahr 2010 hat erstmals ein Tigergipfel stattgefunden, an dem alle 13 Nationen mit Tigerbeständen teilgenommen haben. In St. Petersburg haben sie sich auf Schutzmaßnahmen geeinigt. Wichtige Lebensräume sollen identifiziert und zu Kernschutz-Zonen erklärt werden. "Das Abholzen der Wälder in Russland und China muss aufhören, denn damit schrumpft der Lebensraum des Tigers", erklärt Maria Woronzowa, Leiterin des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW).
Die Nachfrage nach Tigerprodukten soll mit Kampagnen gesenkt werden. Wilderer und Schmuggler sollen stärker bekämpft werden. In einer "St. Petersburger Resolution" beschlossen die 13 Länder, die Zahl der Großkatzen bis zum "Jahr des Tigers" 2022 zu verdoppeln. Im Jahr 2010 wurden nur noch 3.200 Tiger gezählt, ein Allzeittief.
Schätzungen zufolge sind jedoch allein bis 2015 mindestens 270 Millionen Euro nötig, um den Lebensraum der Tiere auszuweiten. Deutschland hat sich im Januar 2014 dazu verpflichtet, den Schutz von Tigern mit 20 Millionen Euro zu unterstützen.

Kleiner Lichtblick

Seitdem haben sich die Zahlen um rund ein Fünftel erhöht, innerhalb von nur vier Jahren Jahren. "Zum ersten Mal seit einem Jahrhundert steigt die Zahl der wild lebenden Tiger wieder an", sagt Eberhard Brandes vom WWF im April 2016. Zumindest in einigen Ländern, und zwar auf rund 3.890 Tiere. Den größten Zuwachs gab es in Indien, dort legte die Population um rund 500 Tiere auf 2200 zu. Auch in Nepal leben wieder 200 Tiger mehr, das ist eine Erhöhung um zwei Drittel. Nicht überall sieht es so gut aus: Bangladesch meldet 300 Tiger weniger.
Wilderei und der schrumpfende Lebensraum bleiben weiter die Hauptprobleme für den Schutz des Tigers. Davon hängt auch ab, ob die Ziele des Treffens von St. Petersburg erreicht werden können.


2