BR Fernsehen - Kontrovers


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Sexualstraftäter Rückfällig unter den Augen der Behörden

Kinderpornos auf dem Computer, Cybersex mit kleinen Jungs. Ein vorbestrafter Mann muss wieder ins Gefängnis, weil er rückfällig wurde. Obwohl er unter Aufsicht und Beobachtung stand. Was ist schiefgelaufen? Warum wurden Kinder nicht besser geschützt?

Stand: 13.05.2015

"Sie haben ein Schlachtfeld hinterlassen", so die eindeutigen Worte des Richters, nachdem er den 30-jährigen Mann vor einer Woche zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt hatte. Eine Familie ist zerstört, Kinder sind traumatisiert, weil der bereits einmal verurteilte Pädophile gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat. Obwohl er unter Führungsaufsicht stand und in der bayerischen Sexualstraftäterdatei HEADS gelistet war. Das Ziel dieser Datei: Die Kontrolle rückfallgefährdeter Sexualstraftäter durch die Vernetzung zuständiger Stellen wie Führungsaufsicht, Bewährungshelfer und Polizei zu optimieren.

Die bayerische Sexualstraftäterdatei HEADS

Die Haft-Entlassenen-Auskunfts-Datei-Sexualstraftäter (HEADS) im Polizeipräsidium München gibt es seit Oktober 2006. Durch sie soll der Informationsaustausch zwischen Polizei, Justiz und Maßregelvollzug verbessert werden in Bezug auf ehemals inhaftierte und besonders rückfallgefährdete Sexualstraftäter. Die Datei kann ausschließlich von der Polizei-Zentralstelle eingesehen werden und ist nicht öffentlich zugänglich.

Was ist schiefgelaufen? Am Landgericht München, bei dem die Führungsaufsicht für den Mann lag, verteidigt man sich gegenüber Kontrovers, kann kein Versagen erkennen. Die HEADS-Zentralstelle antwortet auf Kontrovers-Anfrage: "Prinzipiell sind (…) Stellungnahmen zu konkreten Fällen nicht möglich."

Entscheidende Fragen sind also offen: Wie konnte der Mann, der unter Aufsicht stand, weiter Kinderpornos sammeln? Im Internet mit minderjährigen Jungs chatten? Warum durfte er mit einer Frau, die zwei kleine Kinder hat, zusammenleben, sie heiraten?

Was genau er mit den Kindern gemacht hat, ist unklar. Deren leiblicher Vater beschreibt sie als schwer traumatisiert. Er erhebt Vorwürfe gegen die Behörden. Kontrovers geht der Frage nach: Wie kann ein Sexualstraftäter, der unter Aufsicht steht, rückfällig werden? 


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