BR Fernsehen - Kontrovers


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Die Story Notfallmedizin vor dem Kollaps

Sie treten an, um Leben zu retten, sie wollen helfen, wenn jede Minute zählt: Notärzte und Rettungssanitäter. Doch immer öfter müssen sie sich um Patienten kümmern, die gar keine Notfälle sind. Alarmierend!

Stand: 08.07.2015

Vier bayerische Städte, vier Menschen, die in der Notfallmedizin arbeiten - Kontrovers-Reporter haben sie begleitet und waren einen Tag lang mittendrin im Rettungssystem. Ihre Diagnose: Die Notfallmedizin steht vor dem Kollaps. Schuld daran haben nicht zuletzt die Patienten selbst. Sie rufen den Rettungswagen, wenn ein Verband zu wechseln ist. Sie gehen in die Notaufnahme wegen Kopfschmerzen, die sie schon seit Wochen plagen. Sie bestellen gar einen Sanka als Taxi. So rauben sie Sanitätern und Ärzten wertvolle Zeit für wirkliche Notfälle.

Im Klinikum Ingolstadt schätzt man: Jeder dritte Patient, der in der Notfallklinik auftaucht, hätte auch zum Hausarzt gehen können - oder besser: sollen. Denn Notfallmediziner arbeiten sowieso schon am Limit: Die zeitliche und psychische Belastung ist hoch, die Bezahlung gering für ihre verantwortungsvolle Arbeit.
Die Kontrovers-Story: Was läuft schief im Rettungssystem? Welche Rolle spielen die Patienten? Ein Praxis-Test.


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Claudia Gata, Sonntag, 19.Juli, 07:44 Uhr

9. unmöglich

die Patienten sollen in der Reihenfolge des Eintreffens in der Notaufnahe behandelt werden.

  • Antwort von Christoph, Mittwoch, 22.Juli, 15:58 Uhr

    und genau das ist absolut falsch

Friedo, Freitag, 10.Juli, 13:35 Uhr

8. Systemproblem

Danke für diesen intenisiven Bericht, der viele Aspekte ins Auge fasst und darstellt.
Es gibt m. E. n. mehrere Punkte, die die derzeitige Situation herbeigeführt haben:
1. Leitstellen: Oftmals wird seitens der Leitstellen der "bequeme" Weg gewählt und einfach ein Einsatz eröffnet mit irgendeinem Stichwort, und sei es "unklar". Das Problem wird verlagert. Das degradiert die entsprechenden LST zu reinen Callcentern. Ich will damit nicht alle über einen Kamm scheren, aber das ist leider vielerorts Realität.
2. politische Gründe: Es ist teilweise politisch gewollt, Einsatzzahlen hoch zu halten, um seinen Wasserkopf entsprechend aufbauschen zu können und dafür eine Rechtfertigung zu haben. Die Lokalpolitiker, die hier Entscheidungskompetenz haben, haben leider seltenst auch nur einen entferntesten Schimmer, von dem, was der RD macht und was taktisch sinnvoll ist.
3. Vollkaskomentalität der Bevölkerung: Rd kommt halt immer...
wbc.

Angie, Freitag, 10.Juli, 08:24 Uhr

7. Missbrauch von Notaufnahmen und Rettungsdiensten

1.dieBevölkerung steckt weniger weg heutzutage.EinMückenstichlein,der zu einer kleinen rötlichen lokalenSchwellung angewachsen ist ,ein Beulchen, dass ärztlich untersucht werden muss. ..Husten Schnupfen Heiserkeit.
2. Wo sind dieAlternativen für diejenigen , deren subjektiver Leidensdruck, auch bei relativen Kinkerlitzchen in dieNotaufnahmen treibt.
3. Wer klärt dieBevölkerung darüber auf, was denn einNotfall ist und was nicht.
4. Warum schicken niedergelasseneÄrzte,offensichtlich keineNotfallpatienten in dieNotaufnahme.. wie sollen dieLeute es unterscheiden lernen, wenn die die es wissen müssen vorleben.
DIEJENIGEN , DIE NICHT WISSEN, DASS SIE FALSCH SIND, KANN MAN NOCH TOLERIEREN, ABER WAS PASSIERT, WENN SIE ABSICHTLICH IN DIE NOTAUFNAHMEN GEHEN ODER DEN NOTARZT BESTELLEN.
Sie sollten mehr an den Kosten beteiligt werden , das schult am besten.
Z.B.einen Taxipreis , kein kostenloser Cauffeurdienst.
und demPersonal dieMöglichkeit gewähren,mehr davon ablehnen zu DÜRFEN !!!

Miche, Freitag, 10.Juli, 08:16 Uhr

6. Einsätze

Es wird immer nur von Patienten mit Kopfschmerzen oder vom Verbandswechsel geredet. Wir haben an Wochenenden täglich zum Teil 5-6 Einsätze, vom Notfall bis zum Notarzteinsatz mit Hubschrauber, weil irgendwelche Irren mit dem Fahrrad die Schipiste runter rasen müssen. Was ist mit denen? Wo fängt man an und wo hört man auf, einen Einsatz als unnötig zu klassifizieren? Das zweite ist: Es ist erstaunlich, wie oft man raus fährt, weil der Ärztliche Bereitschaftsdienst einen Fall an die ILS weitergibt, nur weil der Akademiker nicht hinfahren will. Warum soll man nachts um drei aufstehen um eine unrentable Spitze gegen Bauchweh zu verabreichen? Also ist es ein akutes Abdomen, natürlich Sep Telefondiagnose, das kann dann der Rettungsdienst in die Klinik fahren.

Klaus, Donnerstag, 09.Juli, 22:19 Uhr

5. Nicht nur in Bayern

Ich bin selber Rettungsassistent auf einem Notarzteinsatzfahrzeug und erlebe es häufig genug, dass wir für Lappalien gerufen werden, es ist nicht die Schuld der Disponenten in der Leitstelle, sondern es spricht sich in der Bevölkerung immer weiter herum: "wenn du unter 112 das und das angibst, dann ist innerhalb von ein paar Minuten der Notarzt da" und das dann auch schon mal am späten Samstag Nachmittag für Kopfschmerzen oder eine Erkältung usw. Beschwerden oft, die schon seit Tagen bestehen. Und dafür fährt man dann mit Blaulicht und Martinshorn durch die Gegend um vermeintliche Leben zu retten, und riskiert dabei seine eigene Gesundheit bzw. sein Leben.
Für jeden solcher unnützen Einsätze sollte die Rechnung an die Verursacher gehen und nicht an die Kassen, sprich die Allgemeinheit