BR Fernsehen - Kontrovers

Die Vergangenheit von Kühne+Nagel

Handlanger der Nazis? Die Vergangenheit von Kühne+Nagel

Stand: 15.04.2015

Kühne+Nagel: Ein deutsches Traditionsunternehmen, stolz auf 125 Jahre Firmengeschichte. Doch welche Rolle spielte der Logistikkonzern in der NS-Zeit? Exklusive Kontrovers-Recherchen über bisher unbekannte Verstrickungen …

Es geht um die Frage, ob sich Kühne+Nagel, heute eine der weltweit größten Speditionen, bei der Ausbeutung der Juden zum Handlanger der Nationalsozialisten gemacht hat. Und darum, wie das Unternehmen mit diesem dunklen Kapitel umgeht.

M-Aktion: Der Massenraubmord der Nazis und seine Handlanger

Unzählige Juden wurden im Zweiten Weltkrieg aus den besetzten Gebieten in Holland, Belgien und Frankreich deportiert und ermordet. Zurück blieben möblierte Wohnungen, Geschirr, Kunstgegenstände. In Rahmen der "M-Aktion" sammelten die Nazis Möbel und alle anderen Wertgegenstände und schickten sie nach Deutschland. Historiker sprechen in diesem Zusammenhang vom größten Massenraubmord der Geschichte, legalisiert durch staatliche Behörden: "Sie sind gewissermaßen die Organisatoren, aber sie allein verfügen nicht über die notwendige Logistik, um diese Raube auszuführen," sagt der Geschichtswissenschaftler Jaromir Balcar.

Und deshalb brauchten sie Hilfe, Hilfe von Speditionen wie Kühne+Nagel. Kontrovers-Reporter Christian Stücken hat in Archiven Beweise dafür gefunden, dass die Firma im großen Stil an der M-Aktion beteiligt war. Lange schwieg die Firma über ihre Verwicklung in diese Verbrechen. Jetzt räumt Kühne+Nagel eine Beteiligung an Möbeltransporten ein. Unklar sei jedoch “wer die Spedition Kühne+Nagel (mit den Transporten) beauftragt hatte, in welchem Zusammenhang sie erfolgten und ob die Durchführung wissentlich und willentlich geschah.“ Ohne Wissen, gegen den Willen der Firmenführung? Der Historiker Jaromir Balcar bezweifelt das.

"Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Speditionen dazu gezwungen wurden. Im Gegenteil, es gibt eher Hinweise darauf, dass auch dieses Geschäft so lukrativ war, dass man versucht hat, die Konkurrenz nach Möglichkeit davon auszuschließen, um es selbst abzuwickeln."

Jaromir Balcar, Historiker

Andere deutsche Unternehmen haben ihre Rolle in der NS-Zeit längst durch eigene Recherchen oder mit Hilfe von Historikern aufgearbeitet. Anders Kühne+Nagel: Sie verweisen darauf, dass das Firmenarchiv 1944 bei einem Bombenangriff vernichtet wurde.

Recherchen von Kontrovers decken auf, wovor Kühne + Nagel die Augen verschließt. Warum stellt sich Kühne+Nagel nicht seiner eigenen Geschichte?

Pressemitteilung von Kühne + Nagel vom 17.3.2015

Kühne + Nagel – Bekenntnis zu seiner Geschichte Format: PDF Größe: 144,63 KB