BR Fernsehen - Kontrovers


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Die Story Der Handel mit Hundebabys aus Osteuropa

Rund 100.000 Hundewelpen aus Osteuropa kommen jedes Jahr zu uns. Zu jung für den Transport, viele lebensgefährlich krank. Gezüchtet unter schockierenden Bedingungen. Kontrovers über ein lukratives, skrupelloses Geschäft.

Stand: 14.07.2014

Vor sechs Wochen: Ein Lieferwagen aus Tschechien fährt auf den Hof des Nürnberger Tierheims. Die Polizei hat ihn in der Nacht auf der Autobahn bei Weiden aufgehalten. An Bord: 57 Hundewelpen. Als Tierheimleiterin Heike Weber und ihr Team die Hunde aus den engen Boxen ins Tierheim bringen, geht es den Tieren noch gut. Doch Weber weiß: Der Zustand kann sich jederzeit ändern. Wie sich zeigen wird, behält sie recht damit: Bald macht sich ein gefährliches Virus im Tierheim breit.

Zunächst beanstanden die deutschen Behörden nur, dass die Welpen nicht nach EU-Gesetz geimpft worden sind. Dafür müssten sie mindestens 15 Wochen alt sein, weil sie erst dann alle Impfungen regelkonform bekommen haben könnten. Die tschechischen Hunde sind erst sieben bis zehn Wochen alt und damit viel zu jung für den Export. Möglicherweise ist ihr Immunsystem noch nicht richtig entwickelt. Das bedeutet, dass die Impfungen oft wirkungslos bleiben, etwa gegen Tollwut oder das hochansteckende Parvo-Virus.

Schon nach wenigen Tagen erkranken im Nürnberger Tierheim die ersten Welpen an diesem Virus, bekommen schweren Durchfall. Viele der Tiere brauchen Infusionen und müssen in die Tierklinik. Zwei Labradorwelpen sterben. Gleichzeitig wird klar: Keine deutsche Behörde will zuständig sein und die Kosten übernehmen.

"Das heißt, dass das Tierheim jetzt eine Komplett-Quarantäne-Station ist. Keiner kommt rein, keiner raus, keine Vermittlung, kein Gassi-Gehen: Quarantäne!"

Tierheimleiterin Heike Weber

Längst haben sich die tschechischen Händler gemeldet und wollen die Tiere zurück. Sie und ein tschechischer Tierarzt gehen davon aus, dass sich die Welpen im Tierheim angesteckt haben. Doch deutsche Tierärzte widersprechen: Schon wegen der Inkubationszeit müssen die Hunde das Virus aus Tschechien mitgebracht haben. Dafür spricht auch, dass die hygienischen Zustände für die Hunde in Osteuropa oft miserabel sind. Die Hundemütter sind regelrechte Gebärmaschinen mit ausgeleierten Zitzen.

Doch das Geschäft mit den Billig-Welpen boomt: 100.000, so schätzt die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten", sollen jedes Jahr aus Osteuropa zu uns gelangen. Die Käufer schauen nur auf den billigen Preis, vor allem im Internet.

"Solange so viele Menschen so wenig Geld für einen Rassehund ausgeben wollen, werden wir hier sitzen und versuchen, jedes Leben zu retten."

Tierheimleiterin Heike Weber

Die Reportage begleitet über Wochen hinweg die Welpen im Nürnberger Tierheim und die Mitarbeiter mit all ihren Herausforderungen. Die Reporter machen sich selbst ein Bild von den Zuständen in Tschechien. Sie spüren die Welpenhändler auf und recherchieren die Hintergründe des lukrativen Tierhandels. Außerdem treffen sie ehemalige Hundezüchter, die von schockierenden Bedingungen berichten.


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