BR Fernsehen - Kontrovers


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Fehlerhafte Gutachten Polizei beauftragt umstrittenen Sachverständigen

Ein Gutachter irrt sich - immer wieder, manchmal folgenschwer. Aufgrund seiner Fehleinschätzung saß ein Unschuldiger acht Jahre lang im Gefängnis.  Dennoch wird der umstrittene Sachverständige weiter von der bayerischen Polizei beschäftigt.  Wie kann das sein?

Stand: 18.03.2015

Ein Gutachter im Zwielicht: Schon mehrfach haben wir über Cornelius Schott berichtet. 2007 stand er selbst vor Gericht – wegen grob fahrlässiger Gutachtenerstattung im Fall Stellwag. Acht Jahre lang saß Donald Stellwag unschuldig im Gefängnis. Ihm wurde vorgeworfen, 1991 in Nürnberg eine Bank überfallen zu haben. Stellwag hatte ein Alibi, aber er sah dem Mann auf den Bildern der Überwachungskamera ähnlich.

Donald Stellwag | Bild: picture-alliance/dpa

Donald Stellwag saß acht Jahre lang unschuldig im Gefängnis.

Der eingesetzte Gutachter, der Humanbiologe Cornelius Schott aus Hessen, war sich sicher: Stellwag ist der Täter. Er hatte ihn am Ohr "identifiziert". Ein fataler Fehler, wie sich Jahre später herausstellte. Schott wurde zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Und machte als Gutachter weiter.

Auch im Auftrag der bayerischen Polizei. Offenbar bekommt sogar kein anderer Gutachter so viele Aufträge von der Zentralen Verkehrsordnungswidrigkeiten-Stelle wie Schott. Der soll besonders schnell und kostengünstig arbeiten. Aber: Er irrt sich auch weiterhin immer wieder. Kontrovers liegen mehrere Fälle vor. Warum wird der umstrittene Gutachter immer noch in Bayern eingesetzt?


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