BR Fernsehen - Kontrovers


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Die Story Der Weg deutscher Gotteskrieger nach Syrien

Hunderte junger Deutscher kämpfen zur Zeit im syrischen Bürgerkrieg auf Seiten islamistischer Terrorgruppen. Auch Islamisten aus Bayern sind darunter. Die Gesellschaft steht der Radikalisierung weitgehend hilflos gegenüber.

Stand: 13.08.2014

Es ist ein schockierendes Bild: Mustafa K., ein junger Deutscher, hält in einer syrischen Ortschaft grinsend den abgeschlagenen Kopf eines gefallenen Gegners in die Kamera. Mustafa K. ist kein Einzelfall: Etwa 300 fanatisierte, junge Deutsche kämpfen nach offiziellen Angaben derzeit im syrischen Bürgerkrieg auf Seiten islamistischer Terrorgruppen.

Die Politik diskutiert, wie man mit ihnen und anderen Islamisten umgehen soll, wenn sie zurück nach Deutschland kommen. Bayerns Innenminister warnt davor, dass "Deutschland zum Schlachtfeld militanter Gruppen" werden kann. In einigen deutschen Städten gibt es bereits eine Szene gewaltbereiter und radikalisierter Muslime, die für ihre Form des Glaubens in den Tod ziehen wollen. Auch Islamisten aus Bayern sind darunter.

Was bringt diese jungen Frauen und Männer dazu, in einem fremden Land für Allah zu sterben? Der Film gibt exklusive Einblicke in diese Szene und zeigt die Schwierigkeit der deutschen Gesellschaft im Umgang mit diesem Phänomen.

Enis starb mit nur 16 Jahren in Syrien

Enis Ü.

Frankfurt am Main und Dinslaken am Rand des Ruhrgebiets: Beide Städte halten traurige Rekorde, die sie miteinander verbinden. Gleich vier Jugendliche aus Frankfurt sind in Syrien ums Leben gekommen, darunter auch Enis Ü., gerade einmal 16 Jahre alt. Fast alle kämpften für die ISIS, deren Krieger für ihre Brutalität und ihre strikte Religionsauslegung gefürchtet sind. Genau das scheint sie für junge Radikale aus dem Westen so anziehend zu machen.

In Dinslaken scheint diese Radikalität auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Ein gutes Dutzend junger Männer hat sich der ISIS angeschlossen. Der Film "Sterben für Allah?" zeichnet den Weg der Radikalisierung dieser jungen Deutschen nach, zeigt das Umfeld, in dem sich die jungen Muslime radikalisieren. Aber auch verzweifelte Angehörige kommen zu Wort, die nicht verstehen können, wie ihre Kinder in die Fänge der Gotteskrieger geraten konnten.

Perspektivlosigkeit als Hintergrund

Doch was treibt die Jugendlichen überhaupt in die Arme der Islamisten? Es ist vor allem das Gefühl der Perspektivlosigkeit, dass sie als Muslime nicht anerkannt werden in unserer Gesellschaft. "Das macht anfällig für die Rattenfänger, die einfache Antworten geben", sagt der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Was hat die fanatische Auslegung des Islam, die von den Gotteskriegern gelehrt wird, überhaupt noch mit Religion zu tun? "Sehr wenig", lautet die fast einhellige Meinung deutscher Islamwissenschaftler wie Mouhanad Khorchide.

Die Ideologie der Gotteskrieger ist eher eine Mischung aus religiösen Versatzstücken und politischer Agitation. In der deutschen Öffentlichkeit wird das Problem der Gotteskrieger jedoch meist als eines der muslimischen Gemeinden gesehen. Die sind mit dem Problem überfordert, haben sich muslimische Gemeinden doch jahrelang um Integration bemüht. Nun stehen die Gemeindevertreter vor den Trümmern ihrer Arbeit, müssen hilflos zusehen, wie sich die eigenen Söhne und Töchter radikalisieren. Der Film "Sterben für Allah?" gibt erschreckende Einblicke in die Denkweise der Radikalen, zeigt die Verführungsmechanismen und sucht nach Antworten, wie unsere Gesellschaft auf diese Herausforderung reagieren soll.

Ein Film von Peter Gerhardt, Ilyas Mec und Ahmet Senyurt

Diese Sendung wurde produziert vom Hessischen Rundfunk, dem Bayerischen Rundfunk und dem Südwestrundfunk.


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